Von Manuel Holscher ›

Nach der spielerisch indiskutablen Leistung gegen Uerdingen ging FCM-Trainer Stefan Krämer mit seiner Mannschaft hart ins Gericht.

Magdeburg l Eigentlich hatte sich Stefan Krämer auf das Spiel gegen Ex-Verein KFC Uerdingen gefreut. Schließlich traf der Trainer des 1. FC Magdeburg zahlreiche alte Bekannte wieder.

Doch so richtig ausgelassen konnte er nach dem 0:0 nicht sein. „Es war zwar schön, ehemalige Wegbegleiter zu sehen. Es überwiegt aber die schlechte Laune wegen des schwachen Ballbesitzspiels“, sagt er. Denn: „Normalerweise verliert man nach einer solchen Leistung.“ Es gibt in der Länderspielpause viel zu tun für Krämer – dessen ist er sich bewusst. „Die Mängelliste ist lang.“ Und die Probleme ziehen sich durch fast alle Mannschaftsteile:

● Spielaufbau

Von einem klaren Spielaufbau war gegen Uerdingen nichts zu sehen. Aus dem Mittelfeld kamen keinerlei Impulse, die Außenspieler wurden fast nie eingesetzt. So war es immer wieder nur der lange Ball auf Kapitän Christian Beck als einziges Mittel. Doch auch Beck hatte keinen guten Tag. Auch aus der Defensive heraus gab es zudem keine Ideen. „Wenn zwei, drei Spieler nicht in Form sind, wird es schwierig“, erklärt Krämer.

Problematisch war auch, dass der ballsichere Thore Jacobsen wegen des Ausfalls von Timo Perthel auf die linke Seite ausweichen musste. „Das hat unserem Spiel nicht gut getan“, betont der Coach. Besserung verspricht sich Krämer durch die Rückkehr von Jürgen Gjasula, der nach seinem Mittelhandbruch gegen Uerdingen ein paar Minuten auf dem Rasen stand.

● Passspiel

Gegen Uerdingen spielte der FCM teilweise eklatante Fehlpässe, Spielzüge wurden so schon im Ansatz kaputtgemacht. „Es wären Räume da gewesen, in die wir aber gar nicht gekommen sind, weil wir viel zu schnell und viel zu leicht den Ball verloren haben“,  kritisiert Krämer. „Wir stehen zwar defensiv richtig gut und kassieren kaum Gegentreffer. Andererseits haben wir große Probleme, überhaupt Tore zu erzielen.“

Der Coach betont zwar, dass Passformen immer wieder zum Trainingsprogramm gehören – möglicherweise aber noch nicht intensiv genug. Als Michael Oenning beispielsweise im November 2018 Trainer beim FCM wurde, ließ er eine Woche nur Pässe trainieren. In der Folge waren auf dem Rasen klare Verbesserungen zu sehen.

● Außenstürmer
Der FCM gab zu Saisonbeginn das Ziel aus, über schnelle Außen einen frischen Offensivfußball spielen zu wollen. Dieser Ansatz funktioniert bisher kaum bis gar nicht. Sowohl Sirlord Conteh als auch Manfred Osei Kwadwo, Tarek Chahed und Marcel Costly blieben häufig blass, werden aber auch zu selten in Szene gesetzt. Der Einzige, der über Außen Druck macht, ist Rechtsverteidiger Dominik Ernst, der bereits fünf Torvorlagen auf dem Konto hat.

● Taktik
Trainer Stefan Krämer ließ bereits einige Systeme spielen – ob 4-2-3-1, 4-1-4-1, 3-5-2 oder 4-4-2 mit Raute sowie flach. Echte Torgefahr brachte besonders auswärts keines dieser Systeme. Bei Fehlern wie gegen Uerdingen erübrigt sich allerdings auch jede Diskussion über ein Spielsystem, weil die Probleme viel elementarer sind. „Wir waren gegen Uerdingen zu fahrig. Dadurch haben wir uns viel kaputtgemacht“, sagt Krämer.

Das gipfelte in ganz einfachen taktischen Fehlern, wie der Coach betont: „Teilweise haben wir mit einer Dreierkette gegen einen Stürmer gespielt – das ergibt überhaupt keinen Sinn. Es war oft zu langsam, wir haben zu oft nach hinten gespielt.“

In den kommenden Tagen will Krämer einige Einzelgespräche führen – gerade auch mit den Spielern, die gegen Uerdingen weit hinter ihren Möglichkeiten geblieben sind. „Denen werde ich das schon noch mal persönlich sagen. Wir bekommen Probleme, wenn zwei, drei nicht bei 100 Prozent sind“, so Krämer.

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