Autor: Uwe Tiedemann

FCM will neue Wege gehen und sogar freiwillig auf Punkte verzichten

Sportchef Mario Kallnik vom 1. FC Magdeburg sieht nach dem Drittliga-Aufstieg weiter enormes Entwicklungspotenzial. Diese Strahlkraft will der 40-Jährige unbedingt nutzen, schreckt dabei auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurück und geht sogar soweit, bei Randale quasi die Punkte herzuschenken.

Magdeburg l Unter dem Motto „Wehret den Anfängen“ will Mario Kallnik neue Wege beschreiten und Krawalle auf dem Stadiongelände der MDCC-Arena nicht dulden: „Wir sind ein Verein für Fans und Familien. Bei uns soll niemand Angst, sondern Spaß haben. Emotionen ja, Randale nein“, betonte der FCM-Sportchef.

Gerade die Heimspiele in den Ost-Derbys (sieben an der Zahl) dürften für jede Menge Zündstoff sorgen, die jedoch nicht ausufern und zur Gewaltbühne werden sollen. Laut Kallnik gibt es in den sozialen Netzwerken schon Parolen und Bilder, die darauf hindeuten, dass die Krawallmacher nur darauf warten, endlich losschlagen zu können.

„Wird von unserer Seite Gewalt gegen andere ausgeübt und kommt es deswegen zu Spielunterbrechungen, gehen wir auf den Schiedsrichter zu und appellieren an ihn, das Spiel vorzeitig zu beenden“, sagte Kallnik. Und das nicht nur einmal. Notfalls, so der 40-Jährige, steigen wir eben ab: „Wenn es uns nicht gelingt, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, haben wir in dieser 3. Liga nichts zu suchen.“

Der Sportchef hat das Vorgehen mit dem Präsidium und dem Aufsichtsrats-Chef Lutz Petermann abgesprochen und volle Rückendeckung erhalten. Auch das Trainerteam ist informiert worden. Präsident Peter Fechner sagte dazu: „Ich gehe davon aus, dass solch drastische Mittel nicht notwendig werden. Wir haben mit unseren Fans bislang schon viel erreicht. Mit Block U ist z.B. vereinbart: keine Böller und keine Platzstürme. Von Provokationen in Netzwerken müssen wir uns natürlich entschieden distanzieren.“

Die Verantwortlichen hoffen also, dass es zu den beschriebenen Szenarien erst gar nicht kommt. Das mit 3:5 nach Elfmeterschießen verlorene Landespokal-Halbfinale in der vergangenen Saison gegen den Erzrivalen Hallescher FC sei da ein positives Beispiel. Trotz des für die Blau-Weißen bitteren Ausgangs war es friedlich geblieben, hatten sich die eigenen Anhänger vorbildlich verhalten.

Diese Entwicklung gilt es zu nutzen, sagt Kallnik. „Momentan werden wir überall gelobt für unsere tollen Fans und für die grandiose Stimmung im Stadion – siehe zuletzt die Relegation Ende Mai gegen Kickers Offenbach. Und dass wir jetzt das Eröffnungsspiel in der 3. Liga machen dürfen, ist auch ein klassisches Beispiel dafür, wie positiv wir wahrgenommen werden“, sagte der Sportchef, der daran erinnerte, dass es auch andere Zeiten gegeben habe: „Wir wissen, dass bei uns immer die Gefahr besteht, in die Ecke von Gewalt zu rutschen. Das darf auf keinen Fall wieder hochkochen.“ Und dass es enorm schwer sei, einen negativen Ruf wieder loszuwerden: „Wir wollen kein Image wie Dynamo Dresden, wo es immer wieder Ärger gibt und bei Ausschreitungen ganz schnell die schlimmen TV-Bilder aus Dortmund aus der Schublade geholt werden.“ Ende Oktober 2011 hatte es im DFB-Pokalspiel in der Dortmunder Innenstadt schwere Ausschreitungen gegeben.

Einen Vorgeschmack darauf, dass der in der 3. Liga verantwortliche DFB (nicht mehr wie in Liga vier der NOFV) deutlich höhere Strafen ausspricht, hatte der FCM bereits in den Relegationsspielen gegen Offenbach erhalten, als die Elbestädter wegen vergleichsweise harmloser Vergehen der Anhänger zu satten 5000 Euro Geldstrafe verdonnert wurden.

Und noch etwas: Kallnik wies darauf hin, dass der Club auch eine hohe Verantwortung gegenüber der Stadt trage: „Wir wollen nicht etwa Angst und Schrecken verbreiten, sondern anders sein als andere – cool, friedvoll und uns wie eine große Familie verhalten.“ Auf das Feedback seiner brisanten Aussagen ist Kallnik nun selber gespannt: „Ich weiß nicht, wie der DFB oder die Fans reagieren. Es bleibt auf jeden Fall dabei, dass wir unseren Weg durchziehen.“

6 Antworten zu “Emotionen ja, Randale nein”

  1. Fan aus Thale sagt:

    Das ist richtig so!! Und hoffentlich findet man genug von den Idioten, damit die Strafen weitergegeben werden können. Schon die letzten 5000 Euro fehlen woanders. Und irgendwann sagen die Sponsoren, wir geben kein Geld mehr, um es als Strafe wieder rauszuschmeißen!!

  2. Fan 65 sagt:

    Tolle Idee von Herrn Kallnik. Hoffentlich halten sich dann auch alle daran, denn es wäre ja mal Gutes, wenn eine Mannschaft in dieser Hinsicht ein Vorbild wäre. Fußball muss für Klein und Groß Freude machen, Stimmung bringen und darf keine Angst verbreiten. Es gibt sicher genug Chaoten, die die vielen Derbys dazu nutzen wollen, negativ aufzufallen und die Spiele zu stören. Das wollen aber die wahren Fans nicht. Es wäre schön, wenn sich andere Clubs dieser Initiative anschließen würden. Fußball muss einfach wieder nur Spass machen.

  3. berlinerFCMfan sagt:

    Ich find diese idee auch RELATIV gut… denn wenn es nun ALLE wissen,,,könnten sich auch “ fans “ aus merseburg,leipzig,dresden oder anderswo her ,ins stadion schleichen…blau weiss gekleidet,,und dann randale machen….in der Hoffnung der fcm VERSCHENKT dann freiwillig die punkte….
    …….

    mann sollte unterm stadiondach,,,eine art spenkleranlage montieren….da wo boeller oder rauchbomben fliegen,die anlage aufdrehen…wenn dann unbeteiligte nass werden,,,werden sie die TAETER schon verjagen….
    ………
    und das bei facebook und co permanente Drohungen und Beleidigungen geschrieben werden,,sollte niemand überbewerten…das ist in nahezu jeder Sportart,und nahezu jeden Verein so……

    also,,,ich hoffe das wir ALLE ZUSAMMEN den Magdeburger fussball deutschlandweit als suuuper emotional und FAIR präsentieren….
    bei BLOCK U mach ich mir da auch die wenigsten sorgen….
    ……

  4. berlinerFCMfan sagt:

    Ich hab gestern youtube video gesehen,vom ofc fanradio
    da wuerde mehrmals behauptet,die stoerer im rueckspiel,kamen eindeutig aus dresden und halle….
    ……und genau das ist,was ich meinte….die kleiden sich einfach blau weiss,kommen in unser Wohnzimmer und fangen an zu randalieren….Und wenn WIR pech haben,zahlen WIR dafuer…
    sowas kann man glaub ich auch nicht ausrotten….
    also,gib acht auf deinen nachbarn im stadion…er koennte aus dresden/halle oder leipzig kommen……..

    • Michigan sagt:

      Genau… Die behaupten sowas! Wie man darauf kommt bleibt aber offen… wenn man das fanradio häufiger verfolgt, merkt man schnell dass dies nicht erst zu nehmen ist… m.e. will man beim ofc einfach nicht wahrhaben, dass auch dort n paar Hirnis rumspringen… Die kommen dann natürlich von woanders… Genau in die selbe Kerbe schlug der stadionsprecher in Offenbach, der die Magdeburger mehrmals zur Disziplin mahnte, während die roten idioten über n Zaun sprangen… Zu denen aber keine Silbe… Naja, wahrscheinlich weil nicht erkennen konnte ob die aus Dresden oder Halle waren
      …;-))

      Aber dass jeder im Stadion mehr auf seinen Nachbarn achtet, kann helfen… Oft werden schädigende Aktionen gebilligt… Und eins ist klar, von außen wird man das Problem nicht lösen!!!! Und noch eins, durch eine pyro-Performance hat noch keine Mannschaft ein Spiel gewonnen… Ist also keine echte Unterstützung, sondern reiner Selbstzweck….

      Nur der FCM

  5. AllafFCM sagt:

    Störer aus Merseburg & co.? Ja das ist so. Ich denke da hilft nur: Festnehmen, Personalien aufnehmen. Irgendeine Made mit wohnhaft Merseburg-Nord wird wohl kaum FCM-Anhänger sein. Und dann bitte konsequent diese Idioten für die Vereinsstrafen zur Kasse bitten.

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