Für Mario Seidel gingen in der DFB-Pokalpartie gegen den Erstligisten FC Augsburg gleich mehrere Wünsche in Erfüllung.

Von
Manuel Holscher
Magdeburg l Der 22-Jährige feierte sein Pflichtspieldebüt für den Drittligisten 1. FC Magdeburg, blieb ohne Gegentreffer und wurde zum besten Spieler der Partie gewählt.

Stolz zeigte Mario Seidel die Auszeichnung zum „Man of the Match“ nach dem 2:0-Sieg des FCM gegen den FC Augsburg. Im DFB-Pokal können die Zuschauer per App wählen, wer diese Auszeichnung bekommen soll. „Das Debüt gegen einen Bundesligisten im Pokal zu haben, zu null zu spielen und dann auch noch weiterzukommen – es gibt kaum etwas Besseres“, sagte Seidel nach der Partie. „Als Nummer 3 braucht man immer ein bisschen Glück, um in den Kader zu rutschen oder zu spielen, das habe ich jetzt gehabt.“

Seidel ist eigentlich die Nummer 3

Eigentlich war er im Pokal zunächst für die Bank eingeplant. Die etatmäßige Nummer 1, Jan Glinker, sollte seinem Stellvertreter Alexander Brunst den Vortritt lassen, außerdem war Glinker angeschlagen. Als Brunst aber im Abschlusstraining einen Tag vor dem Augsburg-Spiel umknickte, rückte der Einsatz von Seidel näher. „Nachdem sich Alexander verletzt hatte, bestand die Möglichkeit, dass ich spiele“, sagte die eigentliche Nummer 3 des FCM. „Am Morgen des Spiels hat mir der Trainer dann gesagt, dass ich im Tor stehen werde“, ergänzte er. „Für Alexander ist es unheimlich bitter, weil klar war, dass er spielen sollte.“

Seidel wurde ins kalte Wasser geworfen und quasi aus dem Nichts zum Helden („From Zero to Hero“), denn er nutzte seine Chance bravourös. In der ersten Halbzeit zeigte er gegen Marcel Heller eine tolle Parade (48.), auch nach der Pause, als er deutlich mehr gefordert wurde, verzweifelten die Offensivkräfte des Bundesligisten gleich mehrfach an Seidel. So auch in der 69. Minute, als er Jonathan Schmids Schuss mit der Hand abwehrte und der Ball von der Latte ins Aus sprang. „Das war ein sehr komischer Schuss. Ich glaube auch, dass er den Ball gar nicht richtig getroffen hat, weil er so seltsam flog“, sagte der Spieler mit der Rückennummer 12. Seidel betonte aber auch, „dass ich den Ball vielleicht leichter gehalten hätte, wenn ich anders gestanden hätte“.

Wie im Märchen

Die Geschichte seines Einsatzes kommt einem Märchen gleich. In der Sommervorbereitung durfte er sich knapp drei Tage im Probetraining für den Posten als Nummer drei im Tor des FCM empfehlen. Offen war die Stelle von Lukas Cichos, der zum FSV Zwickau ausgeliehen wurde. Für Seidel ging es im Duell mit Dan Twardzik zunächst darum, überhaupt einen Vertrag beim Club zu bekommen.

Kurz vor Beginn des Trainingslagers teilten die Magdeburger Verantwortlichen mit, dass der 22-Jährige den Zuschlag bekommen hatte. Seidel, der vom FC Erzgebirge Aue kam, dort aber nur eine Landespokalpartie im Finale am 10. Mai 2016 gegen Zwickau (1:0) für die Profis bestreiten durfte, erhielt einen Ein-Jahres-Vertrag. „Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat und freue mich, bei einem so großen Verein zu sein“, sagte er.

Gegen Augsburg half ihm auch die Unterstützung der FCM-Fans. „Es ist natürlich etwas einfacher, zu Hause zum ersten Mal aufzulaufen, weil die Unterstützung voll da ist“, betonte Seidel. „Unser Kapitän Marius Sowislo wollte auch unbedingt, dass ich die Fans zunächst im Rücken habe. Die Lautstärke war enorm – ein Highlight.“

Seidel bleibt bescheiden

Wann er das nächste Mal für den Club im Tor steht, wollte Seidel noch nicht orakeln. „Das muss der Trainer entscheiden. Ich habe nicht schlecht gespielt, will jetzt aber auch keinen Druck machen, weil es eher glücklich war, dass ich rein konnte. Jan Glinker hat bisher super gehalten, alle drei Torhüter sind gut, und wir verstehen uns auch super“, gab sich Seidel bescheiden.

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