Autor: Marco Bertram

Der 1. FC Magdeburg und der Chemnitzer FC haben derzeit einen spiegelverkehrten Verlauf. Als im Oktober die Magdeburger einen kleinen Einbruch hatten und mit 0:3 gegen Unterhaching sowie mit 0:1 in Karlsruhe verloren, konnten die Himmelblauen aus Chemnitz zwei Siege gegen Sportfreunde Lotte (3:1) und den FC Rot-Weiß Erfurt (1:0) einfahren. Interessanterweise war für beide Vereine der Auftritt im Landespokal ein Wendepunkt. Nach dem 2:1 beim SC Naumburg ließ der 1. FCM gleich zwei Siege folgen. Zum einen der 2:1-Sieg beim SC Fortuna Köln, zum anderen der 2:1-Sieg daheim gegen den Erzrivalen Hallescher FC. Beim CFC war es genau andersherum. Zuerst wurde im Pokal überraschend mit 1:2 beim VfB Auerbach verloren, danach folgten gleich drei Schlappen im Ligaalltag. 2:3 beim SV Meppen, 0:3 gegen die Würzburger Kickers und 0:1 beim SC Preußen Münster. Am heuten Samstagnachmittag trafen nun die beiden Nordost-Vertreter in Chemnitz aufeinander – und der Trend wurde fortgesetzt. Während Magdeburg nach dem heutigen 3:2-Sieg Rang zwei gefestigt hat und zudem nach Punkten mit dem Tabellenführer SC Paderborn 07 gleichziehen konnte, rutschten die Chemnitzer hinab in die Abstiegszone. Rang 18 ist der Stand der Dinge. Der FSV Zwickau, der ein wenig überraschend ein Remis (1:1) bei Fortuna Köln holen konnte, schob sich vorbei und befindet sich nun knapp oberhalb der roten Linie.

7.847 Zuschauer hatten sich heute auf den Rängen eingefunden, und beide Seiten wollten unbedingt einen Sieger sehen. Die letzten beiden Aufeinandertreffen in Chemnitz im Rahmen der 3. Liga gingen unentschieden (1:1 und 0:0) aus. Und schau an, einen Magdeburger Sieg bei den Himmelblauen gab es seit gefühlter Ewigkeit nicht mehr zu sehen. Nicht in der 3. Liga, nicht in der Regionalliga Nord von 2001 bis 2011 und auch nicht zuvor in der Regionalliga Nordost im Zeitraum von 1997 bis 1999. Man muss noch weiter zurück gehen. In der letzten DDR-Oberliga-Saison 1990/91, die ab Oktober 1990 NOFV-Oberliga hieß, konnte der 1. FCM auswärts einen 2:0-Sieg einfahren. Am 13. April 1991 schossen vor 6.033 Zuschauern Heiko Laeßig und Uwe Jähnig die Tore. Und ja, beide Namen sind Nicht-FCM-Fans eher in anderen Zusammenhängen ein Begriff. Laeßig spielte von 1991 bis 1996 in Uerdingen (danach noch neun Jahre in Salzburg), und Jähnig werden die meisten mit Dynamo Dresden in Verbindung bringen. Kein Wunder, spielte er auch nur kurz von Januar 1991 bis Juni 1991 in Magdeburg. Zuvor und danach war er in Dresden unter Vertrag. Seine Karriere ließ er von 1995 bis 1997 beim Hamburger SV ausklingen. Das kommt auch nicht so häufig vor: Eine Karriere als Profifußballer – einmal die Elbe entlang.

Zurück zur Gegenwart. Unterstützt von einer ordentlichen Anzahl Fans legte der 1. FC Magdeburg gleich gut los. Die erste richtig gute Möglichkeit gab es nach einer Ecke der Gäste zu sehen. Am zweiten Pfosten stand Christian Beck bereit, doch sein aufsetzender Schuss war nicht hart und platziert genug. Aber dann! Nach forscher Balleroberung im Mittelfeld – gleich zweimal wurde ordentlich gerempelt – ging es flott über die linke Seite. Niemeyer brachte den Ball flach rein, Christian Beck war zur Stelle und brachte die Kugel trocken rechts unten unter. 1:0 für den 1. FCM in der 12. Spielminute! Logisch, dass die Gastgeber samt Trainer aufgrund der Mittelfeld-Rempelei noch mächtig mit dem Schiedsrichtergespann diskutierten, doch es half nix, der Treffer zählte.

Und weiter ging´s! In der 21. Minute bekam Chemnitz den Ball nicht weit genug aus der Gefahrenzone. Wieder ging es über die linke Seite, wieder war es Niemeyer der bediente, wieder war es Beck, der den Ball in die Maschen haute. Dieses Mal mit Schmackes aus sehr kurzer Distanz. Eine geballte Faust von Beck, ausgiebiger Jubel im wohl gefüllten Gästeblock. War das bereits die Vorentscheidung in diesem Spiel? Nein! Die Magdeburger selbst brachten die Chemnitzer wieder zurück in die Partie. Beck versuchte im Mittelfeld irgendwie den Ball zu klären, dabei gelangte dieser in den Lauf von Daniel Frahn. Dieser ließ sich nicht lange bitten, eilte auf den Magdeburger Kasten zu und schloss mustergültig zum 1:2 ab. Nun war Leben auf den heimischen Rängen, und Frahn forderte die Fans auf, mehr Ballet zu machen.

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Am Drücker waren jedoch in der Folge wieder die Blau-Weißen. Nach einer Ecke machte Beck seinen Patzer fast mit seinem dritten Treffer – dieses Mal mit dem Kopf – wieder gut, doch der Ball segelte deutlich am Gehäuse vorbei. In der 35. Minute hatte Björn Kluft die richtig dicke Möglichkeit, den Ausgleich für Chemnitz zu erzielen, allein vor FCM-Keeper Glinker fand er jedoch nicht den optimalen Abschluss. Und wieder mal wurde die Regel bestätigt. Machste vorn die Dinger nicht rein… Vier Minuten nach der Großchance von Kluft war es Julius Düker, der das 3:1 für Magdeburg erzielte. Es sah fast genauso aus wie das 1:0 von Beck. Der einzige Unterschied: Dieses Mal kam das Zuspiel von Butzen von der rechten Seite aus.

In der zweiten Halbzeit musste der Chemnitzer FC ein Schippchen drauflegen, doch so recht wollte dies nicht gelingen. Den himmelblauen Weckruf gab es dann doch noch. Nach Hereingabe von rechts machte Frahn mal eben mit der Hacke den 2:3-Anschlusstreffer klar. Wirklich brenzlig wurde es jedoch in der Folgezeit nicht mehr. Der 1. FC Magdeburg hatte soweit alles unter Kontrolle und konnte die knappe Führung über die Zeit bringen. Der erste Magdeburger Auswärtssieg im einstigen Karl-Marx-Stadt seit 1991 war in trockenen Tüchern. Bereits am nächsten Spieltag könnte mit einem Heimsieg gegen Lotte die Tabellenführung erobert werden. Vorausgesetzt, der SC Paderborn kommt gegen Fortuna Köln nicht über ein Remis hinaus. Und der Chemnitzer FC? Für ihn steht die Reise gen Ostseeküste an. Dort empfängt der F.C. Hansa Rostock, der zuletzt fünf von sechs Ligaspielen gewinnen konnte, die Himmelblauen…

Quelle : http://www.turus.net

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