Der DFB forciert die schnelle Drittliga-Fortsetzung. Der 1. FC Magdeburg bereitet unterdessen eine Rückkehr ins Training vor.Von Manuel Holscher ›

Magdeburg l Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) drückt aufs Tempo, wenn es um eine mögliche Saison-Fortsetzung in der 3. Liga geht. Am Freitag informierte der Verband die Drittligavereine über das weitere Vorgehen und stellte einen Rahmenterminkalender vor. Dieser sieht vor, dass die Saison am 26. Mai fortgesetzt und bis Ende Juni beendet werden soll. Zuvor sollen mit Hilfe des vorgestellten Hygienekonzeptes die Grundlagen hierfür geschaffen werden und die Vereine das Mannschaftstraining bereits am Mittwoch aufnehmen.

Anfrage bei der Stadt gestellt

Bei der Stadt hat der 1. FC Magdeburg in der vergangene Woche angefragt, ob die Mannschaft zumindest für Kleingruppen-Training wieder auf den Rasen darf. „Wir rechnen am Montag mit einer Entscheidung. Wenn uns das Training erlaubt wird, könnte ab Dienstag eventuell in kleineren Gruppen trainiert werden“, betont FCM-Geschäftsführer Kallnik. „Es gilt weiterhin, dass wir uns an die behördlichen Auflagen halten.“

DFB-Konzept für FCM zeitnah nicht zu stemmen

Trotz der möglichen Rückkehr in den eingeschränkten Trainingsbetrieb hat der Club aber weiterhin große Zweifel. Ein zentraler Punkt, der dem FCM große Sorge bereitet, ist das DFB-Hygienekonzept. Dieses Konzept wurde von der Deutschen Fußball Liga (DFL) entworfen und vom DFB jetzt fast deckungsgleich übernommen. „Das Konzept ist auf Erstligisten ausgerichtet. Es ging der DFL darum, so schnell wie möglich wieder spielen zu können, um die Wirtschaftlichkeit der Vereine aufrechtzuerhalten“, betont Kallnik. Aber: „Für Drittligisten ist dieses umfangreiche Konzept nur schwer umsetzbar. Es ist sehr umfangreich und personell sowie strukturell aktuell nicht zu stemmen. Das wirklich Schlimme daran ist, sollte die behördliche Verfügungslage Geisterspiele wieder möglich machen und wir das medizinische Konzept umgesetzt bekommen, wirkt sich das am Ende wirtschaftlich statt positiv extrem negativ aus. Damit werden die Vereine bewusst in existenzielle Not gebracht.“

Im Konzept werden beispielsweise ein Hygienebeauftragter, ein eigener Mannschaftskoch, mehrere Mannschaftsbusse, separate Kabinen, die räumliche Trennung der Behandlungsliegen und eine feste Zuordnung von Spielern zu mehreren Physiotherapeuten gefordert. „Wir haben aber nur einen hauptamtlichen Physiotherapeuten und drei Mannschaftsärzte, welche uns nebenberuflich unterstützen.“, erklärt Kallnik. Doch die FCM-Mannschaftsärzte haben bereits abgewinkt, als sie gefragt wurden, ob sie die Aufgabe des Hygienebeauftragten übernehmen wollen.

Deshalb hat der Club jetzt eine Anzeige öffentlich ausgeschrieben, um diese Stelle besetzen zu können. Die Erfolgsaussichten sind aber wohl gering: Schließlich wird ein approbierter Arzt gesucht, der sich auf eine befristete Anstellung einlässt.

Enger DFB-Zeitplan

Wie eng der aktuelle Zeitplan des DFB ist, wird auch dadurch deutlich, dass der Verband offenbar davon ausgeht, dass jeder Verein schnell einen Hygienebeauftragten benennen kann. Der Rahmenterminplan sieht nämlich vor, dass bereits am vergangenen Freitag oder Sonnabend ein offizieller Hygienebeauftragter von den Vereinen gemeldet werden musste. Am Wochenende sollten Termine mit einem Labor für die erste Corona-Testung der Mannschaft und Betreuer vorgenommen werden, damit die Tests bis zum 14. Mai abgeschlossen sind. Danach sollen die Vereine, wenn es nach dem DFB geht, direkt ins Mannschaftstraining einsteigen.

Doch nicht nur der FCM hat die ersten Termine verstreichen lassen, weil er eben keinen Hygienebeauftragten hat. Viele Vereine der 3. Liga schlagen sich mit den gleichen Problemen herum. Der FSV Zwickau hat beispielsweise wie der FCM immer wieder auf die Probleme hingewiesen, die der Verein durch das Hygienekonzept hat.

Damit nicht genug: Auch die organisatorischen Anforderungen sind für Drittligisten kaum zu meistern. „Wir haben 15 Geschäftsstellen-Mitarbeiter. In der 1. Bundesliga sind es im Schnitt bis zu 250“, stellt Kallnik die Relation klar.

Erwin Bugar sorgt mit Aussagen für Aufsehen

Für Aufsehen hat unterdessen Erwin Bugar gesorgt. Der DFB-Vizepräsident und Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) äußerte sich überraschend deutlich. „Die Information ist so, dass die 3. Liga auf jeden Fall spielen wird und dass man das Sicherheits- und Hygienekonzept der 1. und 2. Bundesliga übernimmt“, erklärte er im MDR. Hierfür erwägt der Verband sogar Spiele auf neutralem Platz in einem anderen Bundesland, falls beispielsweise der FCM in Sachsen-Anhalt nicht spielen darf.

Bugar ging in seinen Aussagen noch weiter. Er erklärte: „Wenn von den Vereinen jemand nicht spielen will, was sich ja andeutet, könnte das vielleicht mit rechtlichen Konsequenzen geahndet werden.“ Punktabzüge seien genauso denkbar wie eine Spielwertung gegen den nicht spielwilligen Verein. Diese Drohungen waren unter anderem an den FCM gerichtet. Eine pikante Würze bekommen Bugars Aussagen dadurch, weil er beim Club im Ehrenrat sitzt.

Kallnik kritisiert Bugar

Kallnik hat für Bugars Aussagen überhaupt kein Verständnis: „Das hat mich schon sehr gewundert. Als DFB-Vizepräsident und als NOFV-Präsident sollte er eigentlich die Sorgen und Nöte der Vereine im NOFV-Gebiet im Blick haben. Dass er stattdessen mit Drohungen arbeitet, hat mich sehr irritiert.“

Klar ist: Das DFB-Präsidium will den Rahmenterminkalender heute unbedingt beschließen. Der Verband hat aber auch betont, dass dies nur möglich sein werde, wenn die Freigabe durch die Politik erfolgt.

Doch diese Freigabe ist weiterhin keinesfalls sicher. Deshalb haben FCM und der HFC einen entsprechenden Brief an Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht übergeben, mit der Bitte um Unterstützung. Meinung

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