Wenn der 1. FC Magdeburg am 7. Januar im Rahmen der Testspielreise gegen Fleetwood Town spielt, gibt es ein Wiedersehen mit Uwe Rösler.

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Manuel Holscher

Manuel Holscher
Magdeburg l Der Kontakt zum FCM bezüglich der Testspielreise kam über Maik Franz, den Assistenten der Geschäftsführung, zustande. Er und Geschäftsführer Mario Kallnik waren dann auch vor einigen Monaten in England und trafen sich mit Rösler. „Das war ein sehr gutes Gespräch. Beide wollten in der Vorbereitung mal etwas anderes machen. Anfang Januar ist zwar keine einfache Zeit, weil in England viele Partien anstehen. Es gibt aber viele Mannschaften, alle Spieler sind in Wettkampfform. Solche Testspielreisen könnten in Zukunft auch für andere Mannschaften interessant werden“, so Rösler, dessen englischer Akzent nicht zu überhören ist.

Mit Härtel die KJS in Leipzig besucht

Der gebürtige Altenburger trainiert seit 2016 den englischen Drittligisten Fleetwood Town, bei dem der FCM am 7. Januar ein Testspiel bestreitet. „Jens Härtel kenne ich noch aus unserer gemeinsamen Zeit in Leipzig“, sagt er. Beide besuchten zur gleichen Zeit die Kinder- und Jugendsportschule (KJS) Leipzig.

An seine Zeit beim Club von 1989 bis Ende 1990 erinnert sich Rösler gerne. „Es war fußballerisch und gesellschaftlich eine interessante Zeit“, sagt er. „Joachim Streich trainierte den FCM und beobachtete mich bei Chemie Leipzig. Unter Streich gelang mir der Durchbruch. Ich spielte mit richtig guten Jungs wie Dirk Heyne, René Schneider, Dirk Schuster und Stefan Minkwitz zusammen.“

In der Saison 1989/90 verpasste der Club am letzten Spieltag den Titel, qualifizierte sich aber zum bisher letzten Mal für den Europapokal. „Es war ein tolles Erlebnis, mit Magdeburg im Europapokal dabei zu sein“, sagt Rösler. In der 2. Runde war nach zwei 0:1-Niederlagen gegen Girondins Bordeaux Endstation. „Ich werde mich immer an meine Zeit in Magdeburg erinnern, an die Menschen und den Verein. Wolfgang Seguin war mein Ziehvater, ihm habe ich sehr viel zu verdanken“, sagt der 49-Jährige, der danach über Dynamo Dresden und den 1. FC Nürnberg nach England kam.

Sein Glück fand er in Manchester, dort wohnt er mittlerweile auch wieder mit seiner Familie. Von 1994 bis 1998 kickte Rösler für Manchester City. Der Verein war zu diesem Zeitpunkt noch nicht so finanzstark wie jetzt und deshalb auch weit davon entfernt, den sportlichen Status der heutigen Zeit zu haben. „Wir haben spektakulären Fußball gespielt – viele Tore geschossen, aber auch einige kassiert“, betont er. „Ich bin begeistert, was die Mannschaft dort momentan zeigt. So oft es geht, bin ich im Stadion und schaue mir die Partien an.“

City war damals ein echter Kultklub. Rösler absolvierte im März 1994 ein Probetraining beim zu dieser Zeit abstiegsgefährdeten Verein. Zunächst lieh ihn City aus, Rösler war damit der zweite Deutsche dort nach Torhüter Bert Trautmann. Für Manchester erzielte er in 153 Spielen 50 Tore. Wegen seiner Art zu spielen, mit vollem Einsatz, kopfballstark und robust, wurde er zum Publikumsliebling. Rösler fühlte sich bei City so wohl, dass er sogar beim Abstieg in die 2. Liga blieb und sich damit wohl um die Chance in der deutschen Nationalmannschaft brachte. Zwischenzeitlich wurde er vom damaligen Bundestrainer Berti Vogts zu einem Sichtungslehrgang eingeladen. „Ich mag den englischen Fußball: das sehr robuste und schnelle Spiel“, sagt Rösler. „Es ist viel Action auf dem Platz und zudem gibt es kaum Unterbrechungen, weil die Schiedsrichter viel laufen lassen.“

Trotzdem kehrte er 1998 nach Deutschland zurück und spielte für den 1. FC Kaiserslautern und Tennis Borussia Berlin. Seine Spielerkarriere beendete er schließlich 2003 beim norwegischen Verein Lillestrøm SK.

In dieser Zeit musste er auch einen besonders schweren Kampf überstehen. Bei einer Untersuchung – Rösler dachte, er hätte einen Virus – bekam er die Diagnose Lymphknotenkrebs. „Der Tumor war so groß wie ein Tennisball“, sagte er damals. Die Überlebenschance lag nach Angaben der Ärzte nur bei fünf Prozent. Rösler kämpfte aber, wie er es auf dem Rasen schon immer getan hatte, und besiegte den Krebs. „Wenn man in einer solchen Extremsituation ist, wird einem ganz deutlich, dass Familie und Gesundheit das Wichtigste im Leben sind“, sagt er. „Der Charakter verändert sich durch eine solche Krankheit zwar nicht, die Sichtweise aber schon. Ich sehe seitdem viele Dinge etwas lockerer.“

Nach schwerer Krankheit Trainer in Norwegen

Rösler startete, nachdem er die Krankheit besiegt hatte, 2005 seine Trainerkarriere in Norwegen und ging 2011 zurück nach England. Dort übernahm er zunächst den FC Brentford und kam dann über Wigan Athletic und Leeds United 2016 zu Fleetwood Town. Die 3. Liga in England, die League One, sei nur schwer mit der 3. Liga in Deutschland zu vergleichen. „In Deutschland wird technisch und taktisch guter Fußball gespielt, und der Nachwuchs bekommt eine Chance“, sagt er. „In England sind die Mannschaften auch in den unteren Klassen physisch stärker, und das Tempo ist höher. Manche Teams setzen auf technischen Fußball, manche noch auf das klassische Kick and Rush.“

Ein großer Unterschied sei auch die Anzahl der Spiele. „In England stehen wir fast alle drei bis vier Tage auf dem Rasen, in Deutschland haben die Trainer mehr Möglichkeiten, an den Feinheiten zu arbeiten“, betont Rösler. „In der League One sind die Etatunterschiede zudem ziemlich hoch. Wir haben einen Etat von 2,7 Millionen Pfund, manche Mannschaften dagegen 10 bis 12 Millionen Pfund.“

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Überrascht war er von den zahlreichen Magdeburger Fans, die ihre Mannschaft im Januar nach England begleiten werden. „Zunächst war von 400 bis 500 die Rede. Jetzt sollen es ja wohl sogar 1000 sein“, wundert er sich, ergänzt aber mit einem Lächeln: „Unsere Verantwortlichen werden sich freuen, so können sie beim Testspiel einige Getränke mehr verkaufen.“

Dem Club traut er in dieser Saison den großen Wurf zu. „Die Verantwortlichen sind sehr ambitioniert. Ich informiere mich regelmäßig, wie es beim FCM läuft. Es kann mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga klappen. Das hätte für den Verein und die Stadt eine riesige Bedeutung“, betont Rösler.

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