Von Anne Toss ›

Jürgen Gjasula hat Magdeburg vorerst den Rücken gekehrt. Am Mittwoch schickte der FCM-Verteidiger über das soziale Netzwerk Instagram Fotos aus Hamburg an seine Fans. Erst sieht man ihn beim Joggen, dann beim Kaffeetrinken mit Bruder Klaus, der ja seit dieser Saison beim Hamburger SV unter Vertrag steht. Gjasula und Sören Bertram sind seit Sonntag vom Trainerteam beim FCM freigestellt worden. Sie bekamen laut Trainer Thomas Hoßmang einen individuellen Plan vom Fitnesscoach an die Hand, den sie abarbeiten sollen. Und – schenkt man den Fotos von Gjasula Glauben – wohl auch tun.

Aus rechtlicher Sicht ist der Fall dennoch mehr als eine Grauzone, wie Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV), bestätigt: „Zum Einzelfall möchte ich mich gegenwärtig nicht öffentlich äußern. Grundsätzlich haben Profifußballer aber einen Rechtsanspruch auf Teilnahme am Mannschaftstraining des Profiteams, und sie können diesen auch gerichtlich geltend machen.“ Die Betonung liegt dabei auf Mannschaftstraining – mit Profis. Deshalb könnte ein Abschieben zur Reserve schon problematisch sein.

Gründe weiterhin unklar

Sollte eine Einigung zwischen Verein und Spielern nicht zustandekommen und diese sich entscheiden, gerichtlich gegen den Ausschluss vorzugehen, könnte dem FCM somit unter Umständen ein Prozess drohen. In diesem Fall müsste der Club dann auch offenlegen, was die Gründe für die Freistellung waren.

Denn dazu wollen sich der Verein und auch die beiden Profis öffentlich weiterhin nicht äußern. Spekuliert wird, dass Bertram und Gjasula Entscheidungen von Hoßmang kritisiert haben könnten und es dadurch zu Überwerfungen kam. Dabei spielte sicherlich auch eine Rolle, dass der Trainer die Routiniers seit dem fünften Spieltag aussortiert beziehungsweise nur noch mit Kurzeinsätzen bedacht hatte.

Fokus aufs Sportliche fällt schwer

Die Freistellung als Mittel zu nutzen, um ein Zeichen zu setzen, könnte dem Verein also auf die Füße fallen. Neben dem rechtlichen Aspekt kann eine solche Entscheidung zudem eine Mannschaft spalten – wie zuletzt bei Erstligist Mainz 05 und Adam Szalai geschehen.

Hinzu kommen wirtschaftliche Folgen, da die Spieler weiterhin einen Gehaltsanspruch haben. Und auch aus sportlicher Sicht ist die Maßnahme umstritten. Nicht wenige glauben, dass Bertram und Gjasula beim FCM kaum zu ersetzen sind, wenn sie denn ihre Leistung abrufen. Immerhin kommt Gjasula bislang auf zwei Torvorlagen.

Vertrag beim FCM bis 2021

Wie es mit den beiden weitergeht, ist zunächst offen. Jürgen Springer, Spielerberater bei der Football Transfer Company (FTC), die Bertram betreut, sagt: „Die Fakten sind bekannt. Wir sind gut beraten, das jetzt mit dem FCM zu besprechen.“ Gjasulas Berater, Marcus Noack von der Noack Sports GmbH, hält sich ebenfalls bedeckt, verweist auf den Verein. Beide stehen hier übrigens bis 2021 unter Vertrag.

Entgegen den Bemühungen des Vereins dürfte es durch diese selbstgemachte Baustelle vermutlich schwerfallen, sich aufs Sportliche zu konzentrieren. Was für den FCM in der gegenwärtigen Lage als Vorletzter mit nur vier Punkten aber umso wichtiger wäre.

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