Contra-Stimme aus Fan-Lager

Die geplante Ausgliederung der Profiabteilung beim 1. FC Magdeburg bereitet vielen Fans Bauchschmerzen. Die Ultragruppierung Block U wirbt dafür, auf der Mitgliederversammlung gegen die Ausgliederung zu stimmen. Auch Fan Karl Garz unterstützt diese Position, denn er fürchtet, dass dem FCM künftig Ungemach drohen könnte. Seiner Meinung nach gibt es auch eine Alternative zum Plan des Vereins.

von Oliver Leiste

Am Wochenende entscheiden die Mitglieder des 1. FC Magdeburg, ob sie ihre Profimannschaft in eine GmbH ausgliedern wollen. Auch Fan Karl Garz wird an der Mitgliederversammlung teilnehmen und hat eine klare Position: „Ich bin prinzipiell dagegen, auszugliedern“, sagt er. Für diese Meinung hat der 27-Jährige zwei Kernargumente. Das erste: „Durch die Ausgliederung gehen Mitbestimmungsrechte im Verein verloren.“ Wenn ausgegliedert wird, soll es in der GmbH neben den fünf von Vereinsmitgliedern gewählten Aufsichtsräten zwei weitere geben. Diese Plätze werden dann für Sponsoren oder Investoren freigehalten und durch den Aufsichtsrat bestimmt.

„Das ist schon eine entscheidende Änderung und widerspricht der Aussage des Vereins, dass sich für uns nichts ändert“, sagt der Fan. „Ich sehe in der Ausgliederung auch eine Vorbereitung, den Verein später mal zu verkaufen.“ Natürlich stehe das in keinem unmittelbaren Zusammenhang. Nur weil man ausgliedere, müsse man nicht zwangsläufig verkaufen. Aber wenn die Kapitalgesellschaft einmal besteht, sei es eben deutlich leichter. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass wenn ein Investor vor der Tür steht, viele dem auch zustimmen. Das ist eine Sorge, die mich treibt.“

„Keine Notwendigkeit“

Als zweiten Grund für seine Ablehnung nennt der Fan die fehlende Notwendigkeit: „Mit der Rückführung der Stadion- und Spielbetriebsgesellschaft in den Verein könnte der FCM viele Probleme lösen.“ Problematisch ist vor allem, dass Einnahmen und Ausgaben unterschiedlichen Bereichen zugeordnet sind. Dadurch kommt es zu finanziellen Verlusten. Mit seinem Alternativvorschlag könnte der FCM die gleichen Ziele – nämlich die Vermeidung dieser Verluste – erreichen, glaubt Garz. Auch wenn er zugibt, dass einige Risiken, etwa die drohende Aberkennung der Gemeinnützigkeit, bestehen bleiben würden. „Dafür besteht aber eine höhere Identifikation mit dem Verein. Und langfristig eine größere Sicherheit gegen eine Übernahme“, ist er sich sicher.

Garz engagiert sich seit vielen Jahren bei Block U, der Ultragruppierung des 1. FC Magdeburg. So wie er denken viele Ultras, glaubt er. Auch auf einem Flyer der Gruppierung finden sich ähnliche Argumente. Dort wird empfohlen, gegen die Ausgliederung zu stimmen.

Natürlich hat der Fan Verständnis für die Sorgen des Vereins und anderer Fans. Etwa vor den Folgen einer Insolvenz, oder der drohenden Aberkennung der Gemeinnützigkeit. Doch er hat Beispiele, die zeigen, dass man diesen Problemen auch ohne eine sofortige Ausgliederung begegnen kann: „Der VFC Plauen war insolvent und wurde nicht aus dem Vereinsregister gelöscht. Stattdessen ging es eine Liga tiefer weiter. Das wäre bei einer GmbH nicht anders. Und sollte tatsächlich einmal von einem Gericht eine Rechtsformverfehlung festgestellt werden, wird uns nicht über Nacht die Gemeinnützigkeit entzogen. Dann gibt es eine Übergangsfrist, um das zu lösen – so wie jetzt beim ADAC.“

Mitarbeit als Vorsichtsmaßnahme

Am Ausgliederungsprozess des FCM waren neben Vereins- und Wirtschaftsvertretern auch Fans beteiligt. Karl Garz, der in einer Wirtschaftsprüfung arbeitet, hat dabei die FCM-Ultras vertreten. Aber wieso lehnt jemand eine Idee ab, an der er selbst mitgearbeitet hat? Der Fan erklärt es so: „Ich wollte sicherstellen, dass Mitgliederrechte auch im Falle einer Ausgliederung gewahrt bleiben. In der Satzung steht nun zum Beispiel eine Dreiviertel-Mehrheit zur Ausgliederung. Es steht auch drin, dass die GmbH den Mitgliedern ihre Informationen offenlegen muss. Ursprünglich waren zudem mehr Sponsorenplätze im Aufsichtsrat geplant. Meine Mitarbeit ist aber keinesfalls als Zustimmung zur Ausgliederung zu sehen.“

Am Ende des Gesprächs, dass von sehr viel Satzungstheorie geprägt war, wird der FCM-Fan dann persönlich: „Ich vergleiche das mit einem Beispiel aus der Wirtschaft. Es gibt den Konzern VW mit vielen Tochterunternehmen wie Audi, Skoda oder Seat. Obwohl man unter einem Dach arbeitet, fühlt man sich nicht als eins. Das sagt mir mein Bauchgefühl auch in unserem Fall. Wenn man erstmal anfängt, Spieler und Mitarbeiter aus dem Verein zu holen, wird es immer ein ‚wir‘ und ein ‚ihr‘ geben. Man ist dann beim 1. FC Magdeburg unter einem Dach, trotzdem gibt es die GmbH und den Verein. Aus meiner Sicht wäre das dann eine Spaltung, die nicht nur auf dem Papier, sondern auch in den Köpfen bestehen würde. Ich glaube, dass damit Zwietracht und Ärger anfangen könnten. Und diese ideelle Trennung ist ein Punkt, bei dem ich mich unwohl fühle.“

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