Volksstimme vom 30.11.2015
Autor: Uwe Tiedemann
FCM-Trainer Härtel ärgert sich nach 2:2 gegen VfB Stuttgart II über Abwehrfehler

Das 2:2-Unentschieden des Fußball-Drittligisten 1. FC Magdeburg gegen die U 23 des VfB Stuttgart kam dem Aufsteiger am Sonnabend gefühlt wie eine Niederlage vor.

Magdeburg l Da führte der Club nach zwei Treffern des überraschend ins Team zurückgekehrten Ahmed Waseem Razeek bis zur 85. Minute scheinbar sicher mit 2:0, hatte den siebten Heimsieg quasi im Sack und musste am Ende doch mit nur einem Punkt zufrieden sein. „Das sind sehr, sehr ärgerliche Erfahrungen, auf die wir gern verzichtet hätten“, fand Trainer Jens Härtel später die passenden Worte.

Wie schon beim 0:1 in Groß-aspach, als André Hainault ein Patzer unterlief, der zum entscheidenden späten Gegentor führte, war es gegen die Schwaben erneut ein individueller Fehler, der bitter bestraft wurde. „Übeltäter“ diesmal Nils Butzen, der den Ball mit der Brust zu seinem Keeper Jan Glinker zurückgeben wollte, anstatt ihn einfach wegzuschlagen. Die misslungene Aktion nutzte Daniele Gabriele in der Nachspielzeit zum 2:2. MDR-Reporter Andreas Mann nannte Butzens Aktion in seinem Beitrag „eine Horroridee“.

Butzen muss aufpassen, dass er seinen mühsam erkämpften Stammplatz nicht wieder verliert. Zum einen möchte ein Silvio Bankert nur zu gerne sein Reservistendasein beenden, zum anderen fackelt Härtel nicht lange, wie das Beispiel René Lange zeigt, der beim Coach in der vergangenen Regionalliga-Saison in Ungnade gefallen war und keine Berücksichtigung mehr fand.

Dass das 2:2 am Ende gerecht war, weil die Gäste über weite Strecken das bessere Team waren und es der FCM im zweiten Abschnitt versäumte, den Sack zuzumachen, steht freilich auf einem anderen Blatt. Die Platzherren hatten im ersten Abschnitt reichlich Dusel, bei hochkarätigen Chancen des VfB nicht in Rückstand zu geraten – die dickste vergab Marco Grüttner in der 31. Minute, als er völlig freistehend übers Tor schoss.

Und die eigene Führung fiel nach bis dato alles andere als berauschender Leistung wie aus heiterem Himmel. Razeek profitierte zum einen von einem tollen Zuspiel Manuel Farrona-Pulidos, zum anderen von der unglücklichen Abwehraktion des VfB-Keepers Benjamin Uphoff, der den Ball durch die Beine flutschen ließ (28.).

Acht Minuten später verpasste Gabriele eine Hereingabe nur um Zentimeter, und quasi im Gegenzug traf Razeek, der nicht angegriffen wurde, mit einem satten Aufsetzer ins rechte Eck zum 2:0. „Das war natürlich wie ein Traum für mich. Am Vormittag hatte ich vom Trainer erfahren, dass ich von Anfang an spielen darf, und dann mache ich gleich zwei Tore“, freute sich Razeek, der das erste Mal in dieser Saison überhaupt traf.

Im zweiten Abschnitt versäumte es der extrem tief stehende FCM, nach Kontern die Vorentscheidung herbeizuführen. „Ich hatte auch das 3:0 auf dem Fuß. Wir waren so dicht dran am siebten Heimsieg. Stattdessen guckst du am Ende dumm aus der Wäsche. Die Enttäuschung ist riesengroß“, befand Kapitän Marius Sowislo, der in der 75. Minute, von Christian Beck mustergültig bedient, aus Nahdistanz links vorbeizielte.

So blieb, wie es Sportchef Mario Kallnik hinterher etwas martialisch ausdrückte, „Stuttgart am Leben, weil wir es versäumt haben, ihnen den Todesstoß zu versetzen“.

Und das rächte sich. Zunächst wuchtete der eingewechselte Daniel Vier gegen Hainault eine Rechts-Flanke von Matthias Zimmermann zum 2:1 unter die Latte, und dann kam es zum beschriebenen Butzen-„Blackout“.

Härtel, der im nächsten Auswärtsspiel in Würzburg auf den gelbgesperrten Niklas Brandt verzichten muss, bescheinigte den Gästen hinterher eine „Riesenmoral, mit der sie schon in Cottbus einen 0:2-Rückstand aufgeholt hätten“, und kritisierte bei seinem Team die Konzentrationsmängel.

Bleibt die Frage, warum der wieder gesunde Lars Fuchs nicht einmal zu einem Teileinsatz kam? Härtel begründete den Verzicht vor allem mit der Tatsache, dass Stuttgart kopfballstarke Spieler eingewechselt hätte, räumte aber auch ein: „Hinterher ist man immer schlauer.“

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