Damian Halata war einer der besten Stürmer seiner Zeit, erzielte 68 Tore in 267 Oberligaspielen für den 1. FC Magdeburg und Lok Leipzig. Eine schwere Verletzung bremste ihn früh aus. Halata wurde Trainer, einer der jüngsten in der Bundesliga-Geschichte. Seine Berufung fand er aber erst viel später. An diesem Montag (8. August) ist er 60 geworden.

„Die Zeit rennt, aber wie sagt man so schön: Man ist so alt wie man sich fühlt“, lacht Damian Halata als „Sport im Osten“ ihn am Telefon erreicht. Der einstige Top-Stürmer feiert heute (08.08.2022) seinen 60. Geburtstag. Eine große Party gibt es nicht. Stattdessen ist Halata mit seiner Familie „abgehauen“. Drei Tage Auszeit. Der Hund ist auch dabei. Und eine Flasche Champagner. „Die steht schon bereit. Die gönne ich mir.“

Es war 1974 als der kleine Damian erstmals beim 1. FC Magdeburg aufdribbelte. Damals war er elf Jahre alt und der FCM sein erster Verein. Einige Jahre später schaffte das Talent den Sprung in die erste Mannschaft und erzielte zwischen 1980 und 1988 47 Tore in 193 Spielen für den FCM. Wenn er in den Rückspiegel schaut, nennt er die Zeit beim FCM seine schönste. „Diese Jahren haben mich geprägt. Das kann mir keiner nehmen.“

Nur Streich übertrifft Halata

Aus „rein sportlichen Gründen“ wechselte er 1988 zum 1. FC Lok Leipzig. Parallel studierte Halata an der DHfK Leipzig Lehramt und schloss sein Studium zum Diplom-Sportlehrer zur Wendezeit ab. „Es hat etwas länger gedauert, mir wurde nichts geschenkt“, erzählt er lachend. Neben dem Studium läuft er 76 Mal für Lok Leipzig auf, erzielt 21 Treffer. Legendär sind seine fünf Tore beim 7:2 Oberliga-Sieg gegen Sachsenring Zwickau im Oktober 1988. Mehr erzielte nur ein gewisser Achim Streich – nämlich sechs, ebenfalls für den 1. FC Magdeburg beim 10:2 über Chemie Böhlen im Juni 1979.

Halata – Bundesliga-Trainer mit 31

Halata war in bestechender Form, als ihn eine schwere Knieverletzung (Kreuzbandriss) zum Aufhören zwang. Mit nur 29 war 1991 plötzlich Schluss. Sein mittlerweile in VfB Leipzig umbenannter Verein fing das Juwel und den Publikumsliebling auf. Er wechselte vom Spielfeld auf die Bank. Sechs Jahre pendelte der Trainerneuling zwischen Co-Trainer und Cheftrainerposten beim VfB. Saß neben Trainergrößen wie Jürgen Sundermann, Bernd Stange und Siggi Held auf der Bank. Letzterer ist erst am Sonntag (7. August) 80. geworden – Kontakt haben die beiden keinen mehr.

Drei Mal wurde Halata beim VfB vom Co-Trainer zum Cheftrainer ernannt. Zum ersten Mal 1994, da war er gerade 31 Jahre alt. Noch heute gehört Halata zu den Top Ten der jüngsten Bundesliga-Trainer in der Geschichte. Das Ranking führt übrigens Bernd Stöber an, der in der Saison 1976/77 mit 24 Jahren für ein Spiel auf der Trainerbank des Aufsteigers 1. FC Saarbrücken saß. Für Stöber blieb es eine Eintagsfliege, Halata blieb bis 1998 beim VfB. Am 7. Dezember 1997 wurde er zum dritten Mal Cheftrainer, konnte aber zum Ende der Saison den Abstieg des Vereins aus der 2. Bundesliga nicht verhindern und wechselte anschließend zu Dynamo Dresden (1998-2001).

Meuselwitz in die Regionalliga geführt

Nach seiner Zeit bei großen Traditionsvereinen versuchte Halata sein Trainerglück im Januar 2002 beim ZFC Meuselwitz. Der Klub stand damals auf einem Abstiegsplatz in der Thüringenliga, hatte aber Großes vor und landete mit Halata einen Glücksgriff. Unter ihm gelang der Aufstieg bis in die Regionalliga, wo die Ost-Thüringer noch heute spielen. Für den Trainer war 2011 – nicht ganz geräuschlos – Schluss. Nach Stationen in Dessau und Bautzen verabschiedete sich Halata 2013 von der Trainer-Bildfläche. „Ich habe doch das eine oder andere Negative im Sport erleben müssen. Das wollte ich mir nicht mehr antun“, sagt er rückblickend.

Ich habe doch das eine oder andere Negative im Sport erleben müssen. Das wollte ich mir nicht mehr antun. Damian Halata |

Seit 2016 Sportlehrer in Leipzig

Dem Sport wollte er treu bleiben und so begann der einstige Topstürmer 2016 mit Mitte 50 als Sportlehrer am Leipziger Rahn-Gymnasium. Der Job hält fit. Halata unterrichtet von Klasse fünf bis zwölf. „Ich kann noch alles vormachen. Die Fitness stimmt“, lacht er. Aufpassen muss er nur auf sein lädiertes Knie.

Gänzlich auf Fußball will er deshalb aber nicht verzichten. Mit der Magdeburger Traditionsmannschaft und der alten Nationalmannschaft zu der unter anderen auch Rainer Ernst und Martin Busse gehören, trifft er sich regelmäßig. Die Leidenschaft für den Fußball ist aber verflogen. „Ich hab weitgehend mit dem Fußball abgeschlossen“, sagt der Jubilar. Sein letzter Stadionbesuch? „Oh, das ist schon ein Jahr her und war bei RB Leipzig“, erzählt er. Die Prioritäten in seinem Leben haben sich verschoben. Was geblieben ist, ist der Stolz über viele tolle Momente, die er erleben durfte.

Trikottausch mit Maradona

Und immer wenn er an diese denkt, denkt er wahrscheinlich auch an Diego Maradona. Der vierfache DDR-Nationalspieler Halata begegnete der Fußball-Ikone gleich vier Mal und damit so oft wie kein anderer Ostfußballer. Schon, als er mit Magdeburg gegen den FC Barcelona mit Maradona kickte, hatte er es auf das Trikot abgesehen. Damals ging er leer aus. Beim Uefa-Cup-Duell mit dem 1. FC Lok Leipzig gegen den SSC Neapel machte Halata schon vor dem Anpfiff alles klar. „WIr hatten beide die 10. Ich hab ihn vorher gefragt und mich mit ihm auf den Trikottausch geeinigt“, erinnert sich der 60-Jährige. Das Trikot ist nicht mit in den Kurz-Urlaub gereist, in der Schule musste er es schon öfters zeigen. Happy Birthday, Damian Halata.

Quelle : MDR

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