Von Manuel Holscher ›

Die Volksstimme hat Trainer Michael Oenning mit fünf Thesen zur Formkrise des 1. FC Magdeburg konfrontiert.

Magdeburg l Michael Oenning hat sich in den vergangenen Tagen viele Gedanken gemacht. Der Trainer des 1. FC Magdeburg arbeitete mit seiner Mannschaft die schwachen Leistungen in Duisburg und vor allem zu Hause gegen Sandhausen auf – mit Videoanalysen und Gesprächen. Gestern strich er den freien Tag, arbeitete mit dem Team und sucht jetzt nach einem Plan für das Ostderby am Sonnabend (13 Uhr) bei Dynamo Dresden.

In der Volksstimme stellt sich Oenning nun ganz offen der Kritik von Fans und Beobachtern. Seine Meinung zu den Thesen der Tribüne:

FCM-These 1

Von Oennings Ideen ist nicht mehr viel übrig – die Spiele in Duisburg und gegen Sandhausen waren ein Rückfall in alte Zeiten.

Hintergrund: Der FCM spielte in Duisburg und vor allem gegen Sandhausen ängstlich, ohne den in den Wochen davor gezeigten Mut in der Offensive. Diese Partien erinnerten stark an das erste Saisondrittel, als der Club zu oft nur reagierte und deshalb in der Vorrunde nur einen Sieg einfuhr.

Michael Oenning: „Das war schon wenig, was wir auf den Platz bekommen haben. Einen Rückfall in alte Zeiten will ich damit aber nicht gleichsetzen. Es ist aber trotzdem klar, dass wir jetzt etwas ändern müssen. Wir müssen an unsere Stärken anknüpfen. Seitdem ich beim FCM bin, haben wir auf dem Rasen agiert und waren mutig. Sandhausen hat uns zwar den Schneid abgekauft, den Rhythmus immer wieder gebrochen. Trotzdem müssen wir in der Lage sein, ein solches Spiel nicht zu verlieren. Wir müssen jetzt in Dresden Mentalität zeigen. Ich packe die Jungs deshalb auch bei der Ehre, werde in den kommenden Tagen ganz genau hinschauen.“

FCM-These 2

Der FCM hat sich nach den Siegen zu Jahresbeginn gegen die vermeintlich schwächeren Teams Duisburg und Sandhausen zu sicher gefühlt.

Hintergrund: Der FCM führte nach den Siegen gegen Aue, in Ingolstadt und Bielefeld zwischenzeitlich die Jahrestabelle 2019 an. Gegen die zum jeweiligen Zeitpunkt Tabellenletzten Duisburg und Sandhausen hätte der Club direkte Konkurrenten entscheidend distanzieren können, verlor dann aber beide Partien.

Oenning: „Wir waren gegen Sandhausen zu pomadig. Ich glaube nicht, dass das bewusst war. Es kann aber schon sein, dass manche gedacht haben, dass es für uns nach den Siegen jetzt leichter läuft. Das Sandhausen-Spiel hat uns gezeigt, dass für uns die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Der letzte Schritt hat gefehlt, das ist schon eine Einstellungsfrage. Wir sind noch lange nicht so weit, Gegner mit reduziertem Einsatz zu besiegen oder gar zu beherrschen.“

FCM-These 3

Die Klasse von Marius Bülter wird verschenkt, er ist als Rechtsverteidiger nicht so wertvoll wie in der Offensive.

Hintergrund: Obwohl dem FCM gegen Sandhausen mit Christian Beck und Felix Lohkemper zwei Stamm-Angreifer fehlten, stellte Oenning Marius Bülter hinten rechts auf. Dort hätte es mit Nils Butzen und Marcel Costly aber durchaus Alternativen gegeben.

Oenning: „Ich wollte nach Christians Verletzung nicht zu viel umbauen und nichts machen, von dem ich nicht zu hundert Prozent überzeugt war. Wenn Felix Lohkemper zurückkommt, ergeben sich neue Konstellationen mit zwei oder drei Stürmern – dann vielleicht auch mit Marius in einer offensiveren Rolle. Auch Aleksandar Ignjovski ist flexibel einsetzbar. Er hat am Montag erstmals wieder mit der Mannschaft trainiert und einen super Eindruck hinterlassen.“

FCM-These 4

Es wurde verpasst, einen Ersatz für Kapitän Christian Beck zu verpflichten.

Hintergrund: Vor der Saison war Mergim Berisha als Backup für Christian Beck vorgesehen. Er hat eine ähnliche Statur wie Beck und kommt dessen Spielweise nahe. Berisha setzte sich aber nicht durch und ging im Dezember zurück nach Österreich. Im Winter verpflichtete der FCM mit Steven Lewerenz wiederum einen ganz anderen Stürmertypen, eher spielerisch und nicht so groß und robust wie Beck.

Oenning: „Ich stelle mir nicht die Frage, ob uns ein Backup für Christian im Kader fehlt. Es sind genügend Leute bei uns, die über ausreichend Qualität verfügen, diese Lücke auszufüllen. Ich muss jetzt aber erst mal ein Gefühl dafür entwickeln, wer Christian ersetzen könnte. Ich habe meine Lehren aus dem letzten Spiel gezogen und werde mir genau überlegen, wie wir jetzt spielen. Man darf die schwierige Gesamtkonstellation nicht vergessen, die wir gegen Sandhausen hatten. Mit Christian Beck und Felix Lohkemper sind schließlich beide Stürmer ausgefallen. Felix kann in Dresden möglicherweise wieder auflaufen.“

FCM-These 5

Der FCM ist spielerisch nur die Hälfte wert, wenn Mittelfeldstratege Jan Kirchhoff ausfällt.

Hintergrund: Kirchhoff zeigte nach seiner Verpflichtung im Januar, wie wertvoll er für den FCM ist, der Mittelfeldspieler war sofort Denker und Lenker. Als er in Ingolstadt in der Halbzeit verletzt ausgewechselt werden musste, fiel das auf dem Rasen sofort auf. Auch gegen Kiel und gerade gegen Sandhausen fehlte dem Club im Mittelfeld Kirchhoffs Qualität.

Oenning: „Natürlich trifft uns ein Ausfall von Jan hart, weil er über enorme Qualität verfügt. Die Mannschaft hat aber beispielsweise gegen Kiel gezeigt, dass es auch ohne ihn funktionieren kann. Vor der Winterpause war Jan auch noch nicht da und wir haben trotzdem guten Fußball gespielt. Gegen Sandhausen war problematisch, dass Jan so kurzfristig ausfiel und mit Christian Beck sowie Felix Lohkemper zwei weitere Leistungsträger nicht dabei waren. Das soll nicht nach einer Ausrede klingen, hat aber natürlich einen Einfluss auf unsere Mannschaft. Wir können nicht drei Stammspieler auf Knopfdruck einfach so ersetzen. In Dresden sollte neben Felix auch Jan wieder zurückkehren.“

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