FCM-Torhüter Brunst kämpft immer weiter

Für Alexander Brunst, Torhüter des 1. FC Magdeburg, schien eine Karriere als Profi aussichtslos zu sein. Doch er gab nicht auf.

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Magdeburg l Die Narbe ist nur auf den zweiten Blick zu sehen. Man muss Alexander Brunst schon genau ansehen, um sie über dem rechten Auge auszumachen. Doch den Torhüter des 1. FC Magdeburg erinnert sie bis heute an ein schlimmes Erlebnis aus seiner Kindheit. Die Narbe hält die Erinnerung präsent, die Gedanken an einen Unfall, als er vier Jahre alt war.

Brunst fiel damals in einem Schwimmbad aus einer Wasserrutsche. „Ich hatte sogar noch Glück, bin nur einen halben Meter neben einem Zaun aufgeschlagen. Fast hätte ich den Unfall nicht überlebt. Auch mein Augenlicht stand auf dem Spiel“, erzählt er.

FCM-Torwart ist ein Kämpfer

Über den Unfall wurde damals sogar in der örtlichen Zeitung berichtet. „Die Verantwortlichen des Schwimmbades haben sich richtig übel benommen“, berichtet Brunst. „Die haben uns eine Rechnung für die Handtücher geschickt, die voll mit meinem Blut waren. Wir haben Unterschriften gesammelt, damit die Rutsche abgerissen wird. Das hat auch geklappt.“

Alexander Brunst ist heute Stammtorhüter des FCM. Er hat sich seinen Platz trotz Widerständen erkämpft. Und Geschichten wie jener Unfall erklären, wie der heute 23-Jährige so ein Kämpfer wurde. Denn dieses traumatische Erlebnis steckte Brunst nicht so leicht weg. „Ich hatte große Verlustängste, konnte nicht allein sein“, berichtet er.

Und er hatte mit noch mehr Problemen umzugehen. „Ich hatte eine Lese- und Rechtschreibschwäche, außerdem wurden bei mir motorische Störungen diagnostiziert, als ich sechs Jahre alt war.“ Unglaublich: „Ich konnte nicht mal einen Ball fangen.“

Karriere als Profi schien aussichtslos

Eine Karriere als Fußballprofi, vor allem als Torhüter, schien somit aussichtslos zu sein. Doch Brunst ließ sich nicht unterkriegen. „Ich war ein halbes Jahr lang in einer Extra-Klasse mit Kindern, die ähnliche Schwierigkeiten hatten. Mit der Hilfe meiner Eltern, die mir bis heute immer zur Seite stehen, habe ich es in den Griff bekommen.“

An den motorischen Störungen arbeitete er geduldig mit Physiotherapeuten. Durch regelmäßiges Training und Behandlungen bekam er die Probleme nach zwei Jahren in den Griff. „In meinem Umfeld dachte zu dieser Zeit niemand daran, dass ich Profi werden würde. Zunächst spielte ich auch im Feld. Da ich aber zu lauffaul war, ging ich ins Tor.“ Dass er aber Talent und den notwendigen Biss hat, wurde schnell klar. Wieder kämpfte er sich durch, stach bei einem Einladungs-Lehrgang hervor und ging 2008 von seinem Heimatverein TSV Gadeland zum HSV.

Die Leidenschaft für das Tor ließ ihn nicht mehr los. Das lag auch an Oliver Kahn, den er sehr bewundert. „Das erste Spiel, das ich von Oliver Kahn sah, war das Champions-League-Finale 2001 zwischen dem FC Bayern München und dem FC Valencia. Ich war von Kahns Paraden im Elfmeterschießen und seinem Ehrgeiz gepackt“, schwärmt Brunst.

Sich als Nummer eins beim FCM etablieren

In den folgenden Jahren trug er bei jeder Gelegenheit ein Kahn-Trikot des FC Bayern. „Das ging in der Jugend noch“, sagt er und schmunzelt.

Sein Selbstvertrauen kommt ihm zugute, wenn es mal nicht läuft, wenn der Torhüter mal einen Fehler macht. „Mich wirft so schnell nichts um“, betont Brunst, der sportlich hohe Ziele hat und diese auch klar äußert: „Ich will mich jetzt als Nummer eins etablieren, mit dem FCM den Klassenerhalt schaffen und mich persönlich und sportlich weiterentwickeln.“

Als Torhüter „bisschen bekloppt“

Schon während seiner Zeit beim Hamburger SV, für den er sieben Jahre lang von 2008 bis 2015 spielte, war er für seinen Ehrgeiz und seine Furchtlosigkeit bekannt. „Ich bin schon ein bisschen bekloppt. Ich habe keine Angst vor dem Ball, schmeiße mich immer rein. Gerne auch, wenn ein Spieler aus drei Metern voll abzieht“, sagt er.

Als der FCM kürzlich in einem Test auf den VfL Wolfsburg traf, erinnerte sich selbst VfL-Trainer Bruno Labbadia, der von April 2015 bis September 2016 HSV-Coach war, an ihn. „Er freute sich, dass ich jetzt in der 2. Liga spiele. Dass er mich nicht vergessen hat, zeigt mir, dass ich damals gut gearbeitet habe, obwohl ich noch so jung war. Die Zeit beim HSV hat mich geprägt“, erzählt Brunst.

Motto: „Arbeit schlägt Talent“

Dass es Brunst so weit geschafft hat, bestätigt ihn in seinem Motto: „Harte Arbeit schlägt immer das Talent.“ Diesen Satz hat ihm sein früherer Torwarttrainer Stefan Wächter beim HSV im Jahr 2014 gesagt. „Da hat es bei mir klick gemacht. Ich kämpfe und arbeite sehr hart und bin dafür bisher immer belohnt worden.“

Neben dem Platz gibt ihm seine Familie Kraft sowie Freundin Lena, mit der er in Magdeburg zusammen wohnt. „Lena ist Physiotherapeutin. Ich bewundere ihre Leidenschaft für den Job, wie sie anderen Menschen hilft.“

Brunst trifft auf Ex-Verein HSV

Am Freitag trifft Brunst mit dem FCM auf seinen Ex-Verein HSV. „Es ist gefühlt wie ein Pokalspiel. Wir sind klarer Außenseiter, aber der HSV hat viel Druck. Nach dem Trainerwechsel wissen wir zwar nicht genau, wie sie auflaufen werden. So eine Veränderung kann den HSV aber auch hemmen. Es wäre der Hammer, wenn wir gegen meinen Ex-Verein gewinnen würden.“

Nach dem Spiel hat er es auf ein ganz bestimmtes Andenken abgesehen. „Ich würde gerne mit Torhüter Julian Pollersbeck das Trikot tauschen. Oder mit Lewis Holtby, mit dem habe ich noch zusammengespielt“, sagt Brunst. Das würde sicherlich auch seine Mutter freuen. „Ich telefoniere ein-, zweimal pro Woche mit meinen Eltern. Meine Mutter ist HSV-Fan, ich bin ihr Hamburger Jung. Jetzt macht sie aber sicher eine Ausnahme und drückt mir und dem FCM die Daumen.“

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