Von Anne Toss ›

Über vier Monate hinweg hat sich Léon Bell Bell beim 1. FC Magdeburg an einen Startelf-Platz herangekämpft.

Magdeburg l Zwölfmal steht hinter dem Namen Léon Bell Bell „nicht im Kader“ oder „ohne Einsatz im Kader“. Zwölfmal war die Konsequenz dieselbe: Der 23-Jährige hat das Fußballfeld in der 3. Liga mit dem 1.  FC Magdeburg nicht betreten. Dabei hatte Bell Bell an den Wechsel zum FCM so einige Hoffnungen geknüpft. Klar, die ersten Schritte in der 3. Liga wollte er hier gehen. Aber sich auch für Größeres wie die kamerunische Nationalmannschaft empfehlen, für die er zuletzt mit der U-21-Auswahl gespielt hatte.

„Das hat jetzt etwas länger gedauert“, sagt Bell Bell trocken. Drei Monate exklusive Vorbereitungszeit sind vergangen, in denen die Nicht-Berücksichtigungen schon an ihm genagt haben. „Weil ich das nicht erwartet habe“, gibt er zu. „Ich habe jetzt auch nicht gedacht, dass ich hierher komme und sofort alle Spiele mache“, stellt Bell Bell klar, „aber dass ich mal reingeworfen werde und es sich mit der Zeit eben ergibt. Das war aber nicht der Fall. Irgendwann wurde es dann ja.“

Irgendwann – dieses Wort taucht bei Bell Bell oft auf. Irgendwann wird der Tag kommen, irgendwann ergibt sich die Chance. Und dieses irgendwann ist genau jetzt.

Plötzlich Startelf, plötzlich Linksverte

Trainer Stefan Krämer hat den gebürtigen Frankfurter erstmals gegen Viktoria Köln ins kalte Wasser geworfen, gegen den Halleschen FC durfte er wieder über 90 Minuten ran. „In Köln habe ich nicht gedacht, dass ich sofort spielen werde, ich stand davor ja überhaupt nicht im Kader“, sagt er. Aber das war nicht die einzige Überraschung. Krämer ließ Bell Bell zudem auf der Linksverteidiger-Position auflaufen. „Ein Experiment“, sagt der FCM-Spieler und lacht, „als ich das erste Mal bei einem Trainingsspiel dort gespielt habe, dachte ich: Okay, was soll ich jetzt auf der Position?“ Mittlerweile habe er sich aber daran gewöhnt. Und, wie seine letzten Auftritte zeigen, ziemlich gut damit angefreundet.

Krämer freut sich über den gelungenen Schachzug. „Was macht Léon aus? Er bringt Tempo mit, hat einen guten ersten Ballkontakt und kann flanken. Es hat also Sinn ergeben, ihn da zu testen“, erklärt der Trainer seine Entscheidung. Denn im Sturm habe er nicht die Kombinations- und Ballsicherheit mitgebracht, die der Coach sich erhofft. „Und der Eindruck, dass ihm diese Position liegt, hat sich dann ja nicht nur in einer Einheit bestätigt, sondern das hat er stabil über mehrere Einheiten hinweg gezeigt. Léon hat die Position angenommen.“

Und Bell Bell hat außerdem noch in anderer Hinsicht überzeugt. „Er hat sich im Training nie hängen lassen, hat Extra-Schichten geschoben und die Spiel-Ersatz-Trainingseinheiten klaglos angenommen“, berichtet Krämer, „Léon war immer überzeugt, dass es zwar einen Moment dauert, aber dass seine Chance kommt.“

Die Familie spricht Mut zu

Sich dieses Gefühl zu bewahren, war für Bell Bell allerdings gar nicht so leicht. „Die Situation war ja ungewohnt für mich, das kannte ich gar nicht“, berichtet er, „bei meinen vorigen Vereinen habe ich die meiste Zeit über gespielt. Das musste ich jetzt erst einmal verarbeiten.“

Krämer hat für das „Loch“, in das Bell Bell gefallen ist, auch eine Erklärung: „Die ersten zwei Wochen der Vorbereitung waren gut. Aber dann ist die Trainingsbelastung höher als in den Nachwuchsleistungszentren. Und die Spieler, die zuvor gar nicht so viel tun mussten, um wieder dabei zu sein, merken, dass das jetzt anders ist. Da hat er sich langsam herausgekämpft.“

Seine Familie und enge Freunde haben ihm dabei genauso Mut zugesprochen wie Sportchef Maik Franz und Geschäftsführer Mario Kallnik. Mit dem Trainerteam gab es ebenfalls Gespräche, um den Zwischenstand abzuklopfen. „Zum einen ging es darum, wo ich mich verbessern kann. Zum anderen gab es aber auch Lob, wenn die Trainingsleistung gut war“, sagt Bell Bell.

Im Moment deutet vieles darauf hin, dass sich der 23-Jährige in der FCM-Startelf festsetzen kann. Denn vom anfänglichen „erst einmal sicher spielen, reinkommen und wenig Fehler machen“ ist er jetzt zum „mehr zutrauen und mutig nach vorne spielen“ übergegangen. Auch der FCM-Trainer hat das registriert: „Durch die Einsätze hat er Sicherheit und Selbstvertrauen gewonnen. Gegen den HFC war er sogar an der Tor-Vorbereitung beteiligt.“

Bell Bell hat sich seine Chance erarbeitet – und die gilt es jetzt zu nutzen. Und nicht irgendwann.

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