Mit Dennis Erdmann hat Drittligist 1. FC Magdeburg einen Spieler verpflichtet, dem viele Vorurteile vorauseilen.

Von
Manuel Holscher

Magdeburg l Ob Bad Boy oder Sammler von Gelben Karten – über Dennis Erdmann kursieren viele Geschichten. Bundesweit erlangte er Bekanntheit, als er am 3. März 2015 im Trikot von Dynamo Dresden im DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund abseits des Spielgeschehens Marco Reus foulte und die Aktion im Anschluss verharmloste. „Ich werde heute noch immer wieder auf die Aktion angesprochen. Bevor mein Wechsel zum FCM feststand, gab es Vereine aus England, die Interesse hatten. Auch in diesen Gesprächen wurde die Reus-Sache thematisiert“, sagt Erdmann, der sich für seine Aussagen nach dem Foul öffentlich entschuldigte. „Ich habe damals viel Lehrgeld bezahlt und war auch noch etwas jünger. Mittlerweile liegt viel Zeit dazwischen.“

Reus hat sich nie gemeldet

Zur Reus-Sache gibt es aber noch eine Anekdote: Zu Weihnachten ließ Erdmann dem Dortmunder mal ein Paket mit einer Jacke seiner Modekollektion, die er zu Rostocker Zeiten mit einem Modelabel auf den Markt brachte, zukommen. „Ich dachte, er freut sich vielleicht darüber und trägt die Klamotten sogar“, so Erdmann. Eine Reaktion von Reus bekam er allerdings nicht.

In Magdeburg hat sich Erdmann bereits gut eingelebt. „Ich habe gleich zu Beginn viel mit meinen neuen Mannschaftskollegen gesprochen. Jetzt bin ich voll drin“, sagt „Erde“, wie er genannt wird. Beim FCM unterschrieb er einen Ein-Jahres-Vertrag. „Ich denke, dass das für beide Seiten eine gute Konstellation ist. Ich versuche, mich in dem Jahr voll einzusetzen und das zu bringen, was ich auch bei meinen anderen Vereinen gebracht habe“, sagt der 26-Jährige. „Ich möchte im Training Vollgas geben und lautstark mitbestimmen. Das ist mein Ding. In der neuen Saison wollen wir so schnell wie möglich 45 Punkte holen.“

Eine besondere Bedeutung hat für Erdmann das Trikot mit der Nummer 13, das er bereits in Rostock getragen hatte und auch jetzt beim FCM bekommen hat. Während seiner Zeit bei Dynamo Dresden (Saison 2014/15) hatte Torhüter Benjamin Kirsten, Sohn von Stürmer Ulf Kirsten, diese Nummer. „Benjamin war in Dresden sehr wichtig für mich und hat mir viel geholfen. Für mich war wichtig, dass ich, wenn ich zu einem anderen Verein gehe, ein gutes Gefühl auf dem Rücken habe. Das habe ich mit der 13, die mich auch an Benjamin und die Zeit in Dresden erinnert“, betont Erdmann.

Neben dem Platz ein anderer Erdmann

Eine spezielle Rolle spielen für ihn auch Traditionsvereine, besonders im Osten Deutschlands. Von 2012 bis 2014 schnürte der Defensivspieler seine Fußballschuhe für die zweite Mannschaft des FC Schalke 04, über Dynamo Dresden ging es dann zum FC Hansa Rostock (2015 bis 2017) und jetzt zum FCM. „Hier im Osten wird der Fußball ganz anders gelebt als woanders. Das möchte ich so lange wie möglich erleben. Für mich gibt es nichts Schöneres, als im Osten Fußball zu spielen. Ich habe es lieben gelernt. Ich hätte nach England oder irgendwo in die Provinz gehen und mir die Taschen vollmachen können. Aber der Anreiz, beim FCM zu spielen, war wesentlich höher“, sagt Erdmann.

Entgegen anderen Behauptungen, dass er seine bisherigen Vereine im Groll verlassen hätte, betont der Spieler mit der Rückennummer 13, dass das Verhältnis zu den Ex-Vereinen und vielen Ex-Spielern noch gut sei. „Auch wenn die Fans sich vielleicht untereinander nicht mögen, kann ich für mich nur sagen, dass Dynamo Dresden, Hansa Rostock und der FCM große Namen sind. Es macht mich stolz, diese Trikots zu tragen oder getragen zu haben“, so Erdmann. „Ich habe nicht bereut, von Dresden nach Rostock oder jetzt nach Magdeburg zu gehen. Ich bin so, wie ich bin, und das honorieren die Fans. Wenn einer sagt, der Erdmann ist ein Idiot und Tausend mich aber gut finden, was interessiert mich dann der eine.“

Neben dem Platz gibt sich Erdmann unterdessen ganz anders als auf dem Rasen. „Wenn ich auf und neben dem Platz gleich wäre, dann wäre die Sache klar. Grundsätzlich bin ich neben dem Platz aber zu jedem nett und höflich, außer, wenn mein Gegenüber mir blöd kommt.“

Es kracht schon mal

Kritische Worte findet Erdmann zum Fußball-Business: „Es ist schwierig. Die Menschen wollen immer mehr. Manche vergessen, dass Fußball ein Spiel ist. Es wird immer schnelllebiger. Wenn man drei Spieltage gut drauf ist, ist man der Held. Das kann sich aber genauso schnell drehen. Es wird immer mehr Geld generiert. Vieles ist oberflächlich, es geht oft nur um Autos, Häuser und sonstige materielle Sachen. Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe.“

Auch wenn Fußball in erster Linie ein Spiel ist, wenn Erdmann auf dem Rasen steht, kracht es auch mal. „Ich sehe mich als Gladiator, der gegen einen anderen Gladiator kämpft. Ich muss sehen, dass ich mich durchsetze. Blessuren gehören dazu. Das sind die Spielregeln, die ich für mich ausgemacht habe“, sagt er. Am 25. November 2016 bekam der in Frechen bei Köln geborene Erdmann zu spüren, wie sehr der Sport schmerzen kann. Beim 1:1 in Wiesbaden traf ihn ein Gegenspieler mit dem Fuß im Gesicht. Erdmann zog sich einen siebenfachen Nasenbeinbruch sowie eine Quetschung des Augennervs zu und wurde blutüberströmt ausgewechselt.

Positionstechnisch ist er flexibel, ob im defensiven Mittelfeld oder in der Verteidigung. „Ich spiele da, wo mich der Trainer braucht. Für mich gibt es nicht Schöneres, als mit der Mannschaft zu gewinnen. Ich gebe dem Team alles, was ich habe“, betont Erdmann. „Ich will in Magdeburg Führungsspieler sein, so wie ich es auch bei meinen Ex-Vereinen war. Und mit Leistungen vorangehen, habe einen hohen Anspruch an mich und meine Mitspieler. Da gibt es nichts drumherumzureden.“

Rüpel-Vorwurf unbegründet

Von dem Vorwurf, dass er ein Rüpel sei, hält er überhaupt nichts. In der vergangenen Saison kassierte er 15 Gelbe Karten in 32 Partien. „Zwei Verwarnungen habe ich bekommen, weil ich gemeckert habe. Acht bis neun waren wegen taktischer Fouls. So etwas passiert auf meiner Position. Ich habe in meiner Karriere aber kaum Platzverweise bekommen“, zählt er auf. „Wenn meine Mutter in der Zeitung liest, ich sei ein Rüpel, und ich dann zu Hause durch die Tür komme, merkt sie gleich wieder, dass sie mich gut erzogen hat. Ich bin dann natürlich nett und höflich. Mir ist egal, was andere Leute sagen. Ich ecke links an, ich ecke rechts an, vom Herzen bin ich aber geradeaus.“

Hinweis: Am Sonnabend, 1. Juli, reist Erdmann mit dem FCM nach Fürstenwalde, wo ab 14 Uhr im Friesenstadion ein Doppeltest gegen Gastgeber Union sowie Viktoria Berlin (16 Uhr) steigt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere