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Osnabrück. Ärgerliche Nachspielzeit: Für vier Anhänger des Fußball-Drittligisten 1. FC Magdeburg wird eine Fahrt zur Bremer Brücke im vergangenen Jahr nachträglich richtig teuer: Wegen gemeinschaftlicher Nötigung verurteilte sie das Amtsgericht Osnabrück zu Geldstrafen und gemeinnütziger Arbeit.

Der Frust muss bei den vier 22- bis 37-jährigen Magdeburgern tief gesessen haben. Ihr Club hatte in Osnabrück gerade eine 0:2-Niederlage kassiert. Mehr oder minder alkoholisiert saßen sie schon im Auto Richtung Heimat, als sie in der Humboldtstraße zwei VfL-Fans sahen. Einer von ihnen trug einen lila-weißen Schal.

Der älteste der vier Magdeburger sagte spontan: „Lasst uns anhalten und denen den Schal abzocken.“ Gesagt, getan. Der Ideengeber war als Erster aus dem Wagen und ging drohend auf die 15- und 19-jährigen VfL-Fans zu.

Vermummt und unmissverständlich machte der Magdeburger dem älteren der beiden Brüdern klar, dass er ihm seinen Schal auszuhändigen habe. Eingeschüchtert befolgte der VfL-Fan diese Aufforderung.

Polizei schnell zur Stelle

Rasch waren die Chaoten wieder im Auto – aber nicht schnell genug. Ein Ehepaar hatte die Szene beobachtet, sich das Kennzeichen notiert und sofort die Polizei verständigt. Die zeigte in einer sogenannten „Nahbereichsfahndung“ Schnelligkeit und stoppte das Quartett. Einer von ihnen warf noch rasch den Schal unters Auto, aber die Beamten entdeckten den Fanartikel trotzdem.

Die Staatsanwältin stufte das Geschehen in ihrer Anklage als Raub ein. Denn der Schal sei nicht einfach nur entwendet worden – die ganze Aktion sei vielmehr mit einer einschüchternden Drohkulisse verbunden gewesen.

Dass am Ende des Prozesses trotzdem keine Verurteilung wegen Raubes stand, fußte auf einem sogenannten Rechtsgespräch zwischen dem Richter, der Staatsanwältin und den vier Verteidigern. Dabei kam heraus, dass es sich bei der „Abzocke“ des Fanschals im strafrechtlichen Sinne „nur“ um Nötigung und Diebstahl gehandelt haben könnte.

Tätige Reue

Um diese weitaus mildere Variante glaubwürdiger zu machen, taten die vier Angeklagten einiges. Sie äußerten Reue über ihre Tat und entschuldigten sich jeder persönlich mit einem Handschlag bei dem 19-Jährigen. Außerdem legte jeder der vier 50 Euro auf den Tisch, um den jungen Mann im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs zu entschädigen.

Die Staatsanwältin beharrte dennoch auf einer Verurteilung wegen Raubes, für die sie Geldstrafen im unteren vierstelligen Bereich forderte. Dem mochte das Gericht dann aber nicht folgen und verurteilte drei der Magdeburger zu Geldzahlungen zwischen 75 (Fahrer) und 150 Euro (Mitläufer) sowie 250 Euro (Rädelsführer). Der zum Tatzeitpunkt noch unter das Jugendstrafrecht fallende vierte Angeklagte muss 80 Sozialstunden ableisten. Dem Quartett wird außerdem eine Rechnung über die Gerichtskosten ins Haus flattern.

2 Antworten zu “Nachspiel vor Osnabrücker Gericht für vier Magdeburger”

  1. Eisenschwein sagt:

    Und die Moral von der Geschicht : Fahr mit der Bahn dann erwischt man dich nicht.

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