Schunkeln statt Hüpfen

Beim Sachsen-Anhalt-Derby gegen den Halleschen FC mussten die Fans des 1. FC Magdeburg erstmalig stillstehen.

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Magdeburg l Nichts wackelt, nichts knackt. Beim Sachsen-Anhalt-Derby am Sonnabend in der MDCC-Arena im Magdeburger Osten erleben die Fans des FCM und des Halleschen FC eine Premiere: Erstmals darf im Stadion nicht gehüpft werden, zumindest nicht alle gleichzeitig und rhythmisch. Das Hüpfverbot war ein Kompromiss zwischen Oberbürgermeister Lutz Trümper (parteilos) und dem FCM. Trümper hatte zuvor ein komplettes Geisterspiel angeordnet, denn das Hüpfen auf den Rängen führe zu statischen Problemen.

Ohnehin ist das Spiel etwas Besonderes. Es ist das erste nach dem Tod des FCM-Fans Hannes S., bei dem die Erzrivalen aus Magdeburg und Halle aufeinandertreffen. Für einen emotionalen Moment noch vor Anpfiff sorgt Hannes’ Bruder Christoph mit einer bewegenden Rede: „Stell dir vor, du glaubst nicht an ein Leben nach dem Tod, aber du wünschst es dir so sehr.“ Sätze wie diese sorgen für absolute Ruhe im Stadion.

Alle, die bislang noch gesessen haben, stehen nun. FCM-Fans halten ihre blau-weißen Schals in die Luft. Beifall für Christoph S. gibt es am Ende auch von den wenigen nach Magdeburg angereisten Halle-Fans. „Wir schreien unser Team zum Sieg. Aber ohne dabei den Gegner zu beleidigen, ohne ihn anzugreifen, ohne ihn zu verletzen“, sagt Hannes’ Bruder zum Schluss seiner Rede. Zur Unterstützung der Familie übergibt die Fanhilfe Magdeburg einen Scheck in Höhe von knapp 2000 Euro. Fans hatten die Spenden gesammelt.

Der Sieg gehört am Ende dem FCM, das entscheidende Tor fällt nur wenige Minuten nach Anpfiff. Auf den Rängen, auch im Block U, wo die Zuneigung zum Verein immer noch ein Stück intensiver ist, bleibt es trotz Hüpfverbot nicht bewegungslos. Beim Wechselgesang zwischen den Blöcken, wo traditionell gehüpft wird, weichen die Fans auf horizontale Bewegung aus: Es wird geschunkelt. „Aktuell ist hier alles sicher“, sagt Stadionsprecher Torsten Rode durch. Zuvor beeindruckt Block U durch eine Transparent-Choreographie: „Ihr habt zwei Wochen Zeit, uns ein neues Stadion zu bauen“, „Stadion kaputt, danke Merkel!“ oder auch „Otto hüpft in Block U“, steht auf den Bändern. „Heute wird Rabatz gemacht, bis die ganze Bude kracht“ – an die Drohung auf einem der Transparente hat sich dann allerdings niemand gehalten. Nach dem Spiel spricht die Polizei ein großes Lob an die Fans aus. Nicht eine Störung habe es gegeben.

Schon vor dem Anpfiff hatten die Fans deutlich gemacht, dass sie sich ans Hüpfverbot halten werden. „Besser nicht hüpfen, als das ganze Stadion zu sperren“, sagt etwa Jonas Beiler aus Magdeburg. „Ich finde das total in Ordnung. Nur schade, dass es erst so kurz vor dem Spiel bekannt geworden ist“, sagt FCM-Fan Thomas Michna aus Schönebeck. Dass aber überhaupt ein Stadion mit diesen Problemen gebaut werden konnte, sei ein Skandal, so die verbreitete Meinung der Fans. Vor allem zufriedene Gesichter sind nach Abpfiff an den Ausgängen des Stadions zu sehen. Aber die Atmosphäre, so der Tenor der Fans, habe unter dem Hüpfverbot gelitten. „Die Stimmung kommt einfach nicht rüber“, sagt einer. Warum sich trotzdem fast alle an das Verbot gehalten haben? „Der Club geht vor. Die Gemeinschaft ist da.“

An das Hüpfverbot müssen sich die Stadionbesucher wohl gewöhnen – solange, bis die Statik-Probleme durch das im Dezember erwartete Gutachten endgültig genau benannt sind und dann für Abhilfe gesorgt werden kann. Nach dem Spiel gab FCM-Manager Mario Kallnik einen Blick in die Zukunft: „Die Arena ist sicher, solange die Fans nicht rhythmisch hüpfen. Hüpfen wird es hier nie wieder geben. Das muss man einfach wissen.“

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