Präsident Peter Fechner (63) ist untrennbar mit der Entwicklung beim Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Magdeburg verbunden.

Von
Manuel Holscher

Manuel Holscher
Magdeburg l Was heute fast undenkbar erscheint, war Ende 2010, Anfang 2011 bittere Realität. Der 1. FC Magdeburg hatte vieles, aber ganz sicher keinen guten Ruf in der Stadt. „Wenn jemand mit einem Trikot durch die Straßen gelaufen ist, musste er Häme über sich ergehen lassen“, erinnert sich FCM-Präsident Peter Fechner. „Als jemand einen FCM-Sticker an meiner Jacke gesehen hatte, spucke er vor mir auf den Boden.“

Viele haben abgeraten

Genau in dieser Zeit traten mit dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Rüdiger Koch und dem Präsidium um Volker Rehboldt entscheidende Funktionäre zurück. Der Club brauchte einen neuen Kopf. Fechner war zu dieser Zeit Geschäftsführer der Stadionbetriebsgesellschaft sowie der Weißen Flotte und der Flughafengesellschaft. „2009 habe ich in Abstimmung mit Oberbürgermeister Lutz Trümper die Geschäftsführung der Stadionbetriebsgesellschaften übernommen. Darüber habe ich wieder Kontakt zum FCM gefunden“, so Fechner. „Wir haben dafür gesorgt, dass die Fans das Stadion für sich angenommen haben. Die Ultras konnten beispielsweise Block U nach Abstimmung mit den Verantwortungsträgern nach ihren Ideen in FCM-Farben gestalten.“

Durch die Zusammenarbeit zwischen Fechner und dem Club kam der Verein bei der Nachfolger-Suche für Rehboldt auf Fechner. „Es war kaum jemand bereit, das Risiko zu übernehmen. Viele meiner Freunde haben mir davon abgeraten, es zu machen. Sie meinten, dass ich nur verlieren könnte“, sagt er. „Ich war aber überzeugt, dass man beim Club richtig anpacken müsse. Es konnte doch nicht nur nach unten gehen.“

Mit dem Ziel, alle im Verein mitzunehmen, übernahm Fechner am 15. April 2011 das Präsidentenamt. Mit Guido Nienhaus, der mittlerweile u.a. das Weihnachtssingen in der MDCC-Arena organisiert, holte Fechner einen Mann für die Zahlen ins Präsidium. „Er kümmerte sich um die Wirtschaftspläne, damit wir einen nahtlosen Übergang hatten. Wir waren zu dieser Zeit stark minusbelastet“, sagt der 63-Jährige. Hagen Hoffmann, mittlerweile Vizepräsident, kümmerte sich um die juristischen Schwerpunkte.

In sportlichen Fragen stand zudem Hans-Georg Moldenhauer, Ex-Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) und Ex-DFB-Vizepräsident, zur Seite.

Bei der Suche nach einem sportlichen Leiter tauschte sich Fechner bereits 2011 mit Mario Kallnik aus. „Mario hatte allerdings einen guten Job bei der AOK, stand uns deshalb zunächst beratend im Beirat Sport zur Seite“, erinnert er sich. Das oberste Ziel der Verantwortlichen war, den Club 2011 in der Regionalliga zu halten. „Nach dem 1:2 gegen Havelse haben viele Fans ja gedacht, dass wir absteigen werden“, sagt der Präsident. „Wir haben uns aber zusammengesetzt und mit Trainer Wolfgang Sandhowe, der dann auch bleiben durfte, die letzten vier Partien gewonnen.“

2011/12 kein Absteiger

Damit war die Grundlage geschaffen, beim Club richtig aufzuräumen, da es in der Saison 2011/12 wegen einer Reform keinen Absteiger gab. „Es war das einzige Jahr, in dem wir den FCM in Ordnung bringen konnten. Manche sagen, dass diese Saison, in der wir Letzter wurden, der Tiefpunkt war. Ich sage, dass es das Jahr war, in dem wir die Geschäfte so regeln konnten, dass wir den Club in sicheres Fahrwasser bringen und den Aufbruch in bessere Zeiten starten konnten“, so Fechner.

In der Saison 2011/12 galt es einige Rückschläge zu verdauen. Zum einen lief es sportlich überhaupt nicht, für den entlassenen Sandhowe übernahm der heutige Co-Trainer Ronny Thielemann, der wiederum vom damaligen Sportlichen Leiter Detlef Ullrich abgelöst wurde.

Zudem machte die „Pizza-Affäre“ um den damaligen Kapitän Daniel Bauer bundesweit Schlagzeilen. Am 27. Oktober 2011 sollen zehn Vermummte bei ihm geklingelt und sich als Pizza-Service ausgegeben haben. Diese hätten Bauer dann bedroht und gedroht wiederzukommen, sollte das Spiel gegen Halle nicht gewonnen werden. Bauer verließ daraufhin den Verein. „Ich wollte den Jungen schützen, wollte mit ihm zur Polizei und Anzeige erstatten, was er aber ablehnte. Wir haben es als Verein dann aber doch gemacht“, erklärt Fechner. „Er beschwerte sich dann, dass er keine Unterstützung vom Verein bekommen hätte. Das war gelogen und eine üble Geschichte. Wir haben dann eine schnelle Trennung hinbekommen.“

Auch finanziell lief es weiterhin nicht rund. Der Club war zu diesem Zeitpunkt mit rund 200.000 Euro verschuldet und hatte im Wirtschaftsplan für die Saison 2012/2013 eine Unterdeckung von 150.000 Euro. Es drohte die Insolvenz, sollte diese Lücke nicht geschlossen werden. „Ich bin der Stadt Magdeburg heute noch dankbar, dass sie unsere Nachwuchsarbeit unterstützt hat und somit die Insolvenz verhindert werden konnte“, sagt er. Zuvor hatte sich der Club gegen den Einstieg des windigen spanischen Sportvermarkters „Asap“, der Investitionen von 30 Millionen Euro versprach, abgelehnt. Ex-Trainer Hans-Dieter Schmidt und Ex-Präsident Eckhard Meyer stellten damals den Kontakt her. „Die Leute wollten, dass das Präsidium zurücktritt und wir den Verein an sie abtreten. Das ging natürlich überhaupt nicht. Sie konnten auch kein richtiges Konzept vorlegen, somit war die Sache für uns und den Aufsichtsrat erledigt“, so Fechner.

„Alle haben blau-weißes Blut“

Nachdem die finanzielle Schieflage überwunden war, stellte sich der FCM mit Kallnik als Verantwortlichem für Finanzen und Sport und Trainer Andreas Petersen neu auf. Der Rest der Entwicklung ab 2014 unter Coach Jens Härtel ist eine Erfolgsgeschichte, die jetzt im Zweitliga-Aufstieg gipfelte. „Wir haben die richtigen Personen zur richtigen Zeit geholt und sie auch arbeiten lassen. Alle haben blau-weißes Blut. Ein Riesen-Meilenstein war die Ausgliederung im vergangenen Jahr, da wir die Einnahmen und Ausgaben zusammenführen konnten. Zur Bewältigung dieser Riesenaufgabe hatten wir unser Präsidium um Dirk Weber erweitert“, betont der Präsident. „Wichtig bleibt trotzdem vor allem, dass wir nie vergessen, wo wir herkommen. Der Verein wird von den Fans und Mitgliedern getragen.“

Fechner selbst hat unterdessen einen Plan, wie es für ihn in Zukunft weitergehen soll. „Im Herbst wird ein neuer Aufsichtsrat gewählt, der den Präsidenten beruft. Es stellt sich für mich die Frage, ob für diese Amtszeit dann nicht auch ein Generationswechsel sinnvoll wäre“, sagt Fechner. Sein größtes Glück sei, dass die Fans wieder mit Stolz das blau-weiße Trikot tragen. „Es ist wunderschön zu sehen, dass wir so viele Menschen in Magdeburg und der ganzen Region glücklich machen konnten. Es gibt nicht Schöneres, ein Teil davon zu sein.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere