Härtels Fehler beim FCM

Jens Härtel hat sich große Verdienste um den 1. FC Magdeburg erworben. Doch der Coach hat sich auch angreifbar gemacht. Eine Analyse:

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● Aufstellung: Jens Härtel fand in dieser Saison keine Stammelf. Der Trainer wechselte bei jedem Spiel seine Startformation. Besonders oft gab es Wechsel in der Abwehr – und zwar nicht nur durch Sperren. So wurde aus der zu Saisonbeginn enorm sicheren Defensive mit 24 Gegentreffern nach 13 Spielen mittlerweile die zweitschlechteste der Liga. Die Verunsicherung durch permanente Wechsel war einigen Spielern deutlich anzumerken.

Schon in der Vorbereitung verpasste es Härtel, in den Testspielen nach einer Stamm-elf zu fahnden. Stattdessen rotierte er zu oft. Eine klare Achse vom Torwart bis zm Stürmer konnte sich nicht einspielen.

● Taktik: Härtel setzte lange auf das bewährte 3-4-3-System – zu lange. Mit dem gewohnten System begeisterte der FCM zwar in der 3. Liga, in der 2. Bundesliga konnte das Team aber nicht die erhoffte Offensivstärke auf den Rasen bringen. Härtel reagierte während eines Spiels oft gar nicht oder stellte zu spät um. Das war in der vergangenen Drittligasaison noch anders, als die Grundordnung manchmal bereits nach acht Minuten umgestellt wurde.

Gegen Dresden und in Heidenheim wechselte er erst auf ein 4-2-3-1, als der FCM jeweils 0:2 zurücklag. Gegen Hamburg setzte er dann erstmals von Beginn an auf ein neues System – zu spät. Auch seine Einwechslungen sorgten für Diskussionen. Gegen St. Pauli, Aue und Ingolstadt entschied er sich zu spät für Wechsel. Erst in den vergangenen Wochen gab es auch mal in der Halbzeit personelle Veränderungen.

Auch die Art der Wechsel war manchmal fragwürdig: So wechselte er in Darmstadt trotz eines Rückstandes zwei offensive Spieler aus, brachte aber dafür einen offensiven und einen defensiven Akteur. Gegen Regensburg nahm er mit Philip Türpitz und Marius Bülter zwei starke Offensivkräfte raus.

● Teamführung: Zwar führte der Trainer sogenannte Feedbackgespräche, ansonsten gab es aber nur selten Einzelgespräche. Manche Spieler hätten aber mehr Kommunikation benötigt. Härtel begründete das zwar zu Recht damit, dass er nicht ständig mit jedem reden kann. Trotzdem hätte er sich gerade um die Spieler, die an den Wochenenden nicht im Kader waren, mehr kümmern müssen. Spieler wie Joel Abu Hanna, Manfred Osei Kwadwo, Mergim Berisha, Tarek Chahed, Philipp Harant und bis zum Regensburg-Spiel Charles Elie Laprevotte saßen sehr oft auf der Tribüne. Sie bekamen selten oder gar keine Chance. Deshalb ist Kritik an der Kaderqualität momentan auch nur haltbar. Härtel verpasste es, diese Ersatzspieler einzubinden, ihnen Selbstvertrauen zu geben, ihnen zu vermitteln, dass sie trotzdem wichtig und Teil der Gruppe sind.

Klar ist: Wer wochenlang keine Chance bekommt, wird kaum gut gelaunt sein.

● Training: Die Trainingseinheiten unter Jens Härtel waren in der Vorbereitung intensiv. Der Trainer legte viel Wert auf Fitness. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber: Das Positionsspiel nahm nur eine untergeordnete Rolle ein, das Spiel mit dem Ball war im Training zu selten angesagt. Vielmehr ging es darum, gut gegen den Ball zu arbeiten. Die Defizite lagen und liegen aber im Passspiel, im ruhigen und gezielten Aufbau sowie bei Standards. Das wurde zu selten trainiert.

 Defensives Denken: Der FCM schaffte es bisher nicht, sich mal einen Zwei-Tore-Vorsprung herauszuspielen. Nach einer Führung zog sich der Club zu oft zurück, anstatt darauf zu setzen, den Vorsprung weiter auszubauen. In der 3. Liga gab es nach Führungen Räume, die der FCM nutzen konnte. Diese Räume gibt es in der 2. Liga aber nicht mehr so oft. Die Gegner werden nach einem 0:1 nicht nervös, sie spielen konzentriert weiter.

So schaffte es der FCM auch gegen St. Pauli (1:2), Ingolstadt (1:1), Kiel (1:2), Duisburg (3:3) und Regensburg (2:3) nicht, eine Führung ins Ziel zu retten. Nur in Sandhausen beim bisher einzigen Saisonsieg (1:0) klappte es. Härtel hätte nach einer Führung weiter mutig agieren müssen, auch auf die Gefahr hin, mal einen Gegentreffer zu kassieren. Stattdessen kam von der Bank immer wieder die Anweisung, dass die Spieler hinter dem Ball stehen sollen. Dieses defensive Denken wurde Härtel zum Verhängnis.

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