Von Manuel Holscher ›

Thore Jacobsen, der vom 1. FC Magdeburg von Werder Bremen ausgeliehen ist, hängt in der Luft. Wie und wo es weitergeht, ist unklar.

Magdeburg l Auf dem Trainingsplatz hinter der MDCC-Arena weht häufig ein fieser Wind. Dieser sorgt dafür, dass sich die Spieler des 1. FC Magdeburg trotz eigentlich milder Temperaturen immer etwas dicker anziehen. So auch Thore Jacobsen, der zuletzt eine lange Hose und eine Mütze trug.

Ungewohntes Kleingruppentraining

Diese Bekleidung war aber auch deshalb angebracht, weil das Training in Kleingruppen deutlich statischer und bewegungsärmer ist als die ansonsten gewohnten Einheiten mit der gesamten Mannschaft. Anstelle von Laufduellen und Zweikämpfen sind momentan kurze Pässe und leichte Fitnessübungen angesagt. „Es war anfangs schon ein schönes Gefühl, wieder auf dem Rasen zu stehen. Problematisch ist, dass wir sehr eingeschränkt sind. Es ist aber wichtig, dass wir uns an die behördlichen Vorgaben halten“, betont Jacobsen. Momentan trainiert er in einer Dreiergruppe mit Mario Kvesic und Patrick Möschl.

Neben der Ungewissheit, ob die Saison fortgesetzt wird, weiß Thore Jacobsen auch noch nicht, wie es für ihn persönlich im Sommer weitergeht. Vor einem Jahr schloss der FCM mit Werder Bremen einen Leihvertrag, der am 30. Juni endet. Am 1. Juli müsste Jacobsen deshalb eigentlich an die Weser zurückkehren.

Werders Baumann hält sich bedeckt

Ob es dazu aber wirklich kommt, ist fraglich. „Wir sind mit Thores Entwicklung sehr zufrieden und werden zu gegebener Zeit mit ihm sprechen“, sagt Werder-Geschäftsführer Frank Baumann auf Volksstimme-Nachfrage zwar. „Allerdings müssen wir erst die weiteren Entwicklungen bei uns abwarten. Das wird bei den FCM-Verantwortlichen, mit denen wir einen vertrauensvollen Austausch haben, nicht viel anders sein.“

Und damit umschreibt Baumann ziemlich genau Jacobsens Problem: Der Mittelfeldspieler steht zwischen den Stühlen. Schließlich kämpft Bremen gegen den Erstliga-Abstieg und hat finanzielle Probleme. Ein Transfer und damit verbundene Einnahmen könnten gerade recht kommen. Außerdem ist die Konkurrenz im Mittelfeld mit Maximilian Eggestein, Davy Klaassen und Kevin Möhwald groß – und die Aussicht auf Spielzeit gering.

Jacobsen kann sich Verbleib vorstellen

Eigentlich keine schlechten Voraussetzungen für den FCM, wenn es um eine feste Verpflichtung geht. Unbestritten ist auch, dass der Club von Jacobsen und seiner Entwicklung überzeugt ist. Eigentlich kam er als linker Verteidiger, mauserte sich dann aber im zentralen Mittelfeld zum Stammspieler und Leistungsträger. Und er fühlt sich beim Club wohl: „Ich kann mir gut vorstellen, auch über den Sommer hinaus beim FCM zu bleiben.“

Der Leistungsnachweis von Jacobsen lässt aufhorchen: Er ist ballsicher, technisch beschlagen und kann das Spiel schnell und zielgenau verlagern. „Thore hat zwar erst drei Spiele gemacht, seitdem ich Trainer bin. Er ist aber willig, laufstark und perspektivisch sehr interessant“, sagt Claus-Dieter Wollitz. Der FCM-Trainer hat aber auch einen Schwachpunkt ausgemacht: „Wir brauchen von ihm noch mehr Torgefahr.“ Ein Blick auf die Statistik untermauert die Kritik: Jacobsen blieb in 22 Drittligapartien ohne Treffer und verbuchte eine Vorlage.

Jacobsen muss sich gedulden

Trotzdem wäre der Club einer Verpflichtung wohl nicht abgeneigt. Doch wegen der Corona-Krise liegen in Magdeburg momentan sämtliche Vertragsgespräche auf Eis. Und so wird die Geduld von Jacobsen, dessen Vertrag in Bremen bis Sommer 2021 gilt, auf die Probe gestellt. Der Defensiv-Allrounder versucht, der Ungewissheit in der Corona-Krise etwas Positives abzugewinnen: „Immerhin habe ich noch ein Jahr Vertrag in Bremen. Schlimmer wäre es, wenn mein Kontrakt Ende Juni auslaufen würde.“

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