Von 1988 bis 1990 trug Dirk Schuster das Trikot des 1. FC Magdeburg. Nun kehrt der 50-Jährige als Trainer des SV Darmstadt 98 zurück.

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Magdeburg l Dirk Schuster schaffte seinen sportlichen Durchbruch als Spieler einst beim 1. FC Magdeburg. In 52 Partien zwischen dem 12. März 1988 und dem 18. Mai 1990 markierte er einen Treffer für die Blau-Weißen. An diesem Freitag (20.45 Uhr) kehrt der Trainer des SV Darmstadt 98 im DFB-Pokal als Gegner zurück. Mit der Volksstimme sprach der 50-Jährige über Loyalität, den FCM und eine verrückte 2. Liga.

Volksstimme: Herr Schuster, wie wichtig ist Ihnen Loyalität?

Dirk Schuster: Loyalität spielt in unserem Job eine große Rolle. Ich glaube, dass sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nur auf einer Komponente wie Loyalität aufbauen kann.

Ihr Abgang 2016 von Darmstadt nach Augsburg lief nicht geräuschlos. Warum entschieden Sie sich im Dezember 2017 trotzdem für die Rückkehr?

Die Dinge, die unrund waren, wurden allesamt ausgeräumt. Ich möchte aber gar nicht mehr so viel über die Vergangenheit und Eventualitäten sprechen.

Vergangene Saison schien der Abstieg Ihres Teams schon besiegelt. Wie haben Sie doch noch die Kurve bekommen?

Es war eine verrückte Saison. Wir hingen trotz einer positiven Serie im Tabellenkeller fest, weil die Konkurrenz unten ebenfalls konstant punktete. Das war für uns eine besondere Situation, die sich teilweise auch unangenehm angefühlt hat. Trotzdem haben wir den Glauben nie verloren, in der Liga bleiben zu können. Wir sind in jedes Spiel gegangen, um es zu gewinnen. Und das auch gegen Top-Teams wie Düsseldorf, Kiel und Nürnberg. Dass wir gegen diese Gegner bestehen konnten, hat uns noch mal zusätzlich gestärkt.

In Darmstadt lief es ohne Sie an der Seitenlinie sportlich nicht gut. Kann Darmstadt nicht ohne Schuster und Schuster nicht ohne Darmstadt?

In der Vergangenheit lief in Darmstadt nicht alles rund. Es wurde die eine oder andere Entscheidung getroffen, die vielleicht ein wenig unglücklich war. Es ist dennoch aus beiden Blickwinkeln der falsche Ansatz. Wir als Trainerteam können auch woanders einen guten Job machen. Ich würde es daher nicht nur auf diesen Standort fokussieren, auch wenn wir uns jetzt sehr wohl fühlen.

Was macht diesen Verein aus?

Wir haben gute Arbeitsbedingungen. Außerdem ist es immer noch ein familiärer Verein, in dem weniger Leute als in anderen Klubs die Arbeit machen. Die Fans haben zudem einen großen Anteil daran, dass die Mannschaft gepusht wurde und am Ende den Klassenerhalt geschafft hat. Hier gibt es für uns eine große Job-Zufriedenheit. Es macht Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten. Ich komme morgens mit einem Lächeln im Gesicht zum Training.

Was hat sich in der Zeit ohne Sie verändert?

Die Infrastruktur für die Mannschaft ist verbessert worden. Es gibt jetzt zwei Rasenplätze mit Flutlicht, richtige Teppiche. So etwas gab es damals überhaupt nicht. Das hat uns früher zu schaffen gemacht. Auch innerhalb des Vereins ist Personal dazugekommen. Alle packen mit an, um den Verein weiterzuentwickeln. Außerdem ist ein Funktionsgebäude in Planung. Es gibt genaue Visionen, was hier in Darmstadt entstehen soll.

Am Freitag kehren Sie im DFB-Pokal nach Magdeburg zurück. Was haben Sie gedacht, als Sie von dem Los hörten?

Mein erster Gedanke war: Wir haben mit das schwierigste Los im Topf erwischt.

Sie haben von 1988 bis 1990 beim FCM gespielt. Was bedeutet Ihnen der Club?

Ich freue mich riesig auf das Pokalspiel. Ich gucke bei den Vereinen, bei denen ich mal war, immer intensiver hin. Ich verfolge den Weg des FCM deshalb mit zwei offenen Augen. Der Verein stand schon kurz vor dem Zweitligaaufstieg und hatte dann eine Durststrecke. Unter Trainer Jens Härtel hat sich der Club gefangen. Er ist ein sehr guter Trainer und versteht es, die Werte der Menschen aus der Stadt und aus dem Umland so rüberzubringen, dass sich alle damit identifizieren können. Ich habe mich auch über den Aufstieg sehr gefreut.

Welche Parallelen sehen Sie zwischen beiden Klubs?

Beide sind Traditionsvereine. Ansonsten ist es schwierig. Magdeburg hat ein neues Stadion und wir nicht. Außerdem möchte ich einen Europapokalsieger nicht mit einer Mannschaft vergleichen, die noch nicht international gespielt hat.

Gab es jemals Pläne, als Spieler oder Trainer nach Magdeburg zurückzukehren?

Diese Gedanken gab es nicht. Während meiner Spielerkarriere waren die Ligen, in denen ich gespielt habe und in denen der FCM war, ziemlich weit auseinander. Gegen Ende meiner Laufbahn wollte ich es dann niemandem mehr antun, mir zugucken zu müssen (lacht).

Worauf muss sich der FCM in der 2. Bundesliga einstellen?

Ich glaube, dass sie sich schon ganz gut auf die Art und Weise, wie in der 2. Liga Fußball gespielt wird, eingestellt haben. Der FCM hat eine robuste, zweikampfstarke Mannschaft, die auch einen guten Ball spielen kann. Das sind Attribute, die eine große Rolle spielen. Darüber werden oft Partien entschieden.

Zwei Zweitligisten treffen im Pokal aufeinander. Wer ist Favorit?

Ich rechne mit einem intensiven Spiel, in dem es viele Zweikämpfe gibt. Mit den positiv verrückten Fans hat der FCM ein Plus auf seiner Seite. Es kann sonst aber alles passieren – Elfmeterschießen, ein Heim- oder Auswärtssieg. Es gibt keinen klaren Favoriten.

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