Marius Sowislo ist seit Jahren einer der prägenden Spieler des Drittligisten 1. FC Magdeburg. Nach dieser Saison hört er aber auf.

Von
Manuel Holscher

Magdeburg l Der Kapitän trägt seit 2012 das FCM-Trikot und stieg mit dem Verein in die 3. Liga auf. Im Exklusiv-Interview mit der Volksstimme kündigt der 35-Jährige jetzt sein Karriereende an, spricht über seinen Traum von einem perfekten Abschied und die Zeit nach dem Fußball.

Volksstimme: Herr Sowislo, am Saisonende läuft Ihr Vertrag aus. Wie geht es weiter?

Marius Sowislo: Ich hatte zunächst mit dem Trainer ein Gespräch und habe dann Geschäftsführer Mario Kallnik und die Mannschaft informiert. Dabei habe ich mitgeteilt, dass es meine letzte Saison als Fußballer beim FCM sein wird. Ich höre nach dieser Saison auf und hänge die Schuhe an den Nagel.

Warum beenden Sie Ihre Karriere?

In dieser Saison habe ich gemerkt, dass es eine andere Situation ist, wenn man nicht spielt. Ich bin jetzt in einem Alter, in dem man sich Gedanken über die Zukunft machen muss. Ich kann der Mannschaft in dieser Saison auf und neben dem Rasen noch viel geben. Darüber hinaus wird es schwieriger. Deshalb habe ich mir gesagt, dass ich mir selber nicht gerecht werde, wenn ich nur noch auf der Bank oder Tribüne sitzen sollte. Ich bin immer vorangegangen und habe die Leute mitgezogen. Ich möchte nicht, dass mich mal jemand mitziehen muss.

Wann haben Sie diesen Entschluss gefasst?

Die Gedanken hatte ich mir schon länger gemacht. Wann genau der Entschluss fiel, lässt sich nur schwer sagen. In dieser Saison war dann ausschlaggebend, dass ich gespürt habe, dass ich nicht mehr so oft gebraucht werde. Das Gefühl war zwischenzeitlich da, dass ich sportlich vielleicht nicht immer das erreichen kann, was von mir erwartet wird. Obwohl meine Leistungen über weite Strecken noch völlig in Ordnung waren.

Wie lief der Austausch mit Trainer Jens Härtel?

Mir war nach der letzten Vertragsverlängerung vor einem Jahr bewusst, dass es jetzt mein letztes Jahr sein könnte. Ich hatte offene Gespräche mit dem Trainer, was er von mir hält, ob er auf mich setzt. Dieser Austausch war sehr positiv und ehrlich. Er hat mir klar gesagt, dass meine Einsatzzeiten geringer werden könnten – aufgrund des Alters, der Leistungen und der Neuzugänge. Es war ja nie in Stein gemeißelt, dass ich immer spiele, nur weil ich die Kapitänsbinde trage. Er hat mir jetzt nach meiner Entscheidung gesagt, dass ich stolz auf das sein kann, was ich hier bewegt habe. Mir war es wichtig, dass er diese Entscheidung als Erster nach meiner Familie erfahren hatte. Das hatte er sich verdient, weil wir immer ehrlich miteinander umgegangen sind.

Wie haben Geschäftsführer Mario Kallnik und die Mannschaft auf Ihre Entscheidung reagiert?

Mario war schon etwas überrascht, dass der Entschluss jetzt von mir kam. Er hatte immer noch im Ohr, dass ich eigentlich länger spielen möchte. Das hatte sich aber jetzt eben geändert. Die Jungs haben meine Entscheidung respektiert. Sie wissen, dass ich nichts dem Zufall überlasse und gerne die Fäden selbst in der Hand habe.

In dieser Saison haben Ihre Mitspieler auffällig oft betont, wie wichtig Sie für das Team sind. Was bedeuten Ihnen solche Worte?

Das macht mich stolz. Gerade mit den Älteren wie Christian Beck, Felix Schiller und Christopher Handke habe ich viel zusammen erlebt. Wir haben gemeinsam den Aufstieg geschafft und etwas mit dem Verein bewegt. Es ist schön, so etwas von den Jungs zu hören, weil es mir zeigt, dass ich auf eine gewisse Weise einiges richtig gemacht habe. Ich war immer authentisch und immer nah an der Mannschaft, egal, ob die Mitspieler älter oder jünger sind. Ich habe versucht, für jeden da zu sein und hatte immer ein offenes Ohr. Ich habe beim FCM etwas gefunden, das mich auch selber ausgefüllt hat. Das hat mich geprägt, und ich werde immer mit einem Lächeln zurückblicken. Das ist nicht selbstverständlich.

Sind Sie mit Ihrer Karriere zufrieden?

Für mich selber kann es gar nicht mehr besser werden, als es jetzt ist. Es kann noch mal ein richtig gutes Jahr werden mit dem Aufstieg als Krönung. Es ist schön zu sehen, wie sich der Club in den vergangenen Jahren entwickelt hat, dass die Leute Lust auf den Verein haben. Es macht mich stolz, ein Teil von dieser Entwicklung zu sein. Ich habe auch noch die schlechten Zeiten miterlebt, als die Menschen nur wenig Vertrauen in die Mannschaft und den Verein hatten, weil es sportlich nicht lief. Es ist schön, dass wir es geschafft haben, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Es war toll, dass wir im ersten Jahr mit dem Gewinn des Landespokals ein erstes Zeichen setzen konnten. Wir haben dann jedes Jahr wieder einzelne Erfolge gefeiert und das Fundament für die heutige Zeit geschaffen.

Was verstehen Sie unter der Magdeburger DNA?

Es geht darum, Werte zu leben und weiterzugeben. Wir haben uns damals auf die Fahne geschrieben, immer bescheiden zu bleiben und für die Fans da zu sein. Die Leute sollen nicht denken, dass wir arrogante Fußballer sind. Es geht darum, die Leute mitzunehmen. Ich hoffe, dass diese Werte auch in den kommenden Jahren so weitergelebt werden.

Was werden Sie vermissen?

Das ist jetzt schwer zu sagen. Ich denke aber schon, dass es das Gequatsche in der Kabine ist. Dieses Wir-Gefühl, für- einander einzustehen ist etwas Besonderes. Wenn man während der Sommer- und Winter-Vorbereitung, wo jeder mit sich selber zu kämpfen hat, trotzdem zu einer Mannschaft zusammenfindet, ist das eine tolle Sache. Es wird schon eine Umstellung sein, weil jetzt alles auf Training und die Spiele ausgerichtet ist. Ich freue mich aber auf geregelte Wochenenden mit der Familie.

Sie wurden in Polen geboren und wuchsen in Westfalen auf. Welchen Stellenwert hat die Stadt Magdeburg für Sie?

Magdeburg hat mein Leben komplett verändert, mein persönliches Leben und das meiner Frau Julia. Sportlich hat es für mich wunderbar gepasst, darüber hinaus kam im Aufstiegsjahr unsere Tochter Daria zur Welt. Ich erinnere mich noch daran, dass meine Frau mit einem dicken Bauch auf dem Balkon war und den Aufstieg gefeiert hat. Ich habe die Stadt sehr ins Herz geschlossen.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Wenn man 14 Jahre alles für den Fußball gegeben hat, ist das natürlich ein harter Schritt, damit aufzuhören. Es gibt aber auch ein Leben nach dem Sport, und es ist jetzt ein Prozess gewesen, der langsam gereift ist. Viele Bausteine sind zusammengekommen. Dafür habe ich bereits viele Jahre gearbeitet und freue mich auf das, was kommt. Seit 2014 habe ich mein Sportlernetzwerk, das ich jetzt weiter ausbauen möchte.

Wie steht es mit einer Karriere nach der Karriere beim FCM?

Der Verein hat schon länger mit mir Gespräche geführt. Sie haben Ideen, wie sie mich einbinden können, ich habe ebenfalls Ideen, wie ich dem Club einen Mehrwert geben kann. Jetzt müssen wir schauen, ob es sich realisieren lässt und ob wir einen gemeinsamen Nenner finden. Fest steht nur, dass ich auf keinen Fall als Trainer arbeiten werde. Ich habe aber schon vor, noch viele Jahre in Magdeburg zu bleiben. So schnell bekommt man mich hier nicht weg.

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