Von Manuel Holscher ›

Dominik Ernst, Rechtsverteidiger des 1. FC Magdeburg, spricht über die aktuellen Probleme des Clubs in der 3. Liga

Volksstimme: Herr Ernst, Sie waren nach dem schwachen Uerdingen-Auftritt angefressen, diskutierten wild gestikulierend mit Sportchef Maik Franz. Worum ging es?

Dominik Ernst: Es ging vor allem darum, dass von jedem einzelnen mehr kommen muss. Wir sind nicht ganz zufrieden, auch wenn wir zehnmal in Folge nicht verloren haben. Es ist enttäuschend, wenn man sich bewusst macht, dass wir mindestens sechs Punkte verschenkt haben, und wo wir mit diesem Punkten in der Tabelle stehen könnten.

Woran hakt es aus Ihrer Sicht?

Wir entwickeln zu wenig Wucht nach vorne. Wir müssen den Ball öfter fordern und uns viel häufiger in den gegnerischen Strafraum kombinieren, um mehr Torchancen zu erspielen. Klar ist doch, dass jeder von uns kicken kann, wir dürfen uns aber nicht nur auf einzelne Spieler verlassen. Wir sitzen alle in einem Boot und müssen an einem Strang ziehen.

Warum lässt die Mannschaft auf ein gutes Spiel oft ein schlechtes folgen?

Diese Frage stelle ich mir auch. Bis jetzt ist diese Saison eine Achterbahnfahrt. Uns fehlt die Konstanz im letzten Drittel. Defensiv kann man der gesamten Mannschaft keinen Vorwurf machen, da läuft es bislang absolut positiv, wir haben die beste Abwehr der Liga. Der Aufwand, sich den Ball zu erkämpfen, steht aber in keinem Verhältnis dazu, wie schnell wir ihn zuletzt gegen Uerdingen wieder verloren haben.

Wo muss angesetzt werden, damit es besser wird?

Ich würde mir wünschen, dass wir im Offensivspiel mehr Ideen entwickeln und alle zusammen mehr Verantwortung übernehmen. Dann erspielen wir uns auch mehr Torchancen.

Oft wirkt es fast so, dass niemand den Ball haben will.

Natürlich wollen wir den Ball haben. Es geht darum, längere Ballbesitzphasen zu kreieren und in den entscheidenden Momenten entschlossener und gieriger zu sein, um uns Lösungen zu erarbeiten. Das ging uns gegen Uerdingen leider ab.

Wie erklären Sie sich die eklatante Passschwäche des FCM gegen Uerdingen?

Normalerweise muss ein einfacher Pass beim Mitspieler ankommen. Im Training gelingt uns das auch gut. Es passte aber in der letzten Woche überhaupt nicht zusammen, was wir im Training gezeigt und danach dann in Düsseldorf auf den Rasen gebracht haben. Dabei wollen wir viel variabler spielen, die Balance finden, uns besser behaupten und positionieren. Die passenden Fußballer haben wir in der Mannschaft.

Wieso ist die Diskrepanz zwischen Training und Pflichtspiel so groß?

Gute Frage. Der Konkurrenzkampf im Training ist eigentlich gut, jeder will sich zeigen, sich für die Startelf am Wochenende empfehlen. Mich ärgert es aber, dass wir die Dominanz, die wir im Training zeigen, zu selten auch in der 3. Liga ausstrahlen. Auch daran werden wir weiter arbeiten, um es besser in den Liga-Alltag zu transportieren.

Sie sind als Rechtsverteidiger eine positive Ausnahme, laufen an der Außenlinie auf und ab, flanken häufig. Was machen Sie anders?

Wir müssen uns als Mannschaft bewerten, da geht es nicht um einzelne Akteure. Für uns alle fängt es bei den Grundtugenden wie Einsatz, Leidenschaft und Laufbereitschaft an. Wichtig ist, dass wir immer weitermachen, nicht nachlassen. Irgendwann ergibt sich eine Gelegenheit. Das versuchen wir in jedem Spiel. Wenn man mal das Spiel gegen Uerdingen betrachtet, war die Situation aber so, dass wir kaum zum Flanken kamen, weil wir uns selten freispielen konnten oder mal verlagert haben.

Im Spiel gegen Uerdingen hoben Sie in einer Szene mit dem Ball am Fuß fragend beide Arme, weil es keine Anspielstation gab. Was haben Sie sich gedacht?

Gegen Uerdingen hätte ich bei Vorstößen gerne öfter einen Doppelpass gespielt. Das fehlte etwas. Teilweise war die Abstimmung nicht gut, sodass wir nicht in verschiedene Position kamen, um gefährlich nach vorne zu spielen.

So etwas kann man aber doch trainieren.

Das machen wir auch. Zuletzt haben wir das aber nicht hundertprozentig auf den Platz bekommen. Deshalb ist es jetzt wichtig, weiter hart zu trainieren, sich zu verbessern und es dann konstant auf den Platz zu bekommen. Das sprechen wir klar an, in der Mannschaft unter uns und gemeinsam mit dem Trainer.

Während der FCM zu Hause bereits gute Leistungen zeigte, hakte es besonders in den Auswärtsspielen. Warum?

Wir gehen in jedes Spiel gleich. Wir wollen hoch anpressen, kompakt sein, Bälle schnell erobern. Das hat gegen Uerdingen leider nicht funktioniert, weil wir den Ball immer wieder schnell verloren haben.

Was muss passieren, wenn es während eines Spiels nicht läuft?

Dann müssen wir uns auf die Dinge besinnen, die gut laufen, um Schritt für Schritt in die Erfolgsspur zurückzukehren. Das geht nur, wenn wir mutig und selbstbewusst agieren.

Wer könnte das Kommando auf dem Platz übernehmen?

Wir haben im Zentrum mit Björn Rother, Thore Jacobsen oder Charles-Elie Laprevotte Spieler, die mit ihrer Mentalität vorne wegmarschieren. Ein Mann für die Kommandos wäre zum Beispiel Jürgen Gjasula, der uns auf jeder Position mit seiner Erfahrung helfen kann. Das hat man auch gegen Uerdingen gesehen, als er reinkam.

Wie gelegen kommt jetzt die Länderspielpause?

Eigentlich möchte man als Spieler am liebsten sofort wieder raus auf den Platz und in der Liga weitermachen. Ich denke aber, dass uns diese zwei Wochen jetzt guttun werden, weil wir konsequent an den genannten Themen arbeiten können. Wir wollen unser Offensivspiel verbessern und endlich mehr Siege holen. Auch das Landespokalspiel am Sonnabend in Rathenow gegen Warnau nehmen wir sehr ernst und wollen uns gut präsentieren.

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