Volksstimme vom 01.12.2015
Autor: Uwe Tiedemann
Nach schwächeren Wochen meldet sich der 21-Jährige mit zwei Toren zurück

Magdeburg l FCM-Trainer Jens Härtel hat, was die Aufstellung des Fußball-Drittligisten anbetrifft, häufig ein glückliches Händchen. Einen weiteren Beweis dafür lieferte der 46-Jährige beim 2:2 gegen die U 23 des VfB Stuttgart, als er Ahmed Waseem Razeek unerwartet in die Startformation berief und der sich mit zwei Toren „bedankte“.

Razeek, Sohn srilankischer Einwanderer und zu Saisonbeginn von Union Berlin verpflichtet, war zuletzt über kurze Teileinsätze nicht hinausgekommen. „Wir waren mit seiner Entwicklung nicht zufrieden“, begründete Härtel den Verzicht. Doch nun wollte Härtel dem Spieler nach einem gemeinsamen Gespräch und der Tatsache, „dass er sehr gut trainiert hatte“, eine neue Chance geben. Die er gegen die Schwaben eindrucksvoll nutzte. „Er ist schwer reingekommen, hat aber zwei Tore gemacht, weitere gute Aktionen gezeigt und das Vertrauen gerechtfertigt“, sagte der FCM-Übungsleiter zufrieden.

Razeek selbst sprach von einer schweren Zeit in den letzten Wochen. „Nachdem ich eine Grippe auskuriert hatte, habe ich kaum noch gespielt, war enttäuscht und unzufrieden. Hinzu kam, dass wir als Mannschaft meistens ordentliche Leistungen abgeliefert haben, der Trainer also keinen Grund hatte, zu wechseln. Aber so konnte es nicht weitergehen, und ich bin auf den Trainer zugegangen“, berichtete der 21-Jährige, der am 19. April 2014 sein Profi-Debüt für Union beim Karlsruher SC gegeben hatte.

In diesem Gespräch wurde Klartext geredet, und dann ging alles ganz schnell. Kurz vor dem Spiel teilte ihm Härtel mit: Du bist von Beginn an dabei. „Ich war total happy, habe aber in der Anfangsphase katastrophal gespielt“, übte Razeek Selbstkritik. Es folgten die beiden Tore. „Glück war natürlich auch dabei, weil beim 1:0 mein Schuss dem Stuttgarter Keeper durch die Beine rutschte. Aber egal – Tor ist Tor. Und beim 2:0 griff keiner an, und ich habe einfach mal abgezogen.“ Die Treffer riefen bei Mitspielern und Reservisten gleichermaßen ungläubiges Staunen hervor – ausgerechnet Razeek, der zuvor gar nicht getroffen hatte.

Dass die Freude am Ende verhalten ausfiel, lag an den späten Gegentoren. Die erlebte Razeek auf der Bank, weil ihn Härtel neun Minuten vor Schluss ausgewechselt und ihm somit den Szenenapplaus der knapp 13 500 Zuschauer ermöglicht hatte. „Das war schon sehr ärgerlich, weil wir vorher genügend Chancen hatten, das dritte Tor zu machen und dann vermutlich alles klar gewesen wäre“, befand der gebürtige Berliner.

Und wie geht es jetzt mit Razeek weiter? „Das Spiel hat mich natürlich aufgebaut, und ich hoffe, dass die beiden Tore ein gutes Argument für weitere Einsätze sind“, betreibt er Eigenwerbung. Ob das Härtel genauso sieht? Der FCM-Coach ist bekanntlich immer für Überraschungen gut.

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