Zeit für einen Systemwechsel beim FCM

Für den 1. FC Magdeburg könnte der Schlüssel zum Erfolg gegen den Hamburger SV in der Taktik liegen.

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Magdeburg l Es scheint fast so, als stecke System dahinter, als würde FCM-Trainer Jens Härtel seine Mannschaft erst in der zweiten Halbzeit von der Leine lassen. Das war gegen Dresden so. Und auch zuletzt in Heidenheim. Beide Male präsentierte sich der FCM nach der Pause wie ausgewechselt. Und beide Male geschah dies nach einer Systemumstellung vom 3-4-3 auf ein 4-2-3-1.

Die Folge war offenkundig: Der FCM dominierte den Gegner, Philip Türpitz wirbelte hinter den Spitzen, Marius Bülter überzeugte durch seinen Offensivdrang und seine Lust am Kombinationsspiel. Der Club hatte zahlreiche Chancen, allein der Torerfolg blieb verwehrt. Doch trotz der zuvor auch nicht schlechten ersten Halbzeit zeigte die Mannschaft ganz klar: Das Team kann auch in der 2. Bundesliga spielerisch mithalten. Mehr noch: Sie kann einen Gegner sogar in die Defensive drängen.

FCM will von Beginn an offensiv sein

Die Partien gegen Dresden und in Heidenheim waren wie das Abziehbild einer Entwicklung. Der FCM lag jeweils 0:2 zurück, Härtel stellte das System um, und der Club spielte ansehnlichen Fußball. Was Richard Weil, der in Heidenheim das Spiel nach seiner Einwechslung im zentralen Mittelfeld ankurbelte, zu einer kritischen Erkenntnis brachte: „Wir müssen von Beginn an so offensiv spielen und nicht erst, wenn wir 0:2 oder 2:4 zurückliegen.“

Die Frage liegt auf der Hand: Welches System passt eigentlich besser zum FCM?

Türpitz als Ballverteiler

Ein 4-2-3-1 hat seine Vorteile: Mit Philip Türpitz läuft dann ein Spieler direkt hinter Stürmer Christian Beck auf. Türpitz gibt den Ballverteiler, ist Anspielstation. Davon profitiert auch Beck, weil er nicht nur auf Flanken angewiesen ist. Zudem kann sich ein Sechser ins Offensivspiel mit einschalten, in Heidenheim war es Weil. Und: In der Defensive sind die beiden Außenverteidiger – in der zweiten Halbzeit in Heidenheim waren es Nico Hammann links und Nils Butzen rechts – flexibel. Wegen des 0:2 standen sie recht hoch, suchten immer wieder den Weg nach vorne. Im Vergleich zum vertrauten 3-4-3-System sind also mehr Spieler an der Offensivbewegung beteiligt.

FCM-Trainer Jens Härtel sieht die Lösung aber dennoch nicht allein im System. „Die Grundordnung kann helfen. Noch wichtiger ist aber, wie die Mannschaft auftritt“, sagt er. Und: „Alle Spieler müssen defensiv und offensiv arbeiten. Dann sind wir in der Lage, Spiele wie gegen Dresden und in Heidenheim abzuliefern.“

Gefahr von Kontern

Wird Jens Härtel im Spiel heute gegen den Hamburger SV also reagieren? Klar ist: Es ist seine Aufgabe zu entscheiden, was am besten zur Mannschaft passt und ob er umstellt. Das sagt auch Maik Franz. „Die Taktik fällt zu 100 Prozent in den Aufgabenbereich des Trainers. Der Trainer wird für das Spiel gegen Hamburg die richtigen Entscheidungen treffen“, sagt der FCM-Sportchef.

Denn die 4-2-3-1-Ordnung hat freilich auch einen Nachteil: Die Mannschaft ist dann anfälliger für Konter. Das 3-4-3 ist kompakter, in der Rückwärtsbewegung agiert der FCM dann in einem 5-4-1. Doch die vergangenen beiden Partien haben auf der anderen Seite auch gezeigt, dass in einem kompakten System weniger Chancen kreiert werden. Und dass es schwierig ist, im 3-4-3 einen Rückstand aufzuholen, bekam der FCM schon in den Drittligajahren zu spüren.

Ob das 4-2-3-1 beim FCM besser als die gewohnte Taktik funktioniert, wird sich wohl nur zeigen, wenn es auch mal über 90 Minuten gespielt wird. Vielleicht schon am Freitagabend gegen den Hamburger SV.

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