Von Manuel Holscher ›

Der 1. FC Magdeburg hat sich von Trainer Claus-Dieter Wollitz getrennt. NLZ-Boss Thomas Hoßmang übernimmt bis Saisonende.

Magdeburg l Etwas stoisch stand Claus-Dieter Wollitz am Mittwoch beim Training an der Seitenlinie und beobachtete das Treiben der Spieler, die in Rostock kaum oder gar nicht gespielt hatten. Nach der Einheit gingen Wollitz und Sportchef Maik Franz für ein zweistündiges Gespräch gemeinsam zur Geschäftsstelle. Auf dem Weg dorthin passierten die beiden ein Plakat mit der Aufschrift „Franz und Wollitz raus!!! Sofort!“, das Teile der aktiven Fanszene vor der MDCC-Arena und vor der Geschäftsstelle aufgehängt hatten.

Es war eine Art Vorahnung: Am Mittwochabend gab der FCM nämlich die Trennung von Wollitz bekannt. Interimsweise wird bis Saisonende Thomas Hoßmang übernehmen. Der 53-Jährige leitet das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Clubs und soll den Verein vor dem Sturz in die Regionalliga bewahren. Am Mittwoch schaute er bereits beim Training zu.

Kallnik jetzt auch Sportlicher Leiter

„Wir befinden uns weiterhin in einer sportlich bedrohlichen Situation und haben uns deshalb aufgrund der sportlichen Entwicklung seit Restart und in Abstimmung mit den Gremien des 1. FC Magdeburg entschlossen, eine Veränderung in der sportlichen Leitung des Teams vorzunehmen“, sagte FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik. „Thomas Hoßmang ist mit dem 1. FC Magdeburg vertraut und kann innerhalb kürzester Zeit die Arbeit mit unserer Mannschaft aufnehmen.“

Kallnik wird in Personalunion die Funktion des Sportlichen Leiters übernehmen und Thomas Hoßmang gemeinsam mit dem Trainerstab zur Seite stehen. Mit dem eigentlichen Sportchef Maik Franz, der offenkundig entmachtet ist, soll über das weitere Vorgehen und die weitere Zusammenarbeit noch gesprochen werden.

Kaum Siege unter Wollitz

Fakt ist: Es musste beim FCM etwas passieren. Denn gerade seit dem Neustart läuft es besonders schlecht. In vier Spielen erzielte der Club magere drei Tore – eins nach einer Ecke, zwei per Elfmeter. Aus dem Spiel heraus funktionierte kaum etwas. Im Jahr 2020 stehen unter Wollitz in elf Spielen nur zehn Punkte zu Buche, bei einer Tordifferenz von 13:15. Auch in Rostock war das Team viel zu harmlos. Hinzu kam, dass die Magdeburger fast in jedem Spiel in Rückstand geraten sind.

Die Lage ist sieben Spieltage vor dem Saisonende in der 3. Liga sehr bedrohlich: Der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz ist von vier auf einen mageren Zähler zusammengeschrumpft. Der Druck der direkten Konkurrenz wird größer. Sowohl Preußen Münster als auch der Hallesche FC machten zuletzt einen besseren Eindruck. Beim HFC scheint der erneute Trainerwechsel neue Kräfte freigesetzt zu haben.

Richtungsweidende Kellerduelle

Die Lage wird für den FCM noch bedrohlicher beim Blick auf die kommenden Gegner: Am Sonnabend (14 Uhr) steht das Heimspiel gegen den FC Viktoria Köln, der einen Punkt mehr auf dem Konto hat, auf dem Programm. Am Dienstag (20.30 Uhr) folgt das brisante Sachsen-Anhalt-Derby beim HFC. „Das sind Spiele, in denen der Kopf eine sehr große Rolle spielt. Das gilt aber immer für beide Teams, die auf dem Rasen stehen“, sagte Wollitz. Die Gremien, Aufsichtsrat und Präsidium, sowie Geschäftsführer Mario Kallnik hatten aber nicht mehr den Glauben daran, dass Wollitz diese Herausforderung meistern kann.

Die Liste der momentanen Mängel ist lang: Der Mannschaft fehlt im Vorwärtsgang der Mut, die Gier, den Ball unbedingt über die Linie drücken zu wollen. Spielerisch fehlt es an Ideen, an Tempo, an gefährlichen Flanken. Von Gegentreffern lässt sich das Team zudem enorm verunsichern. Der Kader verfügt individuell gesehen zwar zweifelsfrei über Qualität und gute Spieler, das Team ist allerdings nicht homogen. Es passt einfach nicht zusammen. Ein Vorwurf, den sich Sportchef Franz gefallen lassen muss.

Keine Konstanz in dieser Saison

Die einzige Konstanz des FCM in dieser Saison ist die Inkonstanz. Dieses Problem hat weder Ex-Trainer Stefan Krämer noch Nachfolger Claus-Dieter Wollitz in den Griff bekommen.

Der Druck vor den Partien gegen Köln und in Halle ist deshalb enorm. Und durch die personellen Wechsel sollen sich Blockaden, die bei der Mannschaft zuletzt aufgetreten sind, endlich lösen.

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