Von Manuel Holscher ›

Den Heimsieg gegen 1860 München hat sich der 1. FC Magdeburg auch mit dem Wechsel des Spielsystems verdient.

Magdeburg l Stefan Krämer mag keine halben Sachen. Wenn sich der Coach des 1. FC Magdeburg mit seinen Co-Trainern auf ein Spiel vorbereitet, nimmt das häufig mehrere Stunden in Anspruch. „Ich finde es sehr spannend, mir das Video des eigenen Spiels und das des Gegners genau anzugucken. Ich stoppe dann sehr oft, seziere es geradezu“, erzählt Krämer.

FCM-Taktik geht voll auf

Besonders viel Spaß dürfte ihm die Analyse des 5:1 gegen 1860 München gemacht haben. Denn: „Wir haben genau die richtige Taktik für diesen Gegner gefunden.“ Mit dem Wechsel vom 4-2-3-1-System, das in Chemnitz beim 0:0 nur bedingt funktioniert hatte, auf ein 4-4-2 mit Raute zog der FCM den Löwen den Zahn, nutzte die Schwächen auf der linken Defensivseite des Gegners aus. Oder anders: Mit Herz und Raute rang das Team den Gegner nicht nur kämpferisch nieder, sondern setzte auch spielerische Akzente.

Läuferisch gute Spieler

Klar ist: Für die Raute braucht eine Mannschaft Mittelfeldspieler, die technisch und kämpferisch stark sind, weil in diesem System Laufstärke und Passsicherheit gefragt sind. Und mit Mario Kvesic, Rico Preißinger, Thore Jacobsen, Charles Elie Laprévotte und Björn Rother hat der Club genau solche Spielertypen im Team. „Deshalb ist das 4-4-2 mit Raute für uns natürlich ein interessantes System“, sagt Krämer.

Gegen die Löwen ging die Taktik auf: Der FCM war im Zentrum sehr präsent, variierte aus der Defensive heraus häufig mit langen Bällen auf die Außenpositionen. Dass gleich zwei Treffern ein langer Diagonalball von Innenverteidiger Tobias Müller vorausging, war deshalb kein Zufall. Im Gegenteil: „Die Spielverlagerung und die folgenden Flanken in die Mitte waren ein Schwerpunkt im Training.“

Krämer sieht auch Nachteile

Auch wenn die Mittelfeld-Raute gegen München richtig gut funktionierte, sieht der Trainer aber einige Nachteile. „Dieses System ist sehr auf den eigenen Ballbesitz abgestimmt. Es ist außerdem zentrums-orientiert. Durch die weiten Laufwege der Mittelfeldspieler können wir kein optimales Pressing spielen.“

Die nächste Entwicklungsstufe wäre demnach ein 4-4-2 mit Raute bei Ballbesitz – und ein flaches 4-4-2 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern sowie jeweils einem auf der Außenposition, wenn der Club den Ball nicht hat. Diese Variante testete Krämer bereits in der zweiten Halbzeit gegen München, sie kommt vor allem schnellen Außenspielern wie Sirlord Conteh, Manfred Osei Kwadwo, Tarek Chahed, Marcel Costly und Leon Bell Bell entgegen.

FCM kann mehrere Systeme

Sein Team sei auf einem guten Weg, könne bereits viele Systeme spielen: ob 4-4-2, 3-5-2, 4-2-3-1 oder 4-4-3. „Das ist eine Qualität, die nicht selbstverständlich ist, weil wir ja noch nicht so lange zusammen sind“, sagt Krämer.

Die Basis bleibe aber weiterhin das 4-2-3-1, weil dieses System eigentlich fast immer funktioniere. „Ich bin grundsätzlich ein Freund der ,Wenn-dann-Strategie‘. Wir brauchen verschiedene Pläne, die zu den entsprechenden Situation passen“, erklärt der 52-Jährige.

Heißt: Wenn die Mannschaft in Führung liegt, dann stellt sie beispielsweise auf eine Konterstrategie um. Oder wenn sie in Rückstand gerät, dann folgt eine offensivere Umstellung.

Flexibilität ist wichtig

Es ist ein schmaler Grat: Bei aller Flexibilität dürfen Umstellungen natürlich nicht dazu führen, dass das eigene Team verwirrt wird. „Ich halte nichts davon, alle paar Minuten das System anzupassen und Zettel auf das Spielfeld zu reichen. Das machen manche Trainer, für mich ist das aber nur Show“, sagt Krämer. Denn: „Wir dürfen bei aller Theorie aber nicht außer Acht lassen, dass Fußball von Menschen gespielt wird. Und Menschen machen Fehler. Das wird sich nie ganz verhindern lassen.“

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