Von Anne Toss › und Manuel Holscher ›

Stefan Krämer, Trainer des Drittligisten 1. FC Magdeburg, liegt viel an einer guten Beziehung zu seinen Spielern.

Magdeburg l Seilspringen, Gewichtschlitten ziehen, Liegestütze – gestern Vormittag trieb Co-Trainer Silvio Bankert die Fußballer des 1. FC Magdeburg von einer Station zur nächsten. Und Chefcoach Stefan Krämer beobachtete. Ab und an tauschte er sich am Spielfeldrand mit Sportchef Maik Franz aus, suchte auch das Gespräch mit einzelnen Spielern. Doch im Großen und Ganzen hielt er sich bei der Einheit zurück – und sammelte Eindrücke von seinen Profis.

Kennenlernen der Spieler hat Vorrang

Denn für Krämer ist klar: „Das Kennenlernen der Mannschaft hat im Moment absolut Vorrang vor beispielsweise taktischen Überlegungen.“ In seinem Kopf speichert er nicht nur Trainingseindrücke, sondern auch private Informationen über seine Schützlinge ab – wie ihr Familienstand ist, wo sie wohnen. „Aber ich schicke jetzt natürlich keinen Privatdetektiv los“, sagt Krämer und lacht. All das ist Grundlage für eine Art Profil, das er von jedem Spieler erstellt, und für einen vertrauensvollen Umgang miteinander.

„Wenn das Kind eines Spielers Geburtstag hat, und ich weiß das, dann gebe ich dem Spieler ein kleines Geschenk mit. Das ist nichts Großes, es geht mir einfach darum, dass die Jungs merken, dass ich mich wirklich für sie interessiere“, erzählt Krämer. „Mir ist wichtig, dass mir die Spieler vertrauen. Sie können immer zu mir kommen, wenn sie ein Problem haben.“

Regelmäßiger Austausch

Auf einen regelmäßigen, intensiven Austausch legt er generell Wert. „Alle vier bis sechs Wochen führe ich Feedback-Gespräche, die auch protokolliert werden“, sagt Krämer. Er selbst und der jeweilige Spieler unterschreiben den Bogen. Darin werden beispielsweise Ziele festgehalten, aber auch Kritik. „Durch solche Gespräche lerne ich jeden besser kennen, es entwickelt sich eine Vertrauensbasis und man kann danach eben auch einen Blick ins Protokoll werfen und sagen: So hatten wir das aber besprochen und seither hat sich nichts getan“, berichtet er.

Krämer hat Spaß daran, Mannschaften zu formen, die optimale Mischung aus Spielertypen auszutarieren. Für Psychologie interessiere er sich, dafür, wie Gruppen funktionieren. „Jeder reagiert ja auf irgendeinen Reiz, hat einen Antrieb. Und den Hauptantrieb, den möchte ich herausfinden“, sagt der 52-Jährige. So geht es manchen Spielern eben darum, Geld zu verdienen, anderen ist die Harmonie wichtig und wieder andere suchen die Herausforderung im Spiel, den sportlichen Wettkampf. Für Krämer gilt dann, die richtigen Impulse zu setzen, die Spieler entsprechend zu motivieren. Und die erfolgversprechendste Mischung zusammenzustellen.

Denn: „In erster Linie geht es ja darum, dass wird als Team zusammenwachsen. Nur als Team können wir in der 3. Liga, die sehr ausgeglichen ist, auch bestehen. Es reicht nicht, nur individuelle Klasse zu haben, das Miteinander ist ganz entscheidend“, sagt Krämer.

Übungen für Gruppendynamik

Um das schnell voranzutreiben, bindet er einerseits bestimmte Übungen ins Training ein, die ihm Aufschluss über die Gruppendynamik geben. Einfachstes Beispiel: Die Spieler bilden selbst Gruppen, bestimmen, wer wo agiert. Andererseits werden im Trainingscamp, in das der FCM am Donnerstag abreist, auch gezielt teambildende Maßnahmen absolviert. „Und die Spieler werden in Apartments wohnen und nicht im Hotelzimmer“, betont Krämer, „es sind immer Gruppen von vier bis sechs Personen zusammen, die wir vorgegeben haben und die sich auch selbst versorgen müssen.“

Für ihn steht jedoch auch fest, dass eine Mannschaft ohne Struktur nicht funktioniert. „Ich halte überhaupt nichts von flachen Hierarchien. Eine Mannschaft braucht eine klare Führungsstruktur“, bekräftigt er.

„Geplantes Chaos“ auf dem Platz

Seine Herangehensweise, der Mannschaft einerseits Freiheiten zu lassen, andererseits Rahmenbedingungen vorzugeben, spiegelt sich auch auf dem Spielfeld wider. Krämer spricht von einem „geplanten Chaos“, er hält wenig davon, in einer Partie mehrmals das Spielsystem zu wechseln. „Das passiert ja ganz automatisch, denn aus einem 4-3-3 wird eben schnell ein 4-1-4-1“, sagt er. Trotzdem gilt auch hier: „Ich habe 20 klare Grundsätze bezogen auf den Spielstil. Diese Grundsätze müssen die Spieler verinnerlichen.“

So achte er beispielsweise enorm auf die ersten fünf Sekunden nach einem Ballverlust. „Wenn die Körpersprache dann negativ ist, habe ich damit ein großes Problem“, stellt er klar.

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