Von Manuel Holscher ›

Zwölf Spieler des 1. FC Magdeburg wurden nach dem Spiel gegen Köln teils emotional verabschiedet.

Magdeburg l Den Stimmungstest gab es schon vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln. Die Spieler des 1. FC Magdeburg liefen vor Anpfiff in ihre Fankurve. Und wer gedacht hätte, dass es nach dem verpassten Saisonziel, nach dem feststehenden Abstieg Pfiffe geben würde, sah sich getäuscht. Im Gegenteil: Die Mannschaft wurde lautstark bejubelt.

Im letzten Zweitliga-Heimspiel des Clubs gegen den feststehenden Aufsteiger aus Köln ging es für den FCM in erster Linie darum, sich mit Anstand aus der Liga zu verabschieden. Das gelang beim 1:1 (0:1). Allerdings wurde auch am Sonntag wieder deutlich, dass der FCM in dieser Saison zu oft an sich selbst gescheitert ist, sprich an der Chancenverwertung.

Rico Preißinger (1.), Christian Beck (2.), Marcel Costly (18.) und Nico Hammann (29.) vergaben jeweils gute Gelegenheiten. Köln zeigte hingegen die Effizienz, die ein Top-Team auszeichnet: Mit der ersten Chance ging der Zweitligameister durch einen Kopfball von Simon Terodde in Führung (3.). Immerhin kam der FCM nach dem Seitenwechsel noch zum verdienten Ausgleich durch Felix Lohkemper (53.). Die Feierstimmung wurde einzig durch eine rund fünfminütige Spielunterbrechung getrübt.

Butzen lautstark gefeiert

Der Spielverlauf stand allerdings gar nicht wirklich im Vordergrund: Die Magdeburger Anhänger feierten trotz des sportlich schwierigen Jahres 90 Minuten lang die Mannschaft, sich selbst und mit Nils Butzen und Christopher Handke zwei Spieler, die den Verein nach vielen Jahren verlassen. Als Butzen in der 49. Minute für Marcel Costly in die Partie kam, wurde sein Name gleich mehrmals von den Fans gerufen.

Nach der Partie wurden wie von der Volksstimme bereits exklusiv berichtet Trainer Michael Oenning und zwölf Spieler verabschiedet: Giorgi Loria, Jan Kirchhoff, Felix Lohkemper, Mario Seidel, Dennis Erdmann, Richard Weil, Aleksandar Ignjovski, Steven Lewerenz, Romain Brégerie, Michel Niemeyer, Christopher Handke und Nils Butzen. Zudem werden die ausgeliehenen Joel Abu Hanna und Leon Heynke nicht zurückkehren.

„Eigenartige“ Tage für Butzen

Die Spieler bekamen vom Club jeweils eine Collage überreicht. Besonders bewegend war der Abschied von Butzen, der den Verein nach zehn Jahren in Richtung Hansa Rostock verlässt. „Es waren für mich eigenartige Tage. Es ist schwer zu beschreiben. Eigentlich habe ich alles so gemacht wie bisher, aber es war wegen des Abschieds doch alles anders“, sagte Butzen. „ Es war für mich mega emotional und ein guter Abschluss, auch wenn die Saison nicht erfolgreich war. Wahrscheinlich werde ich das alles erst verstehen, wenn ich nicht mehr täglich herkomme, wenn ich plötzlich ein anderes Wappen auf dem Trikot habe.“

Wechsel und Abschiede gehören aber eben dazu. „Ich denke, dass ich die Situation jetzt ganz gut aufgenommen habe. Ich werde auch aus Fehlern lernen, die ich gemacht habe. Jetzt ist es vorbei“, so Butzen.

Erdmann ärgert sich

Zum letzten Mal im FCM-Trikot lief auch Dennis Erdmann auf, der minutenlang von den Fans gefeiert wurde. „Ich denke, dass mein Weg, den ich im Fußball gehe, richtig ist. Sonst würden das ja nicht so viele Leute honorieren“, sagte Erdmann.

Der Abwehrspieler war aber nicht nur freudig bewegt, er war auch verärgert. Erdmann hatte zuletzt das Gefühl, von den FCM-Verantwortlichen um Geschäftsführer Mario Kallnik und Sportchef Maik Franz nicht genügend wertgeschätzt zu werden. „Der Abschied geht nicht alleine von mir aus. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich unbedingt gehalten werden sollte. Ich hätte auch gerne gewusst, wer Trainer wird“, erzählte er. Dem entgegen steht die Aussage von Kallnik, der betonte, Erdmann ein Angebot für die 2. und 3. Liga gemacht zu haben, das Erdmann aber abgelehnt hatte. „Ich weiß jetzt noch gar nicht, wie es weitergeht. Das hatte ich bisher noch nie. Ich fahre am Donnerstag erst einmal drei Wochen in den Urlaub in die USA“, sagte Erdmann.

Versöhnlicher äußerte sich Trainer Michael Oenning, dessen auslaufender Vertrag nicht verlängert wurde. „Man hat bei uns zwar einen Spannungsabfall gemerkt. Ich bin aber sehr stolz darauf, dass meine Jungs begriffen haben, dass das Spiel gegen Köln die Chance war, zu zeigen, dass sie zurecht in der 2. Liga gespielt haben.“

Nach der Pressekonferenz verließ auch Oenning das Stadion. „Es geht weiter, ich bin nicht aus der Welt.“

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