Timo Perthel kann die Debatten um eine Bundesliga-Fortsetzung nicht nachvollziehen. Der FCM-Spieler betont, dass es wichtiger Dinge gibt.

Von Manuel Holscher ›

Magdeburg l Timo Perthel wurde emotional, als er sich am Donnerstag die Pressekonferenz der Bundesregierung zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise im Fernsehen anschaute. Grund für seine Aufregung war, dass bei vielen Fernsehsendern vor allem darüber diskutiert wird, ob die Bundesliga-Saison fortgesetzt wird

Der Abwehrspieler des 1. FC Magdeburg machte seinem Ärger Luft, veröffentlichte beim sozialen Netzwerk Instagram ein Bild von der Pressekonferenz und dazu einen Text. „Wacht endlich mal auf und überlegt lieber mal, wann der normale Bürger wieder arbeiten gehen 

kann, damit er nicht pleitegeht und seine Familie noch ernähren kann. Fußball ist nicht wichtig in dieser Zeit“, schrieb er unter anderem.

130 Nachrichten nach Instagram-Statement

Dieses Statement hat offenbar vielen Menschen aus der Seele gesprochen. Gestern war es dann sogar Thema in der Sport-1-Sendung „Doppelpass“. „Ich habe rund 130 Nachrichten bekommen und jede beantwortet. Der Zuspruch war sehr positiv“, sagt Perthel. Und: „Ich hätte nicht gedacht, dass meine Nachricht so viel Wirbel erzeugt. Das war eigentlich gar nicht mein Ziel. Ich wollte nur meine Meinung sagen.“

Perthel stört sich daran, dass die Diskussionen um die Fortsetzung der Bundesliga-Saison gerade enorm präsent sind. „Die Verhältnismäßigkeit stimmt einfach nicht. Ich habe den Eindruck, dass es nur darum geht, dass in der Bundesliga wieder gespielt wird. Dabei gibt es momentan viel wichtigere Probleme“, betont er.

Vielmehr gehe es darum, den Menschen zu helfen, die in der Corona-Krise krank geworden sind oder ohne Job und Geld dastehen. „Ich habe viele Bekannte, die ihrer Arbeit nicht nachgehen können. Das sind echte Probleme“, sagt der 31-Jährige.

Bundeskanzlerin Angela Merkel macht es nach Perthels Eindruck richtig: „Frau Merkel hat glaube ich bisher noch nicht so viel darüber nachgedacht, ob die Bundesliga weitergeht oder nicht. Und das ist richtig so.“

Perthel für einen Saisonabbruch

Grundsätzlich hält er sowieso nichts davon, dass in den Bundesligen und in der 3. Liga weitergespielt wird. „Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass noch mal weitergespielt wird. Bisher wurden auch viel zu selten die Spieler gefragt, wie es ihnen geht, wenn sie in der Corona-Krise durch Deutschland reisen und Fußball spielen sollen. Wir könnten krank werden oder andere Menschen anstecken“, sagt er.

In der 3. Liga sei eine Saison-Fortsetzung noch weniger nachvollziehbar. Schließlich seien die finanziellen Unterschiede zu den beiden Bundesligen enorm groß. „Ich bin deshalb voll auf der Linie des FCM, dass die Saison abgebrochen werden soll, weil es aus gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gründen überhaupt nicht vertretbar ist, weiterzuspielen“, erklärt er.

Auch die Belastungen, die auf die Spieler zukommen würden, seien nicht vertretbar. „Wir pausieren seit acht Wochen, sollen uns dann maximal zwei Wochen vorbereiten und in wenigen Wochen elf bis 13 Spiele absolvieren. Da sind Verletzungen vorprogrammiert“, ärgert er sich.

Perthel hat sich bereits arbeitslos gemeldet

Timo Perthel bekommt die Corona-Krise unterdessen auch selbst zu spüren. Schließlich läuft sein Vertrag beim FCM am 30. Juni aus. In dieser Saison kommt er bisher nur auf zwölf Einsätze, Verhandlungen über eine Verlängerung gab es bisher nicht. „Ich kann den Verein verstehen, dass er momentan keine Gespräche führt“, sagt er. „Ich weiß, was gerade in unserem Geschäft los ist und bin realistisch. Deshalb habe ich mich bereits vor einigen Monaten arbeitslos gemeldet. Ich stelle mich lieber auf das Schlimmste ein, als plötzlich überrascht zu werden.“

Für den Fall, dass Perthel im Sommer tatsächlich ohne Vereine dastehen sollte, hat er aber vorgesorgt. „Ich habe schließlich eine Familie mit zwei Kindern. Auch wenn ich nur in der 3. Liga spiele, wird auch dort gutes Geld verdient“, betont er. Und: „Ich kann nur jedem Fußballer empfehlen, sich einige Rücklagen zu schaffen, um auf schwierige Zeiten vorbereitet zu sein.“

Mehr Zeit für die Familie

Trotz der Corona-Krise und der damit verbundenen Probleme gibt es für Timo Perthel aber in diesen Tagen auch einen positiven Aspekt. So verbringt der Defensivspieler viel Zeit mit seiner Frau und den beiden Söhnen. „Wir haben das Glück, ein Haus mit Garten zu haben. Ich sage meinen Jungs häufig, dass so etwas nicht selbstverständlich ist. Sie wissen dieses Privileg zu schätzen“, betont er.

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