Die Volksstimme hat Marius Sowislo vom 1. FC Magdeburg und Club-Fan Jan Adam während des Spieltags gegen Mainz 05 II begleitet.

Magdeburg l Mittelfeldspieler Marius Sowislo wechselte zur Spielzeit 2012/2013 zum 1. FC Magdeburg, den er mittlerweile als Kapitän auf das Spielfeld führt. In 20 Spielen der aktuellen Saison gelangen ihm bislang fünf Tore. In der internen Torschützenliste rangiert der 34-Jährige damit hinter Stürmer Christian Beck auf Rang 2. Fußball bezeichnet er als seinen Traumberuf. Die Arbeitstage sind geprägt von Routinen. Besonders am Spieltag greift ein festgelegter Ablauf.

Den kennt auch Jan Adam, wenn ein Heimspiel ansteht. Seit seinem sechsten Lebensjahr ist er Anhänger „meines Clubs“, dessen Spiele er als Kind mit seinem Vater besuchte. Auch in weniger erfolgreichen Zeiten etwa nach der Wiedervereinigung Deutschlands, als die Gegner FSV Velten, SG Bornim und VfB Lichterfelde hießen und sich im damaligen Ernst-Grube-Stadion „manchmal nur zwei- bis dreihundert Zuschauer verloren haben“, hielt er dem Verein die Treue. Mehr noch, als er in den 2000er Jahren vor dem finanziellen Aus stand, half Adam mit, den Niedergang abzuwenden. Der Serviceassistent ist Träger des sogenannten Treuerings, der einem Kreis von Anhängern vorbehalten ist, die durch eine Zahlung von über 3000 Euro lebenslanges Kartenrecht haben. Jan Adam ist Präsident des Fanclubs „Texas-Family“, der 2013 als Familienclub gegründet wurde und 20 Mitglieder aus und um Magdeburg zählt.

Wie Spieler und Fan den Spieltag erleben, berichten sie hier.

Morgens

Jan Adam: Während der Woche arbeiten meine Frau und ich auf den Spieltag hin. Einkäufe werden vorab erledigt und Hausarbeiten auch gern auf den Sonntag verlegt, damit wir uns den Sonnabend komplett freihalten. Denn der Spieltag ist für uns ein Feiertag. Gefrühstückt wird erst, wenn die FCM-Fahne auf dem Balkon gehisst wurde. Heute gibt es nur einen Kaffee zum Blick in die Volksstimme, denn unser Fanclub trifft sich zum Brunch in einem Café nahe der Arena. Dabei ist nicht nur der FCM ein Thema. Wir verstehen uns als Familienclub und tauschen auch Persönliches aus. Zum Beispiel darüber, wie es den anderen seit dem letzten Treffen ergangen ist. Aber irgendwann im Laufe der Zeit kommen wir an dem Club nicht vorbei, dafür sind wir alle zu sehr Fans. Einer hat immer eine Info, die kein anderer parat hat.

Marius Sowislo: Ich kann mich drauf verlassen, dass mich meine Tochter Daria um 8 Uhr weckt. Seit 16 Monaten ist das ein schönes Ritual. Bis zum Frühstück nutzen meine Frau Julia und meine Tochter die Zeit und spielen zusammen, ehe das Essen vorbereitet wird. Ich habe eine Vorliebe für Brötchen mit Rührei und etwas Schnittlauch. Obst ist auch immer mit dabei. Kaffee ist Pflicht, manchmal auch Müsli.
Gegen 10.30 Uhr meldet sich meine innere Uhr – dann steht die Fahrt zum Mannschaftshotel an. Dort nehmen wir Spieler gemeinsam einen Brunch zu uns, daher achte ich beim Frühstück auch darauf, nicht zu viel zu essen. Während der Fahrt meldet sich meine Mutter Edith mit einer Nachricht. Sie wünscht mir viel Erfolg für das Spiel. Wichtiger ist ihr aber, dass ich gesund bleibe. Typisch Mutter eben …

Vormittag

Jan Adam: Seit einigen Jahren haben wir einen festen Platz auf dem Parkplatz an der Nordseite der Arena. Jeder der Texasfamily weiß, dass wir uns hier treffen. Einer hat immer ein paar Getränke dabei – betrunken wird sich aber nicht! Der Anpfiff ist zwar noch über eine Stunde weg, doch jetzt knistert es schon, wie man so schön sagt. Denn schon hier inmitten der Fans, bei Bratwurstduft und den vielen Bekannten kommt Stadionatmosphäre auf. Logisch will jeder seinen Tipp abgeben. Ich bin skeptisch, was den Gegner angeht. Mainz ist zwar Tabellenletzter, doch Zweitvertretungen von Bundesligaclubs sind technisch wie spielerisch sehr stark …

Bevor sich alle nun 45 Minuten vor dem Spiel ins Stadion begeben – wir sitzen verteilt in verschiedenen Blöcken – gibt es für jeden noch einen Eierlikör. Irgendeiner fing damit vor einiger Zeit an und weil es bei dem Spiel einen Sieg gab und wir viele Frauen in unserer Gruppe haben, haben wir das als unser Ritual beibehalten.

Marius Sowislo: Drei Stunden vor dem Anpfiff im Mannschaftshotel zu erscheinen ist Pflicht. Wehe dem, der zu spät kommt. Der hat beim Trainer und der Mannschaft schlechte Karten. Das Gleiche gilt übrigens auch für das Tragen des Präsentationsanzuges, denn wir möchten uns auch abseits des Rasens als Einheit zeigen. Deshalb gehen private Klamotten wie Jeans gar nicht.

Mit dem Essen im Hotel wird die Grundlage für das Spiel gelegt, wenn man so will. Der Speicher wird mit Nudeln oder Kartoffeln und Hähnchen oder Fisch und meistens mit einer „sportlergerechten“ Soße, also Tomaten- oder Bolognesesoße, aufgeladen.
Im Kreis der Mannschaft stimmt Jens Härtel auf das Spiel ein und erinnert noch einmal an das, was wir uns während der Woche erarbeitet haben. Auf Tafeln sind taktische Festlegungen zum Beispiel für Standardsituationen festgehalten. Erst nach einem gemeinsamen Spaziergang erfahren wir, wer aufläuft. Ich bin in der Anfangself mit dabei!

Mit unseren Autos fahren wir dann zum Stadion – gern auch in Fahrgemeinschaften. Ich habe heute „Putti“ (Steffen Puttkammer) und Piotr Cwielong mit dabei. Ein toller Anblick, all die Fans ins Stadion pilgern zu sehen. Das ist Motivation pur. Daher brauche ich auch keine spezielle Musik im Auto, um mich zu pushen. Das machen die Fans, egal welchen Alters, die wegen uns ins Stadion kommen und uns unterstützen. Besonders die Familien erinnern mich daran, wie ich als Kind mit meinem Vater zu den Spielen des VfL Bochum gegangen bin. Für Autogramm- oder Fotowünsche vor und nach dem Spiel bin ich auf jeden Fall zu haben. Das gilt übrigens auch für Späße mit den Mitarbeitern des FCM wie Schiedsrichterbetreuer Olaf Kraus. Er macht wie die anderen einen tollen Job.

Nachmittag

Jan Adam: Was mir beim Einlass immer wieder auffällt ist die Tatsache, dass zu wenig weibliche Ordner vor Ort sind, welche die Frauen kontrollieren. Dabei hat der Anteil an weiblichen Anhängern in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Nun aber schnell, denn ich möchte der Mannschaft noch bei der Erwärmung zusehen. Da bekommt man manchmal schon ein Gespür dafür, wer besonders gut drauf ist. Wir sind im Block 8 zu Hause und haben eigentlich Sitzplätze – stehen aber immer die ganze Zeit. Der wahre Fan steht, sozusagen. Denn dabei kann man die Stimmung, die vom Block U rüberschwappt, am besten aufnehmen und auf das Spielfeld übertragen. Leider gibt es kurz nach Anpfiff den ersten Dämpfer – 0:1 für Mainz. Heute scheint nicht der Tag der Blau-Weißen zu sein. Egal, was sie probieren, es führt nicht zum Ausgleich.

Vor dem Abpfiff das Stadion zu verlassen, wie es ab der 73. Minute bereits die ersten Zuschauer machen, kommt nicht infrage. Unterstützung gibt es bis zum Schluss! Nach dem Spiel geht es nicht gleich nach Hause. Die Analyse mit den Bekannten steht auf dem Parkplatz an. Dort treffen wir uns am Freitag vor dem Münster-Spiel schon wieder. Einmal, immer!

Marius Sowislo: Sich mit Laufübungen warm zu machen, ist nicht mein Ding. Ich habe lieber gleich den Ball am Fuß und spiele ihn mir mit Nico Hammann zu, der genauso tickt wie ich. In der Kabine streifen wir die Trikots über, die Heiko Horner schon vorbereitet hat. Der Trainer sagt noch einen Satz, bevor ich einige Worte zur Mannschaft sage und es endlich auf den Platz geht. Die Nervosität im Spielertunnel ist enorm – dort warten die Kinder der Einlaufeskorte schon aufgeregt auf uns. Damit das Eis gebrochen wird, frage ich, ob ihre Eltern mit im Stadion sind, und sage ihnen, dass sie ins Publikum winken können, damit ihre Großeltern und Freunde sie im Fernsehen sehen können. Das Spiel wird ja übertragen.
Vor dem Betreten des Rasens bekreuzige ich mich – mein persönliches Ritual. Ein gutes Gefühl habe ich, wenn meine Frau und meine Tochter mit im Stadion sind. Der Blick zu ihnen gehört zum Spiel mit dazu.

Nach Anpfiff versuche ich über Zweikämpfe ins Spiel zu kommen. Die geben mir Sicherheit und sollen zeigen, wer hier Chef ist. Weil die Fans für eine unglaublich laute Kulisse sorgen, ist der Trainer ab und an mit seinen Anweisungen nicht zu verstehen. Etwa wenn ich im rechten Mittelfeld in Richtung Block U laufe und mich im Bereich von Block 8 befinde. Da hat er mit seinen Rufen keine Chance. Deshalb ist es wichtig, dass wir Spieler untereinander kommunizieren und unseren 360-Grad-Blick einschalten.

Heute hat die Effektivität gesiegt. Leider haben wir es versäumt, einen wichtigen Heimsieg einzufahren, um das Punktepolster auf den 4. Platz auszubauen. Am Freitag bietet sich gegen Preußen Münster eine neue Chance, um es besser zu machen!

Auch nach der Niederlage gehört es dazu, sich den Fragen der Presse und Fans zu stellen. Besonders kritisch meldet sich mein Vater Heinrich zu Wort. Wenn ich in die Kabine komme, hat er schon längst einige Nachrichten abgesetzt (schmunzelt). Meine Mutter hat gleich gefragt, was mit der Verletzung ist, die ich mir bei einem Kopfballduell geholt habe. Nichts Schlimmes, nur ein Cut.

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