Von Manuel Holscher ›

Durch den Sieg gegen Würzburg hat sich der 1. FC Magdeburg in der 3. Liga etwas Luft verschafft. Doch nicht alle jubelten ausgelassen.

Magdeburg l Stefan Krämer schaute betreten zu Boden. Auch eine Stunde nach dem 3:0 am Freitagabend gegen Würzburg wollte beim Trainer des 1. FC Magdeburg keine Euphorie aufkommen. Und auch wenn Krämers Stimmungslage überraschend kam – der Coach hatte dafür eine Erklärung parat: „Für mich gibt es nicht nur Schwarz-Weiß-Fußball. Ich habe in den vergangenen Wochen in vermeintlichen schlechten Spielen auch gute Dinge gesehen – jetzt in einer guten Partie aber auch Dinge, die wir verbessern müssen.“

Krämer will sich nicht blenden lassen

Krämer wollte sich nicht blenden lassen, wollte sich nicht den Vorwurf gefallen lassen müssen, zu positiv zu sein. In den vergangenen Wochen war ihm nämlich genau das angelastet worden. Und so suchte er diesmal lieber das Haar in der Suppe, das es durchaus gab: Der FCM ließ gegen Würzburg beispielsweise zu viele Standardsituationen zu, hatte in der ersten Hälfte im Mittelfeld nicht immer Zugriff. „Daran gilt es jetzt zu arbeiten, das ist für mich seriöse Trainerarbeit“, sagte Krämer.

Für ausgelassene Stimmung waren am Freitagabend somit andere verantwortlich. Dominik Ernst zum Beispiel: Der Rechtsverteidiger schlug sich tagelang mit einem Bluterguss in der Wade herum, wurde erst kurz vor dem Würzburg-Spiel fit. „Ich konnte erst am Donnerstag richtig ins Training einsteigen“, verriet er.

Ernst mit fünfter Vorlage

Wie wichtig Ernst für den FCM ist, zeigte er kurz vor der Halbzeit, als er mit seiner Flanke das 1:0 durch Christian Beck einleitete. Für den 29-Jährigen war es bereits die fünfte Vorlage in dieser Saison, damit belegt er in der 3. Liga hinter Sascha Mölders von 1860 München (sechs) den zweiten Rang. „Dass ich mit einer Vorlage dazu beitragen konnte, dass wir gewinnen, freut mich umso mehr. Das war der Dosenöffner“, sagte er.

Dosenöffner ist ein gutes Stichwort: Auch Trainer Krämer betonte, dass ein solcher entscheidend sein kann. Denn: „In der 3. Liga gewinnt häufig die Mannschaft, die in Führung geht.“ Und genau dieser Dosenöffner blieb dem Club in den vergangenen Wochen in Jena, gegen Duisburg und in Kaiserslautern (jeweils 1:1) stets verwehrt – in allen drei Partien musste das Team einem Rückstand hinterherlaufen.

Gegen Würzburg drohte zunächst ein ähnliches Schicksal, schließlich vergaben die Magdeburger wieder zahlreiche Torchancen. Doch der Club ließ sich nicht entmutigen, erholte sich schnell von einer Schwächephase in der ersten Hälfte. „Wir sind drangeblieben und haben uns durch den Führungstreffer belohnt“, sagte Offensivspieler Sören Bertram.

Der FCM zeigte in vielen Phasen die Wucht, die die Mannschaft in der Aufstiegssaison 2017/18 gerade zu Hause ausgezeichnet hatte. Die Krämer-Truppe kämpfte, flankte häufiger als sonst in der bisherigen Saison über die Außenpositionen oder aus dem Halbfeld. Dadurch wurde das eigene Spiel schneller und die Würzburger waren permanent beschäftigt. „Wir wissen, dass es spielerisch noch Luft nach oben gibt. Es war aber trotzdem zu sehen, dass wir uns weiterentwickelt haben“, sagte Ernst.

Verbaler Doppelpass

Gerade in Stimmung gekommen hatte der Verteidiger mit Offensivdrang dann auch noch eine Breitseite für seinen Kapitän parat: „Jetzt hat sich Christian Beck endlich mal für eine Flanke von mir bedankt. Das kam in den vergangenen Wochen doch etwas zu kurz.“

Diese Ansage an Beck war natürlich nicht ganz ernst gemeint, verfehlte aber nicht die erhoffte Wirkung. Darauf angesprochen, spielte Beck nämlich gerne mit. „Dominik kriegt das sonst immer nur nicht gleich mit. Zuletzt war er sauer, weil ich mich nicht sofort bedankt hatte. Das war jetzt anders. Jetzt kriege ich hoffentlich keinen auf den Deckel.“

Das verbale Zusammenspiel zwischen Beck und Ernst passte zu dem zuvor auf dem Feld. Und es zeigte, wie groß beim Team die Erleichterung war. Zwar wurde bei öffentlichen Aussagen immer wieder betont, dass der Club mittlerweile seit neun Spielen ungeschlagen ist, die vielen Unentschieden der vergangenen Wochen nagten aber sichtlich am Selbstvertrauen. „Das war jetzt ein ganz wichtiger Heimsieg. Die positive Stimmung im Umfeld wird uns guttun“, orakelte Beck.

Krämer lobt Stimmung und Fans

Und so ganz konnte sich dann selbst Stefan Krämer nicht der Freude um ihn herum entziehen. Mit der für ihn sonst typischen Begeisterung sprach er über die FCM-Fans, die nach den Umbauarbeiten in der MDCC-Arena auf die angestammte Nordtribüne zurückziehen konnten: „Ich mag es, wenn die Fans so nah wie möglich an der Trainerbank sind. Ich musste mir selbst dann die Lunge aus der Seele schreien, damit ich einen Spieler erreiche, der an der Linie steht. Das hat einfach Spaß gemacht.“

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