Kirchhoff kickte für Mainz, Bayern, Schalke, in England und nun Magdeburg. Er kennt auch die Schattenseiten des Fußballgeschäfts.

Novo Sancti Petri l Wenn Jan Kirchhoff in den wolkenlosen Himmel des südspanischen Novo Sancti Petri blickt, dann huscht ihm ein Lächeln übers Gesicht. Kirchhoff freut sich, dass er nach sechs Monaten ohne Fußball wieder mittendrin ist. Dass er mit dem 1. FC Magdeburg im Trainingslager klare Ziele hat. Und dass er wieder eine wichtige Rolle einnehmen soll.

Das gute Wetter und die positiven Gedanken versucht er für sich einzufangen. Dieses Verhalten ist kein Zufall: Kirchhoff hat in seiner Karriere auch die Schattenseiten des Fußballs kennengelernt. Beim FC Bayern München, dem FC Schalke 04 und AFC Sunderland warfen ihn Verletzungen zurück. „Ich habe dadurch gelernt, dass ich auf meinen Körper wirklich aufpassen muss“, erzählt er.

Kirchhoff: Spieler werden verheizt

Kirchhoff hat das Gefühl, dass im Fußball zu wenig auf die Sportler achtgegeben wird. „Die Spieler werden manchmal verheizt“, stellt er klar. „Es ist ja richtig und wichtig, dass sich Spieler in den Dienst der Mannschaft stellen. Das persönliche Wohl eines Sportlers wird aber zu häufig in den Hintergrund gestellt. Manche werden so in Verletzungen hineingetrieben, weil sie keine Zeit haben, ihren Körper auf die Belastungen vorzubereiten. Das hat auch mir in meiner Karriere geschadet.“

In der schnelllebigen Zeit des Fußballs bleibt oft kaum Zeit zum Auskurieren von Verletzungen. Zuletzt bei den Bolton Wanderers, wo Kirchhoff in der Rückrunde der vergangenen Saison spielte, bekam auch er das zu spüren. „Ich musste dort weg. Das war nicht gesund für mich.“ Zu oft musste er dort alle drei Tage auflaufen – und das, obwohl er eigentlich auch mal Zeit zum Regenerieren gebraucht hätte.

Schwierige Zeit bei Schalke

Auch beim FC Schalke 04 hatte Kirchhoff eine schwierige Zeit. Dorthin wurde er im Winter 2014 für eineinhalb Jahre ausgeliehen, verletzte sich aber kurz nach seiner Ankunft im Trainingslager. „Das war vor allem mental eine harte Zeit. Es gab sehr viel Druck von außen durch die Fans. Es war deshalb nicht angenehm, im eigenen Stadion zu spielen. Das war bedrückend“, sagt Kirchhoff. Diese Erfahrung hat ihn in einer Einschätzung bestärkt. „Ich bin davon überzeugt, dass im Fußball 80 Prozent Können zählt. Bei den restlichen 20 Prozent geht es darum, ob Spieler mit dem Druck umgehen können.“

Kirchhoff bewundert Pep Guardiola

Im Umgang mit Verletzungen und Rückschlägen haben seine jeweiligen Trainer für ihn eine ganz entscheidende Rolle gespielt. Und Kirchhoff hat unter klangvollen Namen wie Thomas Tuchel in Mainz und Pep Guardiola beim FC Bayern München trainiert.

Besonders Guardiola, der 2013 zeitgleich mit Kirchhoff nach München kam, hat es ihm angetan. „Pep ist als Trainer herausragend. Die Art, wie er mit seinen Spielern umgeht, ist besonders“, sagt er. Guardiola habe viel mit ihm gesprochen, ihm durch sein Denken vom Fußball ganz neue Perspektiven aufgezeigt. „Für mich ist er der beste Trainer der Welt. Er hat das Spiel neu gestaltet. Ich kann jedem nur empfehlen, sich die Spiele und das Training von ihm anzugucken. Das ist im Grunde wie Bildung, wenn man in diesem Bereich tätig ist.“

Was Kirchhoff meint: Der Spanier hat als Trainer ganz neue Ideen in den Weltfußball eingebracht, die für viele Mannschaften zum Standard wurden. Er hat das Ballbesitzspiel, das berühmte Tiki-Taka, etabliert.

Präzise Pässe sollen FCM helfen

Von Guardiola profitiert Kirchhoff bis heute. Er ist am Ball handlungsschnell, seine Pässe sind sauber und kommen genau zum Mann. „Pep hat einfach Standards gesetzt“, schwärmt der 1,95-Meter-Hüne.

Die Jahre beim FC Bayern haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Die Zeit in München war beeindruckend. Sicherlich hatte ich auch dort meine Probleme, die als junger Sportler und als Mensch herausfordernd waren. Es war trotzdem eine tolle Lebenserfahrung“, sagt er. Und: „Die Basis, die ich dort in Bezug auf Spielverständnis und Trainingsgestaltung gelegt habe, wird mir mein ganzes Leben helfen.“

Kirchhoff will selbst mal Trainer werden

Wenn Kirchhoff über Fußball, über Taktik spricht, klingt er selbst fast schon wie ein Trainer. Der 28-Jährige hat für sich sogar schon eine Entscheidung getroffen. „Ich kann mir gut vorstellen, mich als Trainer auszuprobieren. Ich will alle dafür notwendigen Scheine machen und sehen, wohin es mich bringt. Das ist schon jetzt in meinem Hinterkopf.“

Zunächst will er jetzt aber beim FCM noch mal als Spieler auf dem Rasen wissen. „Der Hauptgrund, weshalb ich mich für Magdeburg entschieden habe, war das Führungsteam. Ich hatte richtig gute Gespräche mit Geschäftsführer Mario Kallnik, Sportchef Maik Franz und Trainer Michael Oenning“, betont Kirchhoff.

Wieder ist es der Trainer, der eine entscheidende Rolle spielt. „Mir gefällt der pädagogische Ansatz von Michael Oenning. Ich habe hier das Gefühl, dass mir die Zeit gegeben wird, richtig fit zu werden. Das war mir nach den gemachten Erfahrungen sehr wichtig“, sagt er. Und: „Ich will wieder Spaß haben am Fußballspielen.“

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