Von Daniel Hübner ›

Erst kommt das Vertrauen, dann der Erfolg: So könnte man die Philosophie des neuen FCM-Trainers Christian Titz definieren.

Magdeburg l Nach acht Monaten des Stillstands als Vereins-trainer hat Christian Titz am vergangenen Freitagabend die Familie verlassen. Frau Sabrina, Tochter Mia und Sohn Jan-Luca werden den 49-Jährigen verabschiedet, ihn zum Auto begleitet und ihm alles Gute für seine neue Mission gewünscht haben. Der Weg führte Titz durch die nächtliche und klirrende Kälte nach Magdeburg. Dort soll der neue Coach nicht nur Punkte sammeln mit dem Drittligisten 1. FC Magdeburg, dort will er auch Herzen erwärmen. Die Herzen der Fans, die auf eine Rettung hoffen.

Mit Fans kennt sich Titz aus. Er hat mit dem Hamburger SV in der ersten und zweiten sowie mit Rot-Weißen in der Regionalliga bei Traditionsvereinen gearbeitet, für die naturgemäß viele Fans mitfiebern, jubeln, die sie aber auch besonders kritisieren. In Magdeburg ist das nicht anders. Titz weiß das, er sagt: „Es wird Situationen geben, in denen Dinge auch von außen reingetragen werden. Ich glaube aber, dass sie keine Wirkung bei mir zeigen.“ Sein Fokus soll allein der Mannschaft gehören. Am Sonnabend ist Titz mit ihr in die Operation Klassenerhalt gestartet. Dem Tabellenvorletzten fehlen drei Punkte bis zu einem Nichtabstiegsplatz. Heute treten die Blau-Weißen bei Türkgücü München (19 Uhr) an.

Vermutlich wird Titz bereits schon am ersten Trainingstag ein bislang von ihm gepflegtes Verbot beim FCM eingeführt haben. Das Handyverbot in der Kabine, die für ihn heilig ist. Zuweilen werden aus dem heiligen Raum Bilder in die weite Welt hinausgetragen, die vielleicht nicht von allen Akteuren gewollt sind. Titz hat das mal als einen „Vertrauensbruch“ bezeichnet. Aber allein ums Vertrauen wird es gehen, zwischen ihm und der Mannschaft, zwischen den Spielern selbst.

Acht Monate in der Familie

„Ich werde viele Einzelgespräche führen“, hat Titz bei seiner offiziellen Vorstellung am Sonnabend erklärt. „Es geht darum, den Spielern Vertrauen zu geben“, ihnen begreiflich zu machen, „dass Fehler erlaubt sind, denn die können passieren. Wichtig ist, dass wir dann weitermachen.“

Titz, der bervorzugt ein 4-1-4-1-System spielen lässt, hat sich in den vergangenen acht Monaten seit Ende seines Engagements jede Menge Begegnungen angeschaut. Auch coronabedingt „hat sich der ganze Tag nur um die Familie und Fußball gedreht“, berichtet er lächelnd. „Ich habe sehr viele Spiele von der ersten bis zur vierten Liga gesehen.“ Ganz sicher auch vom 1. FC Magdeburg.

Er kennt viele Akteure aus der Mannschaft, aus den Phasen, in denen er als Scout unterwegs gewesen ist, aus Partien, in denen er mit seiner Mannschaft gegen sie gespielt hat. Oder eben Morten Behrens, den er in seiner Zeit beim Regionalligisten HSV II trainiert hat. „Ich bin froh, dass wir einen sehr guten Torhüter haben“, sagt Titz. Von dem er weiß, was er an ihm hat.

Intensive Tage am Telefon

Otmar Schork wusste von Beginn an auch, was er am neuen Coach hat. Der Sportchef hatte nach dem Rücktritt von Thomas Hoßmang drei intensive Tage am Telefon absolviert, die nicht weniger anstrengend gewesen sein müssen als ein Abstiegskampf über 90 Minuten. „Ich habe am Mittwoch den Markt sortiert“, erklärt der 63-Jährige einen Start in die Trainersuche.

Er schaute nach Kandidaten, die zur Verfügung standen, er reagierte auf Zurufe etwaiger Berater. Am Donnerstag hatte er sich auf drei Kandidaten festgelegt, am Freitag waren es noch zwei. Am Ende des Telefonmarathons kam Christian Titz als Erster ins Ziel. „Ich kenne ihn noch aus der Zeit, als er Trainer beim HSV II war“ berichtet Schork. Als er auch in Hamburg immer auf der Suche nach einigen Spielern war. Noch als Sportchef beim Zweitligisten SV Sandhausen. Titz habe „eine der besten Ausbildungsmannschaften in Deutschland trainiert“, erinnert sich Schork. Der Kontakt blieb. Und führte Titz nun nach Magdeburg. „Er ist extrem motiviert, uns aus dem Keller zu führen“, betont Schork.

Das hatte Christian Titz in der Saison 2017/18 beim HSV versucht, in acht Spielen sollte er beim damaligen Bundesligisten retten, was kaum noch zu retten war – und war nur knapp gescheitert. Lewis Holtby, der ehemalige Nationalspieler, den er auch individuell trainierte, hat damals gesagt: „Endlich spielen wir wieder Fußball.“ Und auch von außen kam reichlich Zustimmung für die Arbeit des Christian Titz, der außerdem ein Portal im Internet betreibt, das sich mit Trainingslehre und Spielkonzepten befasst. Nun will er das richtige Konzept für den FCM finden.

Bankert und Mincu bleiben

Dabei greift er zurück auf das bisherige Assistentenduo Silvio Bankert (35) und Matthias Mincu (28), die ihm einen Einblick ins Innenleben der Mannschaft gegeben haben und weiter geben werden. „Der mentale Aspekt“, sagt Titz, „spielt immer eine große Rolle. Wenn man immer den Blick auf die Tabelle richtet, kann das auch lähmend wirken und den Spieler beeinträchtigen.“ Titz geht es um Entwicklung. Zunächst um die kurzfristige, durchaus auch um die mittelfristige. Titz hat einen Vertrag bis 30. Juni 2022 unterschrieben, der nur für die dritte Liga gilt. „Wir werden nun die wenigen Einheiten nutzen, um an den Dingen zu arbeiten, die wir ändern wollen.“

Und Titz betont: „Bei mir fangen die Spieler bei null an, jeder hat die Chance, sich zu präsentieren.“ Letztlich ist es auch für ihn ein Neustart. Kein leichter. „Als Trainer braucht man immer Mut“, sagt Titz. Zurück zum Fußball.

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