Autor: Thomas Juschus & Michael Bocl

Streit um Kartenkontingent für Rostock-Fans / Nach Protesten rudert der Verein zurück

Der 1. FC Magdeburg hat für das Spiel gegen Hansa Rostock einen Ausschluss der Gästefans beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) vorgeschlagen und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Politik will sich einschalten. Am späten Abend ruderte der Verein zurück.

Magdeburg l Am Donnerstag ist der FCM Thema im Magdeburger Stadtrat. Dennis Jannack (Die Linke/Gartenpartei) will wissen, wie sich die Stadt zum Ausschluss der Hansa-Rostock-Fans beim Ost-Derby in der MDCC-Arena positioniert. Vor Jannacks Antrag war am Montagabend bekanntgeworden, dass der Drittligist, die Stadt und die Polizei sich für die Partie am 5. März „aufgrund von Sicherheitsbedenken und Gefahrenprognosen“ für einen Gäste-Ausschluss ausgesprochen hatten. „Es ist gemeinsame Linie, so zu verfahren“, bestätigte Mike von Hoff, Sprecher der Polizeidirektion Nord in Magdeburg.

Nach Angaben von Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) war zunächst vorgesehen, das Rostocker Kontingent auf 700 Tickets zu begrenzen. Die Rostocker hätten sich „gewaltig aufgeregt“. Danach habe es Hinweise gegeben, dass die Rostocker jetzt erst recht mit vielen Fans anreisen wollten. Daraufhin habe die Polizei empfohlen, überhaupt keine Karten mehr zur Verfügung zu stellen, „damit das nicht eskaliert“, sagte Stahlknecht.

Der FCM informierte am Dienstag den DFB. Normalerweise stehen den Gästefans zehn Prozent des Kartenkontingents zur Verfügung. „Die Sicherheitsrichtlinien lassen korrigierende Maßnahmen zu“, sagte DFB-Sprecher Jochen Breideband. Der Verband ist aber nur informativ eingebunden. Die Entscheidung läge beim Veranstalter, also dem FCM. Sprecher Norman Seidler sprach am Vormittag von einem „Vorschlag der Polizei“. Im Laufe des Tages war die Pressestelle für Nachfragen nicht mehr erreichbar.

Am Abend ruderte der Club überraschend zurück. „Der FCM hat sich entschieden, dem FC Hansa das maximal mögliche Kontingent von 700 personalisierten Karten zur Verfügung zu stellen“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Nach Veröffentlichung der Pläne durch die Fanszene Rostock e. V. war es in den sozialen Netzwerken zu einer Art Verbrüderung der Fan-Lager gekommen. „In jedem Falle werden wir alles daransetzen, über unser Netzwerk eine adäquate Anzahl an Karten für die Heimbereiche zu organisieren, um diese anschließend Hansa Rostock zur Verfügung zu stellen“, kündigte Block U via Internet an.

Martin Bergmann vom Fanrat Magdeburg e. V. zeigte sich „massiv schockiert“. „Wir fordern die sofortige Durchführung eines Fanausschusses noch vor dem Spiel gegen Hansa Rostock. Der Verein hat hier eine Grenze überschritten. Es besteht daher massiver Redebedarf“, erklärte der Fanrat.

Der FC Hansa sagte seinen Fans Unterstützung zu, bezeichnete die Pläne als „ungeheuerlichen und inakzeptablen Vorgang“. Die Fanszene kündigte eine Demonstration für den 5. März in Magdeburg an.

Im Hinspiel Ende September in Rostock (1:1) war es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Beide Vereine wurden daraufhin zu hohen Geldstrafen verurteilt.

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