Andreas Petersen hat einen wichtigen Anteil am Aufstieg des 1. FC Magdeburg. Er verpflichtete zusammen mit Mario Kallnik den „alten Kern“.

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Magdeburg l Dass Petersen beim FCM immer noch eine wichtige Rolle spielt, machte Christian Beck nach seinem 100. Punktspieltreffer deutlich, den er beim 3:1 gegen Chemnitz erzielte: „Er hat mich hierhergeholt, hat mir alles ermöglicht und den Weg bereitet. Andreas Petersen und Jens Härtel sind die beiden Trainer, die mich gefördert haben. Dafür bin ich ihnen sehr, sehr dankbar.“

Beck hat nicht vergessen, dass Petersen auch in schwierigen Zeiten zu ihm hielt. Beide kannten sich aus gemeinsamen Halberstädter Tagen. Als Petersen im Sommer 2012 FCM-Trainer wurde, setzte er alles daran, Beck im Januar nach Magdeburg zu holen, der zuvor einige Monate vereinslos war. „Er hat mich aus dem Nichts geholt und beim FCM aufgebaut. Ich glaube, das ist bei dem einen oder anderen Spieler auch so gewesen. Er hat den Jungs Selbstvertrauen gegeben, daran sind wir gewachsen“, sagt Beck. „Ihm gehört auch ein gewisser Anteil. Ohne Andreas Petersen wäre das Grundgerüst nicht hier. Das hat er sensationell gemacht. Darauf haben wir dann aufgebaut und sind den Weg mit Jens Härtel weitergegangen.“

Freude über Lob von Beck

Petersen freut sich über das Lob von Beck und blickt dabei noch mal auf die erste gemeinsame Station zurück. „Christian war in seinen Ex-Vereinen oft nur dritter Stürmer. Trotzdem habe ich ihn nach Halberstadt geholt. Anfangs spielte er auch bei mir nicht, dann habe ich aber Fait-Florian Banser umfunktioniert, und Christian spielte fortan im Sturm. Er hat mir durch gute Leistungen und zahlreiche Tore viel zurückgegeben. Wir telefonieren auch jetzt noch häufig, er ist für mich wie ein Sohn“, sagt er.

Viele Wegbegleiter heben immer wieder die menschlichen Qualitäten von Petersen hervor. „Ich lege sehr viel Wert darauf, dass ein Team auch wirklich ein Team ist, auf und neben dem Platz“, sagt er, der am Saisonende aus gesundheitlichen Gründen als Trainer in Halberstadt aufhört und dort Sportlicher Leiter wird. Zum „alten Kern“ gehören neben Beck auch Nils Butzen (2011), Felix Schiller, Marius Sowislo (beide 2012), Christopher Handke (ab Sommer 2013), Nico Hammann (ab Sommer 2013 mit kurzer Unterbrechung) und Jan Glinker (ab 2014). „Es sind immer noch so viele Spieler dabei, die damals in der Regionalliga gespielt haben und jetzt in die 2. Bundesliga aufgestiegen sind. Das ist eine unglaubliche Geschichte“, betont er.

Auch Handke, der ebenfalls unter Petersen in Halberstadt spielte, lobt seinen Ex-Trainer. „Er hat mich aus Erfurt nach Halberstadt und dann nach Magdeburg geholt. Wer weiß, ob ich jemals beim FCM gelandet wäre, wenn er nicht gewesen wäre“, sagt er. „Er hat mich nach den bescheidenen Jahren in Erfurt richtig aufgebaut, war ein Ziehvater für mich. Dafür werde ich ihm immer dankbar sein. Wir haben auch jetzt noch ein freundschaftliches Verhältnis und das wird auch immer so bleiben. Wir reden alle immer nur gut über ihn.“

Als Petersen 2012 zum FCM kam, hatte der Club gerade eine grauenvolle Regionalliga-Saison hinter sich und stieg als Tabellenletzter nur wegen einer Reform nicht ab. Im ersten Jahr unter dem neuen Duo Kallnik/Petersen zeigte die Formkurve des FCM bereits nach oben, in der Tabelle stand Rang sechs zu Buche. In der zweiten Spielzeit kämpfte der Club dann um den Aufstieg mit und wurde hinter der TSG Neustrelitz Zweiter. „Gleich bei meinem ersten Treffen mit Mario Kallnik habe ich gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge funken. Wir haben 2012 alles neu hinterfragt. Es war ja eine Schande, dass der FCM Tabellenletzter war. Das Fundament war schwierig, aber wir hatten uns gesucht und gefunden. Wir haben den Verein wie ein Haus Schritt für Schritt gemeinsam aufgebaut“, sagt Petersen. „Im ersten Jahr wollten wir uns stabilisieren, damit der Glaube und das Vertrauen der Fans, der Sponsoren und der ganzen Stadt zurückkommt. Das ist uns gelungen. Es war eine tolle Zeit, die ich nie vergessen werde. Für mich gilt das Motto: Einmal blau-weiß, immer blau-weiß.“

Auch Kallnik erinnert sich gerne an die gemeinsame Zeit mit Petersen zurück. „Andreas war eine ganz wesentliche Säule, dass hier ein Aufbruch entstanden ist. Er hat deshalb einen Anteil daran, dass wir jetzt in der 2. Bundesliga sind“, betont der FCM-Geschäftsführer. „Wir gemeinsam hatten damals schon ein gutes Auge für die Spieler.“

Es gab aber auch schwierige Zeiten. An die Auseinandersetzungen mit seinem damaligen Kapitän Marco Kurth erinnert sich Petersen nur ungern. Nach dem Aus im DFB-Pokal 2013 gegen Energie Cottbus kritisierte Kurth die Mannschaft öffentlich. Der Trainer setzte ihn daraufhin als Kapitän ab und ließ ihn kein Spiel mehr machen. „Marco war ein Top-Profi, menschlich aber schwierig“, sagt der Vater von Nils Petersen, der für den SC Freiburg in der 1. Bundesliga spielt und auch im vorläufigen WM-Kader steht. Unter dem Strich überwiegen bei ihm aber die positiven Erinnerungen. Petersen und Kallnik holten Marius Sowislo, den Petersen auch zum Kapitän machte und von der Außenbahn ins defensive Mittelfeld. „Marius ist menschlich super. Er ist immer sachlich, nie laut und hektisch. Er war immer für die Sache da, das ist beeindruckend“, sagt er.

Sowislo ist es auch gewesen, der in den Folgejahren den menschlichen Faktor, für den Petersen so gelobt wird, in der Mannschaft weiter festigte. Die oft zitierte Magdeburger DNA wurde vom Ex-Trainer, Mario Kallnik und dem „alten Kern“ entwickelt und wird bei vielen Gelegenheiten immer wieder als einer der aktuellen Gründe für den Erfolg genannt. „Andreas Petersen ist ein entscheidender Mann gewesen. Er kennt den regionalen Fußball und hat Spieler verpflichtet, die nicht auf das Geld geschaut, sondern Lust auf den Verein hatten. Er hat das Harmonische und das Freundschaftliche aufgebaut, was zu dieser Zeit das Wichtigste war“, lobt Sowislo und sagt bezogen auf die Magdeburger DNA. „Wir müssen immer bodenständig bleiben und den Fans auf Augenhöhe gegenübertreten.“

Keine Fußballlehrer-Lizenz

Ein weiteres Engagement von Petersen zerschlug sich 2014 übrigens vor allem deshalb, weil der Trainer nicht die Fußballlehrer-Lizenz machen wollte: „Wir haben uns dann sauber getrennt. Mario hat den klaren Vorschlag gemacht, dass ich Trainer geblieben wäre, wenn ich den Fußballlehrer gemacht hätte. Den hätte ich ja gebraucht, wenn wir in die 3. Liga aufgestiegen wären. Da ich mich dagegen entschied, hat der Club einen neuen Coach geholt. Ich wollte mich nicht auf dieses heiße Eisen einlassen, weil es nicht einfach ist, den Fußballlehrer neben dem Trainingsbetrieb zu machen. Natürlich war ich ein bisschen traurig, hätte die Sache gerne zu Ende gebracht. Mario und Jens haben dann aber alles richtig gemacht. Hut ab vor ihren Leistungen.“

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