Beim 1. FC Magdeburg beendete Marius Sowislo Ende der Saison 17/18 seine Karriere. Als Unternehmer hat er jetzt große Pläne.

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Magdeburg l Für Marius Sowislo war in diesem Sommer alles anders. Während die FCM-Spieler Ende Juni 2018 in die Saison-Vorbereitung starteten, weilte der 35-Jährige mit seiner Familie noch im Urlaub. Nach der Spielzeit 17/18 hatte er seine Karriere beendet. Mit dem Triple, bestehend aus vorzeitigem Aufstieg, Drittliga-Meisterschaft und Landespokalsieg.

Der Rhythmus, dem er in 14 Profijahren gefolgt war, war jetzt plötzlich durchbrochen. Kein Trainingsplan mehr, der die Woche strukturierte. Keine Wochenenden, an denen er mit der Mannschaft durch Deutschland reiste und vor Tausenden Fans spielte.

Komisches Gefühl ohne Training

Schon kurz nach seinem letzten Spiel im Landespokal gegen Stendal hatte Marius Sowislo eine Vermutung: Dass ihm dieser Umbruch wohl erst richtig bewusst wird, wenn er nicht mehr täglich zum Training fährt. „Es war schon ein komisches Gefühl, dass ich die Mannschaft in der Vorbereitung manchmal besucht habe, ohne dabei die Fußballschuhe und die Trainingssachen anzuziehen“, erzählt er. „Ich habe mich aber bewusst entschieden, meine Karriere zu beenden. Deshalb bereue ich auch nichts.“

Fit hält sich Sowislo trotzdem. Mit Läufen durch den Nordpark, in dessen Nähe er mit seiner Familie wohnt. Und auch wenn dieses Training natürlich nicht mit den Einheiten als Profi vergleichbar ist, hat es System. „Fitnesstrainer Dirk Keller hat mir einen Plan erstellt, wie ich am besten abtrainieren kann“, berichtet Sowislo, der sechs Jahre das FCM-Trikot trug.

Mehr Zeit für die Familie

Die ersten Konsequenzen des neuen Lebens spürt der ehemalige Kapitän bereits. „Zwei, drei Kilogramm habe ich seit meinem Karriereende zugenommen“, erzählt Sowislo. „Mein großes Ziel bleibt trotzdem, dass auf der Waage nicht die Neun vorne steht.“ Fußball hat er zuletzt nur noch mit den Kindern im Garten gespielt. „Manchmal kitzelt es noch, als ich beispielsweise die Testspiele verfolgt habe. Die Läufe und die vielen Einheiten in der Vorbereitung vermisse ich aber nicht“, sagt er und schmunzelt. Der größte Zugewinn sei für ihn die Zeit, die er jetzt auch mal am Wochenende mit seiner Familie und mit Freunden entspannt verbringen kann.

Der Kontakt zum FCM ist noch immer sehr eng. Maik Franz, Leiter der Lizenzspielerabteilung, fragte den Ex-Kapitän, ob er sich mit den Neuzugängen austauschen und ihnen Tipps geben könnte. „Das habe ich gerne gemacht. Ich versuche, den neuen Spielern den Einstieg zu erleichtern“, sagt Sowislo.

Gespräch mit Butzen

Unterhalten hat er sich auch mit Nils Butzen, seinem Nachfolger als Mannschaftskapitän. „Wir haben direkt an dem Tag, als er Kapitän wurde, miteinander gesprochen. Ich habe ihm mit auf den Weg gegeben, dass er sich nicht ändern oder neu erfinden soll. Nils wird mit der Zeit in diese Rolle hineinwachsen. Dass war auch bei mir damals so“, betont Sowislo. „Er ist in seiner Arbeit auf und neben dem Platz bestätigt worden. Ich kann die Entscheidung von Trainer Härtel gut nachvollziehen. Nils hat auch in kritischen Phasen nie gescheut, seine Meinung zu sagen. Dass ist wichtig, wenn man die Kapitänsbinde trägt.“

Für Sowislo steht nach dem Karriereende jetzt seine Firma „samforcity“ im Vordergrund. Die hatte er bereits vor vier Jahren gegründet. Anfangs war das Unternehmen vorrangig ein Sportlernetzwerk, mittlerweile stellt sich Sowislo deutlich breiter auf – bringt unter anderem ein Magazin und eine Fancard heraus. Und auch der FCM lässt ihn nicht los, für den Club wird er ab Herbst als Sportvermarkter aktiv sein. „Ich werde für den Verein als Dienstleister arbeiten und Projekte umsetzen. Es geht im Oktober los.“ Ins Detail möchte er nicht gehen. Aber: „Ich bin dankbar, dass der Verein mir diese Möglichkeit gegeben hat. Wir sind seit zwei Jahren im Austausch und das Projekt wurde lange vorbereitet.“

Als Zuschauer beim Pauli-Spiel

Sportlich bleibt ihm nun aber nur noch die Rolle des Zuschauers. Seine erste Livepartie als Ex-Fußballer wird das Heimspiel am Sonntag gegen St. Pauli sein. „Für mich ist es noch gar nicht so richtig greifbar, dass wir in der 2. Bundesliga spielen. Für die Stadt ist es etwas Besonderes, ich wünsche mir, dass der Start gelingt“, sagt Sowislo. „Ich werde versuchen, so viele Heimspiele wie möglich zu besuchen.“

Dass Sowislo noch immer „Wir“ sagt, ist aus seiner Sicht nicht ungewöhnlich. „Für mich gilt das Motto ,einmal-immer’. Ich werde dem Club immer verbunden bleiben, auch wenn ich mal woanders wohnen sollte. Meine mittelfristige Zukunft liegt aber ganz sicher in Magdeburg“, sagt er.

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