Magdeburg –

Das musste Jens Härtel dann doch erklären. Folgenden Satz hatte er auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel am Sonnabend gegen den VfR Aalen gerade zum Besten gegeben: „Wenn ein Spieler jetzt denkt, dass er wie ein Nachtwächter trainieren kann, wird er große Probleme haben, es in den Kader zu schaffen.“

Trainieren wie ein Nachtwächter? Etwa wie einer im Magdeburger Dom? „Nun ja“, erklärte der Trainer des 1. FC Magdeburg. Ein Lächeln durchzog sein Gesicht: „Er schläft tagsüber.“ Das Training einberechnet.

FCM seit fünf Partien ungeschlagen

Die gute Stimmung des 47 Jahre alten Fußballlehrers ist Ausdruck seiner Zufriedenheit. In den vergangenen Wochen lief für ihn und seinen FCM sportlich vieles optimal. Dabei drohten zahlreiche Sperren, zahlreiche Verletzungen den Klub in eine Krise zu stürzen. Das Gegenteil geschah. Seit fünf Partien ist Magdeburg ungeschlagen. Die Blau-Weißen haben dreimal in Folge gewonnen. Und: „Die, die vorher ein Stückchen hinten dran waren, haben gezeigt, dass sie da sind, wenn sie gebraucht werden“, meint Jens Härtel. „Sie haben gute Leistungen gebracht.“

Sebastian Ernst zum Beispiel. Der 21 Jahre alte Shooting-Star der vergangenen Saison verschwand zwischenzeitlich in der Versenkung. Er verzweifelte fast schon, verlor den Spaß am Fußball. „Den haben ich jetzt auf jeden Fall wiedergefunden“, sagt er nun. In den vergangenen drei Partien überzeugte der Techniker von Anfang an. Und: „Wenn wir gewinnen, macht es natürlich noch viel mehr Spaß.“

Doch nun ist Härtel als Moderator gefragt. Durch die vielen Ausfälle stellte sich die Mannschaft in den vergangenen Wochen mehr oder weniger von alleine auf. „Die ein oder andere Entscheidungsfindung fiel da weg, weil wir keine Alternativen hatten“, blickt der FC-Coach zurück. „Das ist für einen Trainer dann manchmal einfacher, aber trotzdem nicht das Optimum.“ Nun muss er aber wieder einige unangenehme Botschaften – wer spielt? wer spielt nicht? – überbringen.

Sturmspitze: Beck für Düker?

Die Konkurrenzsituation gleicht vor dem letzten Heimspiel des Kalenderjahres trotzdem dem Optimum. Bis auf die Dauerverletzten Moritz Sprenger und André Hainault kann Härtel auf seinen kompletten Kader zurückgreifen. Die zuletzt gesperrten Leistungsträger Jan Löhmannsröben, Kapitän Marius Sowislo und Torjäger Christian Beck kehren zurück ins Team. „Sie brennen darauf, ihren Platz wieder einzunehmen“, weiß Härtel.

Gepaart mit denen, die zuletzt einspringen mussten und ihren Platz verteidigen wollen, sei das „eine gute Basis, auch im Training“, meint der 47-Jährige. Offensivmann Sebastian Ernst sieht das ähnlich: „Die Leistung in den Einheiten ist maßgebend. Wer Gas gibt und an sich glaubt, hat gute Chancen auf einen Einsatz.“ Aber, na klar: „Am Ende entscheidet der Trainer.“

Wie, das bleibt abzuwarten. Fest steht: Es wird Härtefälle geben. Am ehesten könnte es Julius Düker treffen. Der 20-Jährige hatte den FCM gegen Frankfurt am vergangenen Sonntag zum 1:0-Auswärtssieg geschossen. Nun aber kehrt Neun-Tore-Stürmer Christian Beck zurück. „Christian ist ein wichtiger Spieler für uns, im Normalfall wird er spielen“, meint Jens Härtel. Ob des gewachsenen Konkurrenzkampfes kann er aber die Bedingung hinterherschieben: „Wenn er gute Trainingsleistungen bringt.“

Das weiß Beck. Genau wie alle anderen. „Im Moment muss ich niemanden kitzeln“, meint Härtel. „Die Spieler sind intelligent genug, um zu registrieren, was in den letzten Wochen in den Konstellationen passiert ist.“

Das Team ist zusammengerückt, der Konkurrenzkampf ist gewachsen. Oder anderes formuliert: Nachtwächter sind beim 1. FC Magdeburg mehr denn je fehl am Platz.

Quelle : http://www.mz-web.de

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