Von Mattis Nothacker

Ryan Malone hat nur eine Saison beim 1. FC Magdeburg gespielt. Am Sonnabend kommt es gegen den VfB Lübeck zum ersten Wiedersehen.

Magdeburg l An die Partie Ende Oktober vor gut fünf Jahren kann sich Ryan Malone noch genau erinnern. Mit dem 1. FC Magdeburg spielt er damals in Dresden vor knapp 30 000 Fans, die mit der längsten Choreografie in der Geschichte des europäischen Fußballs den „Elb-Clasico“ gebührend würdigen. Noch wenige Monate zuvor hatte Malone vor ein paar hundert Zuschauern an seiner Uni in den USA gekickt. Und dann das. „Ich bin aus der Kabine gelaufen, sah die Fernsehkameras, die Fans und die Choreografie“, erzählt er heute. „Ich dachte einfach nur: Mein Gott, das ist Profifußball.“

Das damalige Highlight gegen Dynamo ist Teil einer Phase, in der Malone erstmals Fuß fasst beim 1. FC Magdeburg. Nur ein Spiel zuvor, bei seinem Start- elfdebüt, schießt er gegen Wehen Wiesbaden auf Anhieb das Siegtor. Gegen Dresden gelingt ihm ebenfalls ein Treffer, auch wenn er damit Magdeburgs Niederlage (2:3) nicht verhindern kann. Doch gerade als die FCM-Fans beginnen, ihn aufgrund seines Einsatzes und seiner langen Einwürfe ins Herz zu schließen, reißt sich Malone das Innenband im Knie. Von da an findet er keinen Anschluss an die Mannschaft mehr. Nach der Saison empfiehlt der damalige FCM-Trainer Jens Härtel seinem Schützling, einen neuen Verein zu suchen.

Abgang als Karrierechance

„Ich war sehr, sehr enttäuscht“, erinnert sich Malone. „Im Nachhinein denke ich aber, dass es gut für meine Karriere war.“ Bei den Stuttgarter Kickers hat Malone die Möglichkeit, nach seiner Verletzung noch mal von null anzufangen. Er beginnt, die deutsche Sprache zu beherrschen. In Stuttgart spielt der athletische Allrounder eine erfolgreiche Saison, steht 23-mal in der Startelf, muss jedoch fast jedes Mal eine andere Rolle ausführen. „Ich habe alle Positionen gespielt, außer Torwart und Mittelstürmer“, schildert er und lacht. In dieser Zeit kristallisiert sich heraus, dass Malone am liebsten auf der Sechser-Position spielt: „Dort kann ich meine Stärken am besten einbringen: Mein Passspiel, meine Kopfball- und Zweikampfstärke.“

Nach seinem Wechsel zu Lok Leipzig darf Malone unter Heiko Scholz in der Regionalliga Nordost dann auf seiner Lieblingsposition ran. In Leipzig entwickelt er sich zum Stamm- und Führungsspieler, schießt in zwei Saisons 19 Tore. Schließlich kommt der Kontakt zum VfB Lübeck zustande, ein Verein, der unbedingt in die dritte Liga aufsteigen will. Dieses Ziel erreicht Lübeck in der vergangenen Saison mit Malone als Stammspieler in der Innenverteidigung. Malone ist wieder dort, wo er als 23-Jähriger in Magdeburg angefangen hat – und trifft nun fast genau fünf Jahre später wieder auf seinen Ex-Verein.

Magdeburg im Herzen

Auch wenn Malone nach einer Rot-Sperre zuletzt auf der Bank saß, hofft er auf einen Einsatz gegen den FCM. „Ich bin Fan von Magdeburg“, sagt er. „Ich habe in all den Jahren die FCM-Spiele immer verfolgt.“ Obwohl Malone nur ein Jahr in der Landeshauptstadt gespielt hat, spürt er noch immer eine besondere Verbindung zu den FCM-Anhängern. „Für mich war es ein schweres erstes Jahr in Deutschland“, sagt Malone, der mittlerweile fließend Deutsch spricht. „Die Fans haben mich immer unterstützt und waren unglaublich“. Noch immer bekomme er nach jedem Spiel Nachrichten von den Magdeburger Fans. Erst nachdem er den FCM verließ, merkte er, wie selten es ist, nach nur einem Jahr eine derartige Unterstützung zu erfahren. „Magdeburg wird immer einen großen Platz in meinem Herzen haben“, sagt Malone.

Aufgrund der strengen Corona-Auflagen wird es für Malone am Sonnabend (14 Uhr) allerdings kaum zu einem Wiedersehen mit den blau-weißen Zuschauern kommen. Überhaupt hat der 28-Jährige mit der Situation zunehmend zu kämpfen. Im Frühjahr sei es noch in Ordnung gewesen, da der Saisonabbruch in den Zeitraum fiel, in der seine Tochter geboren wurde. „Ich konnte zu Hause bleiben und das hat es für meine Frau viel einfacher gemacht“, erzählt Malone.

Doch mittlerweile sieht er vor allem die bösen Gesichter der Pandemie – vergangene Woche erkrankte sein älterer Bruder. „Vier Tage lang war es sehr schlimm für ihn: Seine Nase war zu, er hatte Halsschmerzen und konnte nichts schmecken. Jetzt geht es ihm besser“. Normalerweise fliegen die Malones zu Weihnachten in die USA – das ist dieses Jahr nicht möglich. „Es ist sehr, sehr traurig“, sagt er. „Wir vermissen unsere Familie sehr. Aber wir machen das Beste daraus.“

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