Das Rennen um talentierte Spieler ist eng und hart umkämpft. Der 1. FC Magdeburg hat deshalb die Scoutingabteilung weiter ausgebaut.

Von
Manuel Holscher

Magdeburg l Mit Bernd Pfeifer und Klaus Goldbach wurden zwei erfahrene Experten verpflichtet. Beide sind bundesweit für den Club unterwegs.

Um Spieler wie Philip Türpitz, Björn Rother und Felix Lohkemper zu verpflichten, ist neben Schnelligkeit und Überzeugungskraft auch die frühe Kenntnis der Fähigkeiten wichtig. Das Scouting hat im Fußball eine enorme Bedeutung. Bei fast jedem potenziellen Neuzugang gibt es Mitbewerber. Entscheidend ist in vielen Fällen, dass der Spieler im Gespräch merkt, dass er vom möglichen neuen Verein genau beobachtet wurde und dass es der Verein entsprechend ernst meint.

Jahrzehntelange Erfahrung

Deshalb hat der FCM seine Scoutingabteilung ausgebaut und mit Pfeifer sowie Goldbach zwei Männer verpflichtet, die über jahrzehntelange Erfahrung verfügen und in Magdeburg auf Honorarbasis arbeiten. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren im Scoutingbereich kontinuierlich weiterentwickelt. Mittlerweile verfügen wir über eine Datenbank, eine Video-Datenbank und haben mit Bernd sowie Klaus zwei wichtige Unterstützer hinzugewonnen“, sagt Maik Franz, Assistent der FCM-Geschäftsführung. Neben Pfeifer, Goldbach und Franz selbst ist auch der ehemalige Bundesligaspieler Martin Fenin an Bord, der den Markt in Tschechien, Slowenien und in der Slowakei im Blick hat. „Es ist für uns ein enormer Fortschritt, da wir an jedem Wochenende zahlreiche Partien mit potentiell interessanten Spielern anschauen können“, sagt Franz. „Wir sind sehr dankbar, dass uns Bernd und Klaus helfen. Egal, wann wir sie anrufen – sie sind sehr flexibel. Davon profitieren wir enorm.“

Der 62-jährige Pfeifer stammt aus Unseburg (Salzlandkreis), verließ die damalige DDR aber 1989 mit einem Ausreiseantrag. Beim SV Wilhelmshaven arbeitete er unter Wolf Werner. „Nach einer Partie gegen Werder Bremen, bei denen Thomas Schaaf zu diesem Zeitpunkt Nachwuchs- trainer war, erhielt ich einen Anruf, ob ich nicht Lust hätte, in Bremen ebenfalls als Nachwuchscoach zu arbeiten“, so Pfeifer.

Klose und De Bruyne entdeckt

Werder hatte großes Interesse daran, mehr über die damalige Ost-Kaderschmiede zu erfahren. In der Folge arbeitete Pfeifer für Schaaf, der 1999 die Bremer Bundesligamannschaft übernahm, und beobachtete zahlreiche Spieler, die später das Werder-Trikot trugen. Unter ihnen waren auch der jetzige Geschäftsführer Frank Baumann und WM-Rekordtorjäger Miroslav Klose. „Man muss Erfahrung mitbringen, um etwas in einem Spieler zu sehen oder zu erkennen“, sagt Pfeifer, der mit Schaaf später zu Eintracht Frankfurt und Hannover 96 ging. „Als ich Kevin De Bruyne in Genk entdeckte, sollte ich eigentlich einen anderen Spieler beobachten. Von Kevin war ich aber sofort fasziniert.“

De Bruyne unterschrieb in der Folge einen Vertrag beim FC Chelsea und wurde zu Werder ausgeliehen. Mittlerweile spielt er bei Manchester City und ist über 100 Millionen Euro wert. „Als Scout ist es wichtig, dass man eine klare Meinung hat. Das kann bei manchen Spielern auch mal danebengehen, trotzdem muss man zu seiner Ansicht stehen“, betont Pfeifer.

Das sieht auch Goldbach so, der 186 DDR-Oberligaspiele für Rot-Weiß Erfurt bestritt und dort 1992 Trainer, Manager und Geschäftsführer war. „Nach dem Zweitligaabstieg mussten wir eine neue Mannschaft aufbauen“, sagt er. „Wir haben auf zahlreiche junge Spieler gesetzt und es geschafft, Erfurt vor dem totalen Absturz zu bewahren.“

Goldbach hat eine klare Regel

Beim Scouting hat Goldbach eine klare Regel. „Ich beobachte einen Spieler zweimal zu Hause und dreimal auswärts. Viele Spieler verhalten sich auf einem fremden Platz vor gegnerischen Fans anders als bei einem Heimspiel“, betont er, der 1995 seinen Fußballlehrer unter anderem mit Armin Veh (Ex-Trainer Stuttgart, Hamburg, Wolfsburg, heute Geschäftsführer 1. FC Köln) machte.

Außerdem sei es wichtig, frühzeitig zu den Beobachtungen im Stadion zu sein. „Ich komme meistens an, wenn der Gästebus gerade ins Stadion fährt. Ich schaue mir die Spieler beim Aufwärmen genau an. Da sehe ich, wer sich professionell verhält. Das geht sogar nach der Partie weiter, wenn die Akteure auslaufen“, sagt der 66-Jährige. „Es ist wichtig, einen guten Spieler zu erkennen, auch wenn dieser während einer Partie nur wenige Aktionen hat. An einzelnen Szenen kann man aber oft das große Potenzial erkennen.“

Philosophie des Vereins entscheidend

Pfeifer und Goldbach sind sich einig, dass ein Spieler mehrfach und immer live im Stadion beobachtet werden sollte. Entscheidend sei zudem eine klare Philosophie des Vereins. „Beim FCM haben Spieler wie David Kinsombi oder Florian Kath den nächsten Schritt gemacht. Florian spielt jetzt mit Freiburg in der Bundesliga“, sagt Franz. „Junge Spieler sollen sehen, dass der FCM ein Verein ist, bei dem sie sich weiterentwickeln können.“

Damit Talente weiterhin nach Magdeburg kommen, sind Pfeifer und Goldbach ständig unterwegs. Jeweils drei bis vier Spiele am Wochenende sind keine Seltenheit. „Ich freue mich sehr über die Aufgabe beim FCM. Ich kehre zu meinen Wurzeln zurück – sportlich und persönlich“, sagt Pfeifer.

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