Von Manuel Holscher ›

Nachdem der Klassenerhalt beim 1. FC Magdeburg jetzt fix ist, können Personalfragen rund um den Kader in Angriff genommen werden.

Ingolstadt l Kurz vor der Abfahrt des Mannschaftsbusses in Ingolstadt wurde bereits vermeldet, dass die für Donnerstag geplante Trainingseinheit entfällt. Kein Wunder: Die Spieler des 1. FC Magdeburg nutzten nach dem überraschenden 2:0 in Ingolstadt und dem damit verbundenen vorzeitigen Klassenerhalt die Busfahrt zu einer spontanen Feier. „Der Kopf ist endlich frei. Das können wir dann jetzt auch mal feiern“, sagte FCM-Kapitän Christian Beck.

Wohin man am Mittwochabend auch schaute, es war die pure Erleichterung, die aus den Gesichtern der Spieler sprach. Nach einer Saison, die viele Tiefen und wenig Höhen bereithielt, die wegen der Corona-Krise alles andere als gewöhnlich war und in der die Teams elf Spiele in vier Wochen absolvieren mussten.

FCM verhindert Endspiel

Der FCM hielt in Ingolstadt dem enormen Druck stand, schließlich drohte bei einer Niederlage ein „Abstiegs-Endspiel“ gegen Münster. „Ich bin überglücklich und stolz auf die Mannschaft. Wir haben toll gekämpft “, sagte Beck, der das 2:0 von Mario Kvesic sehenswert vorbereitete.

Der Kapitän lobte in diesem Zusammenhang auch noch mal das Gespräch mit den Fans nach dem enttäuschenden Aspach-Spiel (0:1): „Es war gut, dass sie uns klar ihre Meinung gesagt haben. Das hat den einen oder anderen wachgerüttelt.“ Nach diesem Spiel packten sich die Spieler aber auch selbst an der Ehre. Zudem sparte das Trainerteam um Coach Thomas Hoßmang nicht mit Kritik: „Wir haben nach dem Aspach-Spiel Tacheles geredet, die Fehler in diesem Spiel klar angesprochen.“

FCM-Coach redete Tacheles

Diese schonungslose Aufarbeitung verfehlte ihre Wirkung nicht. Die Mannschaft präsentierte sich in Ingolstadt als echtes Team, die Spieler kämpften füreinander, Fehler des Nebenmannes wurden ausgeglichen. Der Club war defensiv diszipliniert und wartete geduldig auf seine Chance. Dass Thore Jacobsen bei seinem ersten Tor im FCM-Trikot Glück hatte, weil der Ball unhaltbar abgefälscht wurde, passte ins Bild. Dieses Glück hatte sich die Mannschaft erarbeitet.

Erleichtert war auch Mario Kvesic, der in Ingolstadt gleich mehrere emotionale Phasen durchlebte. Zunächst saß er auf der Bank, weil er Probleme am Fuß hatte. Kurz nach seiner Einwechslung erzielte er dann das 2:0, in der Nachspielzeit wurde nach einem angeblichen Foul von ihm Elfmeter gepfiffen – und Kvesic musste ausgewechselt werden. „Die schlimmste Zeit waren die Minuten auf der Bank“, verriet Kvesic. „Ich bin sehr emotional, konnte aber in dieser Phase nur zuschauen und nicht helfen. Mein Puls war bei 180.“

Kvesic will beim FCM bleiben

Umso glücklicher war er nach seinem ersten Saisontor, nach dem Sieg des FCM. „Ich bin sehr froh, dass wir den Klassenerhalt geschafft haben. Das war das Wichtigste für den Verein, die Fans, die ganze Region“, betonte er. Und: „In den kommenden Tagen und Wochen können wir analysieren, was in dieser Saison nicht gut war.“

Der Spielmacher, dessen Vertrag ausläuft, machte kein Geheimnis daraus, dass er sich einen Verbleib beim FCM gut vorstellen kann. „Ich würde am liebsten in Magdeburg bleiben. Wir werden uns in den kommenden Tagen zusammensetzen und versuchen, eine Lösung zu finden. Ich fühle mich sehr wohl und würde mich freuen, wenn es klappt“, sagte er.

Rother und Jacobsen verlassen FCM

Da der FCM jetzt Planungssicherheit hat, stehen entsprechend viele Gespräche auf der Agenda. Schließlich laufen elf Verträge aus.

Klar ist: Björn Rother und Thore Jacobsen werden den FCM verlassen. Während es Rother zu Ex-Trainer Jens Härtel nach Rostock zieht, endet die Leihe von Thore Jacobsen, der noch bei Werder Bremen unter Vertrag steht. Doch an die Weser wird Jacobsen nicht zurückkehren, er favorisiert einen Wechsel in die 2. Bundesliga. „Auch wenn klar ist, dass sie gehen, war es toll, zu sehen, wie sich beide noch reingehauen haben“, lobte Beck.

Kritik am DFB

Der Torjäger ließ es sich dann trotz aller Freude nicht nehmen, noch eine Spitze in Richtung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu setzen: „Es ist traurig, dass die Saison mit elf Spielen in vier Wochen vom DFB einfach durchgezogen wurde. Auf die Gesundheit der Spieler wurde überhaupt keine Rücksicht genommen.“ Auch Kvesic fand kritische Worte: „Die Belastungen waren unglaublich. Viele können sich das gar nicht vorstellen. Wir sind keine Roboter.“ Umso mehr wird das Team deshalb den freien Tag genossen haben.

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