Härtels Personal-Puzzle

FCM-Trainer Jens Härtel muss sich gegen Ingolstadt entscheiden: Vertraut er dem Pokalteam oder wagt er die Rolle rückwärts?

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Magdeburg l Am Dienstag im Training ging es nur um eins: Genauigkeit. Ob Fußballgolf oder Weitschüsse direkt ins Tor – FCM-Trainer Jens Härtel wollte die Zielsicherheit seiner Spieler verbessern.

Dieser Schwerpunkt kommt nicht von ungefähr, schließlich erzielte der Club in drei Pflichtspielen bisher erst ein Tor. Außerdem vergab die Mannschaft im Pokal gegen Darmstadt zahlreiche gute Gelegenheiten. Das soll sich ab kommenden Sonnabend ändern, dann tritt der FC Ingolstadt zum dritten Spieltag der 2. Bundesliga in der MDCC-Arena an.

Besonders gefordert waren die Offensivspieler. Gerade bei Testspieler Kacper Przybylko, der noch bis Donnerstag in Magdeburg mittrainiert, schauen die Verantwortlichen genau hin. Der erste Eindruck von Härtel war allerdings nicht sonderlich vielversprechend. „Er hat auf uns am ersten Tag nicht wie jemand gewirkt, der uns gleich verstärken kann. Man sieht schon, dass er keinen Spielrhythmus hat“, sagt der Trainer. „Das ist aber nur der erste Eindruck. Am Donnerstag werden wir ihm gegenüber eine Aussage machen.“ Das klingt tendenziell eher nach Trennung.

Ob Przybylko nun bleiben darf oder nicht, ein Effekt ist schon jetzt spürbar. Neuzugang Mergim Berisha, dessen Zeit beim FCM bisher durchwachsen verlief, blühte am Montag und gestern geradezu auf. Der Stürmer zeigte vollen Einsatz, wurde durch die potenzielle Konkurrenz aufgeweckt. Er unterhielt sich auch viel mehr als sonst mit seinen Mitspielern. Härtel: „Wir haben mit Mergim gesprochen und ihm gesagt, dass wir eine Reaktion sehen wollen. Die hat er gezeigt, er ist engagierter als zuvor.“

Wie hart und eng der Konkurrenzkampf im Team ist, wird nach dem Pokalspiel gegen Darmstadt deutlich. Härtel wechselte bei dieser Partie auf sieben Positionen, die Mannschaft bot in der neuen Zusammenstellung eine gute Leistung. Der Trainer muss sich mit der Frage beschäftigen, ob er an dem Team, das gegen Darmstadt überzeugte, festhält, oder ob die vermeintlichen Stammspieler in die Startelf zurückkehren dürfen. „Wir haben gesehen, dass es keinen ganz großen Unterschied zu den Jungs gab, die vorher gespielt hatten. Inwieweit wir Änderungen vornehmen, hängt auch immer ein Stückchen vom Gegner ab.“

Dass ein personeller Wechsel sich auch auf die Nebenleute auf dem Rasen auswirken kann, zeigte Richard Weil. Der 30-Jährige bot selbst zwar keine Top-Leistung, war aber für Björn Rother auf der Doppel-Sechs neben ihm wichtig. Rother überzeugte defensiv und schaltete sich immer wieder in die Vorwärtsbewegung ein. Diese Vorstöße gab es von ihm in den ersten beiden Ligapartien deutlich seltener. Für Weil müsste Rico Preißinger auf die Bank. Eine Variante, die Härtel Bauchschmerzen bereitet: „So schlecht hat es Rico in Aue nicht gemacht. Wir können nie allen gerecht werden. Das Wichtigste ist, die Elf zu finden, mit der die Wahrscheinlichkeit am Spieltag am höchsten ist, Punkte zu holen.“

Standardstärke gefragt

Deutlich offensiver äußert sich der Coach über Nico Hammann, der zu Saisonbeginn auch draußen war. Gegen Darmstadt verursachte er als Abwehrchef zwar den entscheidenden Elfmeter, nahm ansonsten aber eine wichtige Rolle ein. Denn: „Im Spielaufbau hat es Nico in der ersten Halbzeit gut gemacht. Wir wissen, was die Jungs können und was nicht. Wir müssen jetzt vor der Ingolstadt-Partie herausfiltern, was für uns wichtiger ist.“

Aus dieser Aussage lässt sich deuten, dass Hammann wegen der spielerischen Stärken und seiner Präsenz als Standard-Schütze den Vorzug vor Dennis Erdmann erhalten könnte, der diese Rolle in Aue einnahm.

Gerade Standards werden gegen die technisch und offensiv starken Ingolstädter von großer Bedeutung sein. „Sie müssen Punkte holen, genauso wie wir. So werden sie hier auch auftreten“, versichert Härtel. Die Bayern stehen unter Druck, verbuchten wie der FCM bisher nur einen Punkt aus drei Pflichtspielen. Im Pokal war in Paderborn Endstation. Härtel: „Wir müssen das Pokalspiel des FCI genau analysieren und Lösungen finden.“

Das Personal-Puzzle wird den Trainer somit noch viele Stunden beschäftigen. Für Berisha machte der Trainer die Tür zumindest für einen Kaderplatz auf. „Die Chance ist für ihn höher als zu Saisonbeginn.“

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