Von Anne Toss ›

Jürgen Gjasula blickt auf eine ereignisreiche Karriere zurück. Beim 1. FC Magdeburg soll er nun das tun, was er am besten kann: führen.

Magdeburg l Gjasula ist ein Name, der in Magdeburg gleich Erinnerungen weckt: An die Relegationsspiele gegen die Offenbacher Kickers, an Derbys gegen den Halleschen FC. An Klaus Gjasula eben, den leidenschaftlichen – manche würden wohl auch sagen aggressiven – Fußballer mit Helm. Jürgen Gjasula schmunzelt, als er auf seinen vier Jahre jüngeren Bruder angesprochen wird. „Eigentlich will ich das Thema gar nicht so hochhängen“, sagt er, „mein Bruder war nun mal immer als Gegner hier, da ist es klar, dass du von den Fans nicht geliebt wirst. Aber er war ein Befürworter, hat meinen Wechsel hierher unterstützt.“ So kommt es also, dass sich Jürgen Gjasula unter den Neuzugängen des 1. FC Magdeburg befindet. Auf Anraten von Klaus.

Eine weitere Geschichte, die beide bestimmt noch öfter erzählen werden. So wie jene über ihre Vornamen, die sie der TV-Serie Schwarzwaldklinik zu verdanken haben. „Meine Familie war schon damals, als wir noch in Albanien gelebt haben, ein großer Fan von Klausjürgen Wussow. Deshalb kamen wir zu den deutschen Vornamen, die dort natürlich etwas Besonderes waren. Als wir dann nach Deutschland gezogen sind, wollten mir viele gar nicht glauben, dass ich Jürgen heiße. Ich sehe ja auch nicht aus wie ein typischer Jürgen“, erzählt Gjasula und lacht.

Der 33-Jährige ist auch nicht den typischen, gradlinigen Weg eines Profi-Fußballers gegangen, bevor er beim FCM landete. Viel mehr finden sich in seiner Vita, die zwölf verschiedene Vereine umfasst, mehrere Wendungen, Hoch- und Tiefpunkte. „Mein Ziel war es natürlich nicht, so oft den Verein zu wechseln, aber es haben sich eben immer neue Türen geöffnet. Im Prinzip war es Zufall“, erzählt er.

In der Schweiz spielte er mit dem FC Basel in der Champions League gegen den FC Barcelona: „Ein absoluter Höhepunkt und ein Traum jedes Fußballers. Das werde ich immer in Erinnerung behalten.“ Zweimal war er aber auch vereinslos: „Danach weiß man es erst zu schätzen, wenn man einen Vertrag hat und in einem Stadion spielen kann.“ Auch seine letzte Station in Cottbus verlief weniger glücklich. Der Verein stieg aus der 3. Liga ab, Gjasula wollte aber in der Spielklasse bleiben. Und wechselte zum FCM.

Auf Magdeburg hat er nun seinen kompletten Fokus gerichtet. „Ich bin kein Typ, der in der Vergangenheit herumschwebt. Ich freue mich jetzt auf den FCM, das ist eine spannende Aufgabe“, betont er.

Mit 191 Zweitliga- und 16 Drittliga-Spielen auf dem Buckel gehört er zu den Erfahrenen in der jungen Magdeburger Truppe. Etwas, das auch die Erwartungen an ihn erhöht. „Der Verein hat auf der Position im zentralen Mittelfeld einen erfahrenen Spieler gesucht, natürlich soll ich da dann auch eine Führungsrolle übernehmen“, ist er sich bewusst. Und: „Das ist aber auch mein eigener Anspruch. Überall, wo ich gespielt habe, war das so.“

Während er sich nun in der 3. Liga durchbeißen wird, spielt sein Bruder Klaus mit dem SC Paderborn in der Bundesliga. Neidisch? „Nein, überhaupt nicht. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, telefonieren jeden zweiten Tag. Ich habe mich so gefreut, als ob ich selbst mit Paderborn aufgestiegen wäre“, sagt Gjasula. Ihm sei der Durchbruch etwas früher gelungen, „ich war mit 17 Jahren schon bei Freiburg im Profikader. Klaus musste erst einmal ‚unten durch‘, sich durch tiefere Ligen kämpfen. Er hat sich das hart erarbeitet. Aber dass er mit 29 Jahren noch in die Bundesliga aufsteigt, das war natürlich nicht zu erwarten“, erzählt er. Damit ist jedoch auch die Möglichkeit, dass die Gjasula-Brüder mal aufeinandertreffen, in weite Ferne gerückt: „Ich hätte gerne mal gegen ihn gespielt, das stimmt“, sagt Gjasula und grinst.

In Zukunft will er mit entsprechenden Leistungen nun dafür sorgen, dass beim Namen Gjasula in Magdeburg vor allem an einen gedacht wird: an Jürgen.

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