Von Manuel Holscher ›

Der 1. FC Magdeburg hat gegen den HFC ein sportliches Ausrufezeichen gesetzt. Das Team legte einen enormen Teamgeist an den Tag.

Magdeburg l Der Hallesche FC setzte am Sonnabend auf Zurückhaltung, wollte vor dem brisanten Duell jeglichem Ärger aus dem Weg gehen. Das Team kam nicht wie sonst im roten Mannschaftsbus nach Magdeburg. Stattdessen fuhr die Mannschaft in einem neutralen weißen Gefährt mit sächsischem Nummernschild vor.

HFC überraschend passiv

So vorsichtig der HFC in der Vorbereitung auf das Spiel war, so überraschend passiv war die Truppe auch auf dem Rasen. Der 1. FC Magdeburg hatte den Rivalen beim 1:0-Sieg über weite Strecken im Griff. Dass es bis zum Schluss eng blieb, lag vor allem am FCM selbst. Schließlich hatte die Krämer-Truppe nach dem Führungstreffer von Sören Bertram (43.) zahlreiche gute Gelegenheiten.

Doch Dominik Ernst (49.), erneut Sören Bertram (56.) und Christian Beck (74.) vergaben allesamt – und hielten den wankenden HFC damit bis zum Schluss im Spiel. „Wir hätten unsere Chancen etwas besser ausspielen und das zweite Tor machen müssen. Dadurch hätten wir uns das Leben leichter machen können“, sagte Beck.

Christian Beck und Co. ringen Gegner nieder

So war es für den FCM in der zweiten Hälfte vor allem eine Frage des Willens, den Vorsprung zu verteidigen. Und der Club überzeugte besonders in den letzten 20 Minuten durch pure Leidenschaft, kämpfte aufopferungsvoll. Ein gutes Beispiel für die starke Moral war der Einsatz von Christian Beck in der 79. Minute: Der Kapitän sprintete zurück in die eigene Hälfte – und klärte an der Seitenlinie in der Defensive. „Vorne fängt die Verteidigung an. Ich hatte die Kraft, um nach hinten zu gehen, auch wenn die Luft danach knapp wurde. Es war aber wichtig, dass wir alle mitarbeiten“, erklärte Beck.

Der FCM hofft jetzt darauf, dass der Sieg gegen Halle der Wendepunkt einer bisher schwierigen Saison war. Es gibt mehrere Gründe, die dafür sprechen: Obwohl der Club gegen den HFC spielerische Defizite offenbare, hatte das Team trotzdem einige gute Gelegenheiten. Der FCM biss sich in die Partie, rang den Gegner durch eine Wucht nieder, die die Zuschauer lange nicht mehr gesehen hatten. Und er brachte eine Führung endlich mal über die Ziellinie.

FCM hofft auf gestiegenes Selbstvertrauen

Auch der Fakt, dass die Mannschaft den Tabellenführer geschlagen und gestürzt hat, sollte Selbstvertrauen geben. Das sah auch Kapitän Beck so: „Wir haben über 90 Minuten eine tolle Einstellung gezeigt. Das ist genau das, was wir auch in den kommenden Wochen brauchen.“

Auch HFC-Trainer Torsten Ziegner war nach der Partie beeindruckt: „Es war eine sehr intensive Partie, der FCM war in den entscheidenden Situationen immer einen Tick besser und hat deshalb am Ende verdient gewonnen.“

Ziegners Respekt drückte genau das aus, was sich sein Gegenüber Stefan Krämer immer gewünscht hatte: „Wir haben nach dem Führungstreffer nicht verwaltet, sondern weiter nach vorne gespielt. In den vergangenen Partien hatten wir Phasen, in denen wir gut waren. Das war gegen Halle deutlich länger der Fall.“

FCM bisher zu unkonstant

Doch der FCM-Coach weiß auch, dass die einziges Konstanz seiner Mannschaft in dieser Saison bisher die Unkonstanz war. So bot der Club nach den überzeugenden Heimsiegen gegen 1860 München (5:1) und Würzburg (3:0) in Jena (1:1) beziehungsweise Uerdingen (0:0) die beiden schwächsten Leistungen in dieser Saison.

Deshalb nahm Krämer seine Mannschaft nach dem Sieg gegen Halle bereits in die Pflicht: „Wir haben ein Spiel gewonnen und darüber freuen wir uns. Das entlässt uns aber nicht aus der Verantwortung, jetzt genauso beharrlich, genauso fleißig und mit der absoluten Überzeugung weiterzuarbeiten – so wie wir es in den vergangenen Wochen gemacht haben.“

Trainer Krämer will nicht euphorisch werden

Der Trainer will damit schon im Ansatz vorbeugen, dass sich eine Zufriedenheit einstellt: „Ich möchte nicht zu euphorisch sein. Als wir nicht gewonnen haben, habe ich nicht alles so schlecht gesehen. Und jetzt ist auch nicht alles gut, nur weil wir drei Punkte geholt haben.“

Aber auch Krämer hofft natürlich darauf, dass seine Mannschaft durch diesen hart erkämpften Erfolg Sicherheit und Selbstvertrauen getankt hat. „Ein dreckiger 1:0-Sieg ist immer besonders schön“, sagte auch FCM-Torhüter Morten Behrens, der in der ersten Hälfte gegen den HFC starke Paraden gegen Niklas Landgraf (16.) und Julian Guttau (27.) gezeigt hatte.

Kapitän Christian Beck brachte es schließlich auf den Punkt: „Eine gute Mannschaft sind wir, wenn wir jetzt im nächsten Spiel bei Bayern München II nachlegen.“

Dorthin wird der FCM dann sicherlich im üblichen Mannschaftsbus anreisen und nicht wie jetzt der Hallesche FC ausweichen. Verständlich, die Partie in München ist weitaus weniger brisant.

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