2017 war für Torhüter Jan Glinker (33) vom 1. FC Magdeburg eine Achterbahn der Gefühle. Im Januar war er zur Nummer zwei degradiert worden.

Von
Manuel Holscher

Magdeburg l Jan Glinker hat in seiner Karriere schon viel gesehen. Der Torwartwechsel im Januar 2017 war aber auch für ihn Neuland. „So etwas habe ich in den Jahren, seitdem ich Profifußballer bin, noch nicht erlebt. Dass ich nach einer solchen Hinrunde, die ich meiner Meinung nach gut gespielt habe, aus dem Tor genommen werde, kann ich nicht nachvollziehen“, sagte der 33-Jährige angesäuert direkt im Anschluss an die Entscheidung von FCM-Trainer Jens Härtel, der auf Zingerle setzte, weil er nach Ansicht des Coaches mit dem Fuß stärker agierte.

In der Folge hatte er daran zunächst zu knabbern. Es wurde aber in der Rückrunde ganz deutlich, was Glinker neben seinen Fähigkeiten auf dem Rasen auszeichnet. „Ich habe mich mit Jan richtig gut verstanden“, sagte Zingerle, der sich im Verlauf der Rückrunde als Stammtorhüter immer weiter steigerte. Glinker ist Teamplayer und blieb deshalb ruhig, auch wenn er seine Rückstufung zunächst nur schwer verdauen konnte: „Ich habe ein bisschen gebraucht, um es zu verarbeiten, habe die Situation dann aber so angenommen, wie sie war.“

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In der Nachbetrachtung der zwischenzeitlichen Ablösung gab er sich durchaus selbstkritisch. „Nachdem ich im Sommer 2016 zur Nummer eins gemacht wurde, hätte ich wahrscheinlich diesen Status im Training noch mehr bestätigen müssen. Das war ein Fehler, der mir so nicht noch mal passieren wird. Das ist das Einzige, das ich mir zum Vorwurf mache“, betonte der Keeper im Juli 2017 während des Sommer-Trainingslagers in Wesendorf.

Gilnker profitiert von Zingerle-Abgang

So überraschend für ihn seine Herausnahme aus dem Tor war, so kurios verlief der Weg bis zu seinem Comeback. Im Volksstimme-Interview stellte Zingerle kurz vor Saisonende klar, dass der FCM seinen Vertrag nicht verlängern wollte, wenn der Club in der 3. Liga bleiben würde. Damit hatte kaum jemand gerechnet, es sollte nach dem verpassten Aufstieg dann aber tatsächlich so kommen. Zingerle wechselte zum jetzigen Tabellenzweiten nach Paderborn, und die Nummer drei in Magdeburg, der talentierte Lukas Cichos, wurde nach Zwickau ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln.

Für Glinker ergab sich damit die Situation, dass er zwei neue Konkurrenten bekam, mit denen er sich um den Stammplatz im Tor streiten würde. Alexander Brunst (VfL Wolfsburg II) und Mario Seidel (FC Erzgebirge Aue) hießen die Schlussmänner. Glinker spielte eine souveräne Vorbereitung und setzte sich schließlich vor Brunst durch. Die beiden Neuzugänge bekamen allerdings im DFB-Pokal gegen Augsburg (2:0, Seidel) und gegen Dortmund (0:5, Brunst) auch ihre Chance und konnten jeweils überzeugen.

In der 3. Liga führte aber kein Weg mehr an Glinker vorbei, der nach einer Rückrunde ohne Spielpraxis seine ganze Erfahrung aus seiner Zeit beim 1. FC Union Berlin (bis 2014) und in Magdeburg einbrachte. Durch seine Ruhe vermittelte er der Defensive ein gutes Gefühl, mit wichtigen Paraden gerade gegen Ende der Hinrunde sicherte er zudem einige Punkte. In 20 Partien kassierte der Club nur 18 Gegentreffer, Glinker hielt dabei zehnmal die Null. Dem gebürtigen Berliner ist sein Comeback als Nummer eins eindrucksvoll gelungen.

Am Saisonende läuft sein Vertrag aus, im Januar wird die Nummer eins 34 Jahre alt. Im Verlauf der Winterpause sollen laut Geschäftsführer Mario Kallnik und Trainer Jens Härtel Gespräche mit Spielern geführt werden. Glinker hat in den vergangenen Monaten nachgewiesen, dass er das Zeug hat, weiterhin im FCM-Kasten zu stehen und auch ein Comeback in der 2. Bundesliga zu feiern, in der er mit dem 1. FC Union bereits gespielt hat.

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