Familienfest statt Aufstiegsparty

Rund 4000 Menschen feierten am Magdeburger Rathaus ein blau-weißes Familienfest. Geplant hatten die Veranstalter mit bis zu 15.000 Gästen.

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Magdeburg l Der Marktplatz füllt sich am Sonntag (6. Mai 2018) bis zum Eintreffen der Mannschaft im Rathaus gegen 13.15 Uhr etwa zur Hälfte, locker gestellt. Von der Bühne müht sich Holger Tapper redlich, die Stimmung anzuheizen – mit dem Lied vom Magdeburger Kind gelingt das. Das Publikum – darunter viele Familien mit Kindern – erweist sich als textsicher. Ansonsten bleibt die Atmosphäre jedoch deutlich hinter der Euphorie zurück, die bei jedem Spiel im heimischen Stadion zu erleben ist, erst recht hinter der Ausgelassenheit der Aufstiegsfeier am 1. Juni 2015 in Liga 3.

Die Gäste vom Kleinkind bis zum Senior sind dennoch überwiegend gut gelaunt und werden – als endlich die Mannschaft auf dem Balkon erscheint – zumindest etwas lauter. Spielernamen werden intoniert, natürlich auch die FCM-Hymne.

Lob für die Organisation

„Ich finde es so genau richtig“, sagt Angelika Werner. Die 71-Jährige ist FCM-Fan der ersten Stunde, traut sich aber nicht mehr ins Stadion. Das Heimspiel am Sonnabend hat sie vor dem Fernseher verfolgt und „gelacht, geweint und geklatscht“. Auf dem Marktplatz fühlt sie sich gestern sehr wohl und lobt die Organisation.

An den Einlassgittern kommt es zu keiner Zeit am Sonntagnachmittag zu Stau. Die meisten Gäste haben auf große Taschen verzichtet und sich an die Sicherheitsbestimmungen gehalten. Dazu gehörten die Brüder Stephan und Kevin Lange. Sie wollten die Mannschaft trotz Alkoholverbot auf dem Balkon sehen. Die Magdeburger waren auch schon bei der Feier vor drei Jahren dabei. „Da ging es wesentlich chaotischer zu“, sagt Stephan Lange. Allerdings: Die Partystimmung mit Pyrotechnik und Co habe ihnen damals trotzdem gut gefallen.

Block U rief zum Boykott auf

Der Block U hatte zum Boykott der Feier auf Einladung des Oberbürgermeisters aufgerufen weil sie eine Woche vor Saisonschluss und vor der letzten Partie in Lotte, umzäunt und bei Pyrotechnik- und Alkoholverbot stattfand. Die Mannschaft gab dazu ziemlich klar ihre Meinung ab. Beim Eintreffen im Rathausfoyer intonierten die Jungs lauthals und in Wiederholung: „Gerne trink’ ich Alkohol!“ Später verteilte der scheidende Spieler Felix Schiller auf der Bühne Bier an seine Teamkameraden und an die Fans in den ersten Reihen. Den offenen Verstoß gegen das Alkoholverbot ließen die umstehenden Ordner den Spielern ohne jede Rüge durchgehen.

Gastgeber Oberbürgermeister Lutz Trümper verfolgte das Fest vom Rathausbalkon aus. Auf die Volksstimme-Nachfrage am Rande, ob er mit dem Verlauf zufrieden sei, gab er sich äußerst wortkarg: „Ja. Wunderbar. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.“

Kritik im Internet

Draußen feiert eine blau-weiße Gemeinde jeden Spieler, der die Bühne betritt. Der größte Beifall brandet für den scheidenden Kapitän Marius Sowislo auf.

Schon kurz nach Festschluss um 16 Uhr hagelt es im Internet Kritik von enttäuschten Fans in FCM-Foren. Sie sprechen von einer „peinlichen Veranstaltung“. Der Oberbürgermeister hat eine gänzlich andere Wahrnehmung und schreibt in seinem Statement nach Festschluss: „Tausende Fans rund um das Alte Rathaus haben bewiesen, wie friedlich und gebührend sie unseren Verein feiern können. Das waren heute viele unvergessliche Augenblicke und eine unbeschreibliche Stimmung.“

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