Jens Härtel: Viermal ohne Lizenz – bald zwei Aufstiege?

Von Hans-Joachim Malli

Magdeburg. Nach dem 2:0-Erfolg an der Bremer Brücke ist Magdeburgs Trainer Jens Härtel dem Traum Zweitligaaufstieg mit dem zehnten Sieg im zwölften Saisonspiel ein weiteres Stück nähergekommen. Doch der 48-Jährige selbst tritt stets als Erster die Euphoriebremse, bedient stets die bekannte Trainerfloskel, dass nur von Spiel zu Spiel gedacht wird. „Das war alles andere als ein Selbstläufer. Das ist es nie. Wichtig ist, dass weiter die Spannung hoch bleibt, sonst ist es schnell vorbei“, so der 48-Jährige nach dem ersten Sieg des FCM in Osnabrück überhaupt.

Der gebürtige Sachse Jens Härtel hat in seiner Karriere als Spieler und Trainer bisher mehr Tiefen als Höhen durchgemacht und manchen Schicksalsschlag hinnehmen müssen. Viermal erlebte der knallharte Verteidiger als Spieler nach sportlichem Aufstieg mit dem FC Sachsen Leipzig (1993, 2001), dem 1. FC Union Berlin (1994) und dem SV Babelsberg (2002) einen Lizenzentzug infolge finanzieller Misswirtschaft. Das prägt.

Auch an die Bremer Brücke hatte Härtel ganz schlechte Erinnerungen. Im Juni 2000 scheiterte er mit Union am VfL im Aufstiegsspiel der Regionalliga-Meister Nord und Nordost zur 2. Liga. Kapitän Härtel hatte Berlin in der regulären Spielzeit früh mit 1:0 in Führung gebracht, nach dem 1:1 auch im notwendigen Elfmeterschießen getroffen, ehe Uwe Brunn, der selbst verwandelte, dann gegen Torwartkollege Kay Wehner parierte, zum Aufstiegshelden des VfL wurde. Die Wuhlheider vergeigten dann auch noch gegen LR Ahlen. Auch das hinterließ Spuren.

Der gebürtige Rochlitzer (bei Zwickau) erlebte als Spieler und Trainer zahlreiche Stationen, kam in seiner Jugend über Chemie Großbothen und Motor Grimma zum 1. FC Lok Leipzig, ehe es ihn weiter zu Chemie Böhlen in die DDR-Oberliga und später zum FC Sachsen Leipzig und FSV Zwickau zog, wo er unter Trainer Joachim Streich zwei Jahre 2. Bundesliga spielte. 1. FC Union Berlin, erneut Sachsen Leipzig, dann SV Babelsberg und zum Karriereende Schöneiche Berlin waren die weiteren Stationen, ehe eine Knieverletzung 2005 das Ende der aktiven Laufbahn bedeutete.

Als Spielertrainer brachte der ruhige, stets besonnene und bodenständige Härtel Germania Schöneiche in die Oberliga, schmiss dann aber aus familiären Gründen hin und wäre fast als Disponent in einem Schöneicher Autohaus gelandet. Sein Spezi Oskar Kosche lockte den Familienmenschen als Co-Trainer von Dietmar Demuth zum SV Babelsberg. Im März 2011 machte Härtel seinen Fußballlehrer, war in einem Kurs mit Roger Schmidt, Markus Gisdol, Markus Weinzierl, Tayfun Korkut und Thomas Schneider.

Aufhorchen ließ Härtel im August 2011 als Trainer des Berliner AK mit einem 4:0 im DFB-Pokal gegen die TSG Hoffenheim. Ralf Rangnick holte ihn daraufhin 2013 als U-19-Coach zu RB Leipzig. Da stand er in der Regionalliga auch seinem heutigen Co-Trainer Ronny Thielemann, der die A-Junioren des FCM trainierte, gegenüber, führte die Roten Bullen mit seinem damaligen und heutigen Lieblingsschüler Michel Niemeyer in die A-Junioren-Bundesliga.

2014 begann dann die Erfolgsstory mit dem 1. FC Magdeburg, den er auf Anhieb nach 25-jähriger Durststrecke zurück in den Profifußball führte. Härtels Vertrag, dessen Verlängerug im Frühjahr mit einigen Störgeräuschen verbunden war, läuft im Sommer 2018 aus. Dann will der bekennende Christ den FCM erneut zum Aufstieg geführt haben.

 

Quelle : https://www.noz.de/deutschland-welt/sport/artikel/965995/jens-haertel-viermal-ohne-lizenz-bald-zwei-aufstiege

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