Nach Tod eines FCM-Fans wollen HFC-Anhänger wie „Stendaler Jungs“ das Derby meiden

Stendal  / Magdeburg. 34 Fangruppen des HFC haben sich einer Erklärung der „Saalefront“ angeschlossen, darunter eine, die sich „Stendaler Jungs“ nennt. Die Polizei traut dem Frieden dennoch nicht und bereitet sich intensiv auf das Derby zwischen dem 1. FC Magdeburg und dem Halleschen FC am 26. November vor.

Nach dem Tod eines FCM-Fans bleibe die Lage angespannt. Auch wenn die Saalefront, eine der führenden Ultragruppierungen des HFC, auf ihrer Internetseite mitteilt, auf eine Reise an die Elbe verzichten zu wollen, können die Sicherheitskräfte Zusammenstöße zwischen den bereits seit DDR-Zeiten verfeindeten Fanlagern nicht ausschließen. „Festzustellen bleibt, dass es vor dem Hintergrund des Todes von Hannes S. kein Spiel wie jedes andere sein wird“, meint Polizeisprecher Mike von Hoff in Magdeburg.

Beide traditionsreichen Drittligaklubs haben in der Altmark ihre Anhänger, einige davon greifen zu unerlaubten Mitteln. Insbesondere in der Kreisstadt Stendal liefern sich beide Seiten immer wieder einmal für alle sichtbare Auseinandersetzungen mit der Farbdose. Erst vor einigen Monaten waren Hausfassaden in der Altstadt mit einschlägigen Schriftzügen versehen. Hat das eine Lager seine Visitenkarte hinterlassen, schmiert das andere seine darüber. Im Internet existiert eine Seite, auf der mitunter in recht derber Wortwahl für Lok Stendal und den HFC geworben und die Feindschaft zum FCM beschworen wird. Der jüngste Eintrag stammt aus dem Frühjahr, als die Welt für die meisten Fußballfans noch in Ordnung war.

Der Tod des FCM-Fans Hannes S. hat die Fußballszene in Sachsen-Anhalt erschüttert. Der 25-Jährige soll in der Nacht zum 2. Oktober in einem Zug auf Anhänger des HFC getroffen sein. Zeugen wollen eine Auseinandersetzung gesehen haben. Der junge Mann wurde später lebensgefährlich verletzt an den Gleisen gefunden. Am 12. Oktober ist bekannt geworden, das Hannes S. im Krankenhaus gestorben ist. Mittlerweile gehen die Ermittler davon aus, dass der Fußballfan die Notöffnung der Tür eigenhändig betätigt hat. Wie und warum, ob der Barlebener aus dem Zug geschubst wurde, gefallen ist oder sprang, ist allerdings nach wie vor unklar. Auch gibt die Polizei keine weiteren Details zum Stand der Untersuchungen heraus.

Die Ankündigung, dass große Teile der HFC-Fans „aus Respekt gegenüber dem verstorbenen Hannes“ nicht zum Spiel nach Magdeburg reisen wollen, sieht die Polizei durchaus positiv. „Da diese Maßnahme deeskalierend wirken kann“, so deren Sprecher von Hoff gegenüber der AZ. Gleichwohl sei die Fanszene keine „homogene Masse“, sodass davon ausgegangen werden müsse, dass eine unbestimmte Anzahl trotzdem zum Spiel kommen werde. „Da auch auf Magdeburger Seite nicht klar ist, ob hier alle Fans zu einem Gewaltverzicht bereit sind, wird sich die Polizei auf genau dieses Szenario einstellen und ihren Einsatz dementsprechend vorbereiten.“

Die Oberbürgermeister von Magdeburg und Halle, Lutz Trümper und Bernd Wiegand, haben die Fanlager zur Besonnenheit aufgerufen. Auch FCM-Präsident Peter Fechner und HFC-Chef Michael Schädlich demonstrieren in dieser Frage Geschlossenheit. Die Internetseite der „Blue Generation“, einer Ultra-Gruppierung des FCM, zeigt sich auch mehr als eineinhalb Monaten nach dem Tod von Hannes S. in Trauer und Schwarz-Weiß. Ob sich alle Ultras, Hooligans und sonst wer beim Derby in gut einer Woche wirklich an die Spielregeln halten, bleibt abzuwarten. Die Polizei gibt sich gewappnet.

Von Marco Hertzfeld

Quelle : https://www.az-online.de/altmark/stendal/polizei-traut-frieden-nicht-6990893.html

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