Von Manuel Holscher ›

Warum der 1. FC Magdeburg den auslaufenden Vertrag von Trainer Michael Oenning nicht verlängert.

Magdeburg l Am Donnerstag um 14.32 Uhr ploppte die Meldung des 1. FC Magdeburg via Twitter auf: „Der FCM verabschiedet Cheftrainer Michael Oenning und mehrere Spieler.“

FCM-Coach hatte Hoffnung

Am Mittwoch hatte Oenning im Gespräch mit der Volksstimme zwar noch Hoffnung geäußert, Teil des Neuaufbaus beim Club zu sein. Nach einem Gespräch mit FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik war tags darauf aber klar, dass der Club den auslaufenden Vertrag nicht verlängert, den Neuaufbau ohne ihn plant.

Die Trennung kommt nicht wirklich überraschend. Der Trainer wurde Mitte November als Nachfolger von Jens Härtel mit einem klaren Auftrag geholt: Er sollte den FCM zum Klassenerhalt führen. Diesen Auftrag erfüllte er nicht, bereits am 33. Spieltag stand der direkte Abstieg fest. In 20 Spielen unter ihm wurden nur 21 Zähler geholt.

„Unser Team hat sich durch Michaels fußballerischen Ansatz spielerisch weiterentwickelt“, betont Kallnik zwar. „Am Ende hat er es allerdings nicht geschafft, den Rückstand aufzuholen und uns vor dem Abstieg zu bewahren.“ Und Kallnik spart auch nicht mit Selbstkritik: „Mir ist es nach der Trennung von Jens Härtel letztendlich nicht gelungen, den richtigen Trainer zu holen, der uns zum Klassenerhalt führt.“

FCM: Gute Anfänge unter Oenning

Michael Oenning fand in Magdeburg allerdings auch komplizierte Startbedingungen vor. „Wir sind sehr schlecht in die Saison gestartet, hatten nach 13 Spielen nur neun Punkte. Eine Aufstiegseuphorie innerhalb des Teams, die sich auf den Platz überträgt, herrschte von Beginn an nicht. Im Gegenteil, der Teamgeist wurde im Verlauf der Hinrunde schlechter. Die Mannschaft agierte somit nicht mutig und entschlossen genug“, zählt Kallnik auf.

Tatsächlich sah es nach der Trennung von Härtel anfangs so aus, als ob Kallnik und Sportchef Maik Franz mit Oenning genau die richtige Entscheidung getroffen hatten. Der neue Trainer ging nach seinem Dienstantritt am 14. November viele Probleme forsch an. Er ließ zu Beginn tagelang einfaches Passspiel trainieren. Und gleich beim ersten Spiel am 23. November in Fürth waren auch sofort Fortschritte sichtbar. Der Club spielte mutig, präziser, die Grundausrichtung war offensiv. Nur: Das Ergebnis war wie in den vorangegangen Monaten schlecht – der Club unterlag durch zwei späte Gegentreffer 2:3.

Fürth als erster Rückschlag

Ein erster Knackpunkt, wie Kallnik rückblickend einräumt. „Hätten wir in dieser Partie gewonnen, wäre sicherlich mannschaftlich Euphorie aufgekommen“, erzählt Kallnik.

Der FCM spielte dann bis zur Winterpause zwar deutlich attraktiver als zuvor, der Ertrag aber ließ auf sich warten.

FCM startet gut ins Frühjahr

Und doch gab es zwischenzeitlich die Hoffnung auf eine Wende. Mit der Winterpause, mit dem Trainingslager in Spanien, mit den Neuzugängen Jan Kirchhoff, Giorgi Loria und Timo Perthel ging es spürbar aufwärts. Der FCM blieb fünf Spiele in Folge unbesiegt. Doch am Ende dieser Serie stand das vielleicht richtungsweisendste Spiel der ganzen Saison: das 0:1 beim MSV Duisburg am 1. März.

Doppelter Rückschlag in Duisburg

In Duisburg hatte der FCM die große Chance, einen direkten Konkurrenten auf acht Punkte zu distanzieren. Doch nicht nur, dass das Oenning-Team 0:1 verlor, Stürmer und Kapitän Christian Beck zog sich in einem Zweikampf einen Jochbein- sowie Augenhöhlenbruch zu und fiel vier Wochen aus. „Das Duisburg-Spiel“, sagt Kallnik deshalb auch, „war ein Knackpunkt. Wir haben einen späten Gegentreffer gegen einen direkten Konkurrenten kassiert und zudem Christian Beck verloren.“

Eine Woche später unterlag der FCM zu Hause mit 0:1 gegen Sandhausen – verpasste es erneut, einen Konkurrenten zu distanzieren und spielte zudem im Vergleich zu den ersten Monaten unter Oenning unansehnlichen und mutlosen Fußball.

Rückblickend war dieser Zeitraum wohl auch für Oenning der Anfang vom Ende. In der Folge punktete der Club nie mehr so wie noch zu Jahresbeginn. Zu wenig, um sich Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen zu können. Zu viel lief schief. „Das reicht vom verschossenen Elfmeter gegen Heidenheim bis zu zahlreichen Verletzungen von Leistungsträgern, wie zum Beispiel Jan Kirchhoff, Giorgi Loria und Philip Türpitz. Diese Ausfälle konnten wir nicht kompensieren“, sagt Kallnik.

Das Fazit des Geschäftsführers: „Fakt ist, dass wir am Ende nicht die Konstanz in unseren Leistungen und Ergebnissen hatten, um in der 2. Liga zu bleiben.“ Genau das war aber der Kernauftrag an Michael Oenning. Die Ausrichtung nach dem Abstieg ist für Kallnik ganz klar: „Wir wollen jetzt einen Neuanfang wagen, den wir auch auf der Trainerposition vollziehen.“

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