FCM-Zweikämpfer Erdmann mit Herz

Dennis Erdmann vom 1. FC Magdeburg ist ein Spieler, der polarisiert. Doch er hat auch eine weiche Seite, kümmert sich um soziale Projekte.

Von

Magdeburg l Dennis Erdmann ist laut. Er treibt seine Mitspieler auf dem Rasen an. Er legt sich auch mal gestenreich mit dem Gegner an. Erdmann ist ein Spieler, der geliebt wird, wenn er das Trikot der eigenen Mannschaft trägt, und der gehasst wird, wenn er für den Gegner aufläuft. Der Abwehrspieler sagt unmissverständlich: „In den 90 Minuten ist jeder Spieler, der nicht das Trikot meines Vereins trägt, mein Gegner.“

Dieser Satz umschreibt das Spiel des 28-Jährigen gut: Er ist hart im Zweikampf, der Prototyp eines Führungsspielers. Und mit seiner dominanten Körpersprache und zahlreichen Tattoos bedient er schnell das Image des Bad Boys. Mit einem Ziel: den Gegner zu beeindrucken. „Für mich sind Fußballspiele wie moderne Gladiatoren-Kämpfe. Es geht Mann gegen Mann. Jeder will den anderen besiegen“, sagt er. Und: „Wir haben jetzt fünfmal in Folge verloren. Es wird Zeit, dass der Gegner dieses Gefühl bekommt. Am besten schon am Sonntag der VfL Bochum.“

Erdmann setzt auf dem Platz alles daran, damit sich sein Gegenspieler nicht wohlfühlt. „Er darf keine Lust haben, gegen mich zu spielen. Ich will während der 90 Minuten in seinen Kopf hinein“, betont er. Dafür lotet er auch mal die Grenzen des Regelwerks aus, wenn er in den Zweikampf geht. „Manchmal tut es weh. So ist das eben. Mir ist es aber wichtig, niemanden zu verletzen.“

Ginger und Elvis sind Erdmanns Lieblinge

Das knallharte Spiel, die manchmal provozierenden Worte sind aber nur ein Teil von Dennis Erdmann. Denn was Fans und Beobachter kaum vermuten würden – es gibt auch einen anderen, einen sehr ruhigen Dennis Erdmann. Der zeigt sich nicht im Stadion oder auf dem Trainingsplatz, sondern privat. Zum Beispiel, wenn er mit seinen Hunden Ginger und Elvis unterwegs ist. Erdmann nimmt sich vor und nach den Trainingseinheiten ausgiebig Zeit für seine zwei Lieblinge. Er geht mit ihnen oft mehrere Stunden spazieren, ob es regnet oder die Sonne scheint. „Ginger und Elvis begleiten mich seit vielen Jahren. Ich habe sie überall hin mitgenommen. Sie haben mit mir im Auto bestimmt schon 200.000 Kilometer zurückgelegt“, sagt er.

Elvis wird im Dezember sechs Jahre, im Alter von sieben Monaten bekam Erdmann ihn von einer Familie, die mit der Haltung des Border Collies überfordert war. Zu dieser Zeit trug Erdmann das Trikot von Schalke 04. Ginger, ebenfalls ein Border Collie, ist mittlerweile fünf Jahre alt. Sie war sogar erst sechs Monate alt, als sie zu Erdmann kam. „Ich habe in einer Bauernzeitung gelesen, dass Ginger abgegeben werden sollte. Ich bin auf einen Hof nach Holland gefahren und habe sie gleich mitgenommen“, erzählt Erdmann.

Für ihn sind beide Hunde mehr als nur Haustiere, sie geben ihm Halt, bieten ihm einen Ausgleich zum Leben als Fußballprofi. Und sie geben die Charakterzüge von Erdmann gut wieder. „Ginger ist so wie ich auf dem Platz. Sie ist immer aktiv, manchmal etwas aggressiv, hat viel Energie. Elvis verhält sich dagegen so, wie ich privat bin. Er ist deutlich ruhiger und hat nicht so viel Mist im Kopf“, sagt er.

Dass Ginger und Elvis für Erdmann eine besondere Bedeutung haben, bekommt auch seine Frau zu spüren, die in Dresden lebt. „Wenn wir uns sehen und die Hunde bei ihr sind, frage ich zuerst, wie es Ginger und Elvis geht. Die Prioritäten sind klar verteilt“, sagt Erdmann und lacht.

Dass der FCM-Abwehrchef ein großes Herz hat, wird auch dann deutlich, wenn er über sein Engagement neben dem Rasen spricht. Erdmann ist seit kurzem Botschafter des Magdeburger Vereins „Tierisch geborgen“, der tiergestützte Therapien für kranke oder gehandicapte Kinder und Erwachsene unterstützt. „Solche Einrichtungen unterstützte ich gerne, weil dort wirklich etwas bewegt wird“, betont er. Heute übergibt er dem Verein eine Spende, an der sich die gesamte Mannschaft beteiligt hat. Auch die Einweihung eines Bolzplatzes in Magdeburg war für Erdmann eine Herzensangelegenheit. „Kinder und Tiere sind mir sehr wichtig. Ich war früher auch oft auf Bolzplätzen. Dort lernen Kinder, sich an Regeln zu halten, sich durchzusetzen und im Team zusammenzuspielen.“

Erdmann hilft gerne. Er mag die Begegnung mit Menschen. Und er mag Traditionsvereine wie den FCM. „Mir bringt es nichts, wenn ich zwar mehr verdiene, aber nur vor 2000 Zuschauern spiele. Ich brauche Emotionen“, sagt er. Und: „Das Schöne in Magdeburg ist, dass wir immer unterstützt werden, egal, was auch passiert.“

FCM-Trainer Oenning setzt auf Erdmann als Abw

Das wird wohl auch am Sonntag gegen Bochum wieder der Fall sein. Erdmann hat gute Chancen, wieder in der Startelf zu stehen. Wie Ex-Trainer Jens Härtel vertraut auch dessen Nachfolger Michael Oenning auf Erdmann als Abwehrchef, als Organisator der Dreierkette. In Rostock und im ersten Jahr in Magdeburg lief er noch vorwiegend im defensiven Mittelfeld auf. Mittlerweile scheint er in der Abwehr aber seine Bestimmung gefunden zu haben. Das sieht auch Oenning so. „Dennis ist für mich in der Abwehr wichtig, um Ordnung zu schaffen und damit er sich um den gegnerischen Mittelstürmer kümmern kann.“

Dabei ist diese Rolle für ihn nicht neu. „Ich habe früher ausschließlich in der Innenverteidigung gespielt. Ich kann auch im defensiven Mittelfeld auflaufen, glaube aber, dass ich in der Abwehr meine Stärken am besten einbringen kann.“

Mit Abwehrchef Erdmann soll gegen Bochum der erste Heimsieg her. „Wir waren zuletzt in Fürth schon die klar bessere Mannschaft. Jetzt wollen wir gegen Bochum endlich die drei Punkte holen“, sagt er.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere