„Perfektionist“ sucht Glück im Ausland

Nach seinem Abschied beim 1. FC Magdeburg vor gut anderthalb Jahren ist es ruhig um Fabian Zittlau geworden.

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Jahrstedt/Ljubljana l Doch noch hat sich der 26-Jährige, der aus dem westaltmärkischen Jahrstedt stammt, nicht von der Fußballbühne verabschiedet. Im Rahmen seines Studiums in Slowenien spielt Zittlau aktuell für NK Interblock Ljubljana.

Fabian Zittlau kann man durchaus als „Perfektionisten“ bezeichnen. Der gebürtige Westaltmärker möchte – egal auf welcher Schiene – immer das Bestmögliche erreichen. „Die Verbindung zwischen Studium und professionellem Fußball ist mein großes Ziel“, verrät der 26-Jährige, der in Deutschland für traditionsreiche Klubs wie dem FC Hansa Rostock, dem SV Eintracht Trier und dem 1. FC Magdeburg aktiv war, dem der ganz große Sprung ins Profigeschäft aber verwehrt blieb. Traurig ist Zittlau, der viel Wert auf seinen privaten Werdegang legt, rückblickend („Dafür braucht man auch eine Portion Glück und gute Kontakte“) darüber aber nicht.

Junge Adler auf Anhieb erfolgreich

Wer später mal hoch hinaus möchte, muss früh anfangen, für sein großes Ziel zu arbeiten. So spielte Fabian Zittlau 1996 bereits als Sechsjähriger erstmals im Verein, genauer gesagt beim TSV Adler Jahrstedt in der F-Jugend. Damals begann er gerade seine Schulzeit und wurde von seiner Mutter Britta trainiert. Die Truppe präsentierte sich auf Anhieb als geschlossene Einheit und vor allem sehr erfolgreich. Als Kreispokalsieger qualifizierten sich die jungen Adler für die Landesmeisterschaft. Dort verpassten sie nur haarscharf den Einzug in die große Endrunde. Von seiner Mutter wurde Fabian hauptsächlich im Mittelfeld aufgeboten. „In einer Saison habe ich aber auch mal über 40 Tore geschossen“, denkt Zittlau mit einem Schmunzeln an seine damaligen Torjägerqualitäten zurück. Die waren auch dem VfB Klötze 07 nicht entgangen. Im Jahr 2001 wechselte der Jahrstedter in die Klötzer D-Jugend. Nach nur einer Saison führte der Weg des damaligen Offensivakteurs dann schon zum 1. FC Magdeburg.

Beim FCM absolvierte Fabian Zittlau erfolgreich einen Sichtungstest und spielte von 2002 bis 2006, also von der D- bis zur B-Jugend, an der Elbe. Nur eine Handvoll Akteure schafften damals bei einer großen Auswahl aus ganz Sachsen-Anhalt den Sprung an die Magdeburger Sportschule. „Dank guter Ergebnisse habe ich einen Platz im Sportinternat bekommen“, so der damals elfjährige Westaltmärker, der zunächst ein halbes Jahr lang als Gastspieler beim „Club“ jeden Freitag von Vater Kersten in die Landeshauptstadt zum Training sowie am Wochenende zu den Partien gebracht wurde. „Meine große Stärke war schon immer die Schnelligkeit, aber auch die Zweikampfführung. Später kam dann auch noch das Kopfballspiel hinzu“, verrät der 26-Jährige, der früher durchaus auch Talent als Leichtathlet hatte. Die Zeit an der Elbe bezeichnet Fabian Zittlau im Nachhinein als „anstrengend, aber sehr toll“. Auch das Leben im Internat hat der Jahrstedter, der in dieser Zeit speziell das gute Essen in seiner Heimat bei den Großeltern vermisste, in positiver Erinnerung behalten: „Zu Beginn war es hart, doch ich kann es jedem nur empfehlen, da man Tag und Nacht mit Gleichgesinnten verbringt und seinem Hobby nachgeht.“ Um 7.45 Uhr begann das erste Training, die Schule ging von 10 bis 16 Uhr und anschließend wurde zum zweiten Mal geprobt. Abends blieb Fabian Zittlau dann nur noch wenig Zeit für Hausaufgaben und private Dinge. „Der Tagesablauf eines Nachwuchsfußballers ist jeden Tag durchstrukturiert. Hart, aber eine gute Schule fürs Leben“, blickt der 26-Jährige zurück.

„Aus Potenzial kein Kapital geschlagen“

Anschließend suchte Zittlau, der schon zu Magdeburger Zeiten mit der Landesauswahl Sachsen-Anhalts beim DFB-Sichtungsturnier den zweiten Platz belegt hatte und als Kapitän das Team mit zum Gewinn der Nordostdeutschen Meisterschaft führte, eine neue sportliche Herausforderung und wechselte 2007 zum FC Hansa Rostock. Zuvor hatte der Westaltmärker bei mehreren Profivereinen wie Borussia Dortmund oder Hannover 96 zur Probe vorgespielt. Fabian entschied sich jedoch für die Hansa-Kogge. Vor allem, weil ihm das Training unter Roland Kroos, dem Vater von Nationalspieler Toni, besonders gut gefiel. „Zudem war Rostock damals die Nummer eins im Osten“, blickt der Ex-Magdeburger zurück. In der A-Junioren-Bundesliga belegte Zittlau mit den Hanseaten nacheinander den zweiten und dritten Platz und führte das Team im zweiten Jahr sogar als Kapitän auf das Feld. Den Sprung zu den Profis schaffte der Jahrstedter nicht, ihre U23 zogen die Rostocker wenig später dann auch noch aus finanziellen Gründen zurück. Der Westaltmärker musste sich „umorientieren“ und entschied sich 2010 für einen Wechsel zum SV Eintracht Trier, aktiv in der Regionalliga West. Dennoch sind Fabian Zittlau die Jahre an der Küste in positiver Erinnerung geblieben. „Leider hat es der Verein nicht geschafft, aus unserem großen Potenzial in der Jugend Kapital zu schlagen“, bedauert der 26-Jährige.

In Trier absolvierte der Fußballenthusiast nebenbei ein vierjähriges Studium und wollte sich anschließend „vermehrt um mein zweites Standbein kümmern“. Auch außerhalb des Sports wollte sich der Westaltmärker weiterentwickeln. Dann allerdings lag ein Angebot vom damaligen Regionalligisten 1. FC Magdeburg auf dem Tisch. Diese Herausforderung reizte Zittlau so derartig, dass er sich im Januar 2015 zu einer Rückkehr in die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt entschloss. Als Linksverteidiger blieb Fabian allerdings nur gut zwei Monate beim FCM, ehe er seinen Vertrag auflösen ließ und den Aufstieg in die 3. Liga somit nicht mehr miterlebte. Das Masterstudium genoss eindeutig Vorrang. Nebenbei betreute der Sportfanatiker auch noch eine Nachwuchsmannschaft vom HSV Medizin Magdeburg und leitete eine Fußball-Arbeitsgemeinschaft in einer Grundschule.

„Das ist sehr abwechslungsreich “

Mittlerweile arbeitet der Jahrstedter seit August dieses Jahres im Rahmen seines Studiums in der Deutschen Außenhandelskammer in Slowenien und kümmert sich dort vorwiegend um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. „Das ist sehr abwechslungsreich und macht mir großen Spaß“, berichtet der 26-Jährige. Fit hält sich der Westaltmärker momentan bei NK Interblock Ljubljana, einem ehemaligen Europapokalteilnehmer und Pokalsieger in der zweithöchsten slowenischen Spielklasse. „Auch das ist eine tolle Erfahrung“, so Fabian Zittlau, dessen Marktwert laut dem Internetportal „Transfermarkt.de“ noch immer bei 100.000 Euro liegt. Vor einigen Jahren meldete der Traditionsverein Insolvenz an und versucht sich laut Zittlau momentan wieder zu „professionalisieren“. Professionelles Training ist dabei aber nur bedingt möglich, da alle Akteure („Wir haben gute Spieler im Kader“) berufstätig sind. „Slowenien ist ein absolutes Sportland. In den Jugendmannschaften wird ähnlich professionell wie in Deutschland gearbeitet. Es gibt viele Talente, die sicherlich auch hier mithalten könnten. Dennoch ist der Fußball in Deutschland insgesamt schneller und athletischer“, berichtet Fabian aus seiner „Wahlheimat“, die er aber im März des neuen Jahres sicherlich schweren Herzens wieder verlassen wird. Dann geht es für Fabian Zittlau zurück nach Deutschland. „Erst einmal möchte ich mein Masterstudium endgültig abschließen und die restliche Zeit in Slowenien genießen“, verrät der 26-Jährige. Der Sport steht dabei eher im Hintergrund, soll aber trotzdem auf möglichst professioneller Ebene weiterlaufen. „Eine Aufgabe im Fußball, ob als Trainer, im Management oder in der Nachwuchskoordination, kann ich mir sehr gut vorstellen und würde ich mittelfristig auch gern realisieren“, gibt der Jahrstedter zu verstehen.

Rückkehr in die Altmark ist vorstellbar

Der 26-Jährige kann es sich sogar vorstellen, irgendwann in seine Heimat, die Altmark, zurückzukehren. „Sollte sich das ergeben, wäre das natürlich möglich“, so der Fußballfanatiker mit einem Augenzwinkern. Ob es dann eher ein höherklassiger Verein wie beispielsweise der SV Eintracht Salzwedel, der SSV 80 Gardelegen oder auch der FSV Heide Letzlingen oder eher sein Heimatklub TSV Adler Jahrstedt werden könnte, lässt der Außenverteidiger noch offen. „Zum TSV habe ich zwar keinen direkten Kontakt mehr, dennoch schaue ich ab und an mal auf die Ergebnisse oder mein Großvater berichtet mir davon“, verrät Fabian, der in jedem Jahr zwischen den Feiertagen in der Heimat weilt, um seine Familie („Sie hat mich immer toll unterstützt, deshalb gebührt ihr ein großer Dank“) zu besuchen. Die Entwicklung des Fußballs in unserer Region sieht der 26-Jährige als positiv an. „Durch gute Jugendarbeit und Zusammenhalt kann es Sachsen-Anhalt gelingen, strukturelle Nachteile gegenüber der Konkurrenz anderer Bundesländer auszugleichen. Die Begeisterungsfähigkeit für Sport ist in Sachsen-Anhalt weitaus höher als beispielsweise zum Teil in Rheinland-Pfalz“, berichtet Zittlau, der speziell über das starke Abschneiden seines Ex-Klubs 1. FC Magdeburg, aktuell auf dem zweiten Platz, in der 3. Liga erfreut ist. „Ich verfolge die Entwicklung in Magdeburg ganz genau und gönne es der Stadt und der Region von ganzen Herzen“, so der Jahrstedter. Ein ganz großer Faktor ist nach Ansicht des 26-Jährigen aber auch die tolle Arbeit von Trainer Jens Härtel: „Ein exzellenter Fußballlehrer, der seine Mannschaft auf jedes Training und Spiel perfekt vorbereitet. Von daher ist diese Entwicklung für mich keine große Überraschung.“

Ganz besonders freut sich Fabian Zittlau auch wieder auf das sogenannte JeMaRo-Masters am 30. Dezember dieses Jahres ab 10 Uhr in der Biederitzer Ehlehalle. Zittlau und sein ehemaliger Mitspieler Christoph Grabinski, der seinerzeit nach Jena wechselte, kamen auf die Idee, diesen Hallenwettkampf jährlich zwischen den Feiertagen zu organisieren. So setzte sich auch der Name des Turniers aus Jena, Magdeburg und Rostock, wohin der Westaltmärker nach seiner ersten FCM-Zeit wechselte, zusammen. „Da man normalerweise selten Zeit hat, sich zu besuchen, hatten wir die Idee zu einem Spiel mit Freunden. Später ist daraus ein Turnier geworden, welches im nächsten Jahr Jubiläum feiert und zum zehnten Mal stattfindet. Wir sind alle aktive oder ehemalige Fußballer aus mittlerweile ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland“, charakterisiert der 26-Jährige das JeMaRo-Masters, an dem unter anderem auch der Stendaler Moritz Instenberg sowie der Ex-Mechauer Markus Lamprecht teilnehmen. In den Tagen zuvor wird der Außenverteidiger als Kurzbesucher auch in seinem Heimatort Jahrstedt anzutreffen sein. Und wer weiß: Vielleicht wird Fabian Zittlau irgendwann sogar dauerhaft in die Altmark zurückkehren – sowohl privat als auch sportlich.

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